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Hingucker: Kalligrafie-Projekt „Sprüche und Poesie an Höxters Geschäften“ geplant

Schaufenster erzählen Geschichten

Höxter (WB). Sie sind ein echter Hingucker und für viele ein begehrtes Fotomotiv: die Kalligrafie-Sprüche an den Schaufenstern der Einzelhändler und Gastronomen der sächsischen Stadt Pirna. Die Schaufenster-Reime und markigen Sprüche machen dort seit Jahren die Innenstadt und die ortsansässigen Geschäfte attraktiver. „Das funktioniert hervorragend“, berichtet Gastwirt Andreas Rüther in der Jahreshauptversammlung der Werbegemeinschaft Höxter. Der Höxteraner Rüther war kürzlich auf Reisen in Pirna und hat die Idee mitgebracht.

Michael Robrecht

Tolle Idee: Die Stadt Pirna an der Elbe bei Dresden hat sich eine besondere Aktion ausgedacht, um die Innenstadt und die ortsansässigen Geschäfte attraktiver zu machen: Lustige, nachdenkliche und ermunternde Sprüche locken Kunden an. Foto: Citymanagement Pirna

Die Kaufmannschaft der Weserstadt war von den Schaufenstersprüchen aus Sachsen so begeistert, dass das Projekt „Wenn Schaufenster Geschichten erzählen“ noch in diesem Herbst auch in Höxter gestartet werden soll. Der Vorstand der Werbegemeinschaft erhielt von der Versammlung den Auftrag, die Aktion vorzubereiten, um schon zum Märchensonntag am 18. Oktober zu beginnen. „Worauf sollen wir warten?“, meinten viele Mitglieder. Das Projekt sei schnell umsetzbar und halte sich finanziell im Rahmen. Gesucht werden jetzt heimische Kalligrafen. Kreative Sprüche und Themen lassen sich aus Sicht von Andreas Rüther für jedes Geschäft schnell finden.

Höxters Schaufenster sind immer ein Hingucker: Das Sprüche-Projekt wäre aber eine weitere City-Bereicherung. Foto: Michael Robrecht

„Mit den Kalligrafie-Reimen wollen wir die Besucher zum Nachdenken anregen oder ihnen ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Aber wir möchten mit dieser Aktion auch erreichen, dass Bewohner und Besucher noch aufmerksamer durch die Innenstadt laufen und die Geschäfte mit ihren schönen Schaufenstern und vielfältigen Produkten noch stärker wahrnehmen“, erklärte Jana Türke (Citymanagement Pirna). Einheimische und Touristen blieben an den Schaufenstern auffällig häufig stehen und hetzen nicht mehr nur durch die Stadt, heißt es aus Pirna. Dort war die Künstlerin Juliana Dressel-Zagatowski in den Gassen mit Stift und Wischeimer unterwegs und hat die Sprüche mit ihrer schönen Kalligrafie-Schrift an zahlreiche Schaufenster geschrieben. Jedes Jahr gibt es dort Sätze zu Themen wie Familie, Stadtfest oder Weihnachten.

„Die Kunst ist der natürliche Feind der Normalität“

Andreas Rüther trug einige Sprüche vor. Beispiel Gaststätte: „Was man im Zug Überfüllung nennt, heißt in Kneipen Atmosphäre.“ Für ein Spielwarengeschäft: „Der schönste Spiegel eines Menschen sind seine Kinder.“ Café: „Mütter sind wie Knöpfe, sie halten zusammen.“ Restaurant: „Ein Restaurant ist eine Form gelebter Fantasie, in dem das Essen die absolute Hauptrolle spielt.“ Kunst und Kultur: „Die Kunst ist der natürliche Feind der Normalität.“ Spezialitäten: „Meine Eltern sagen, ich soll nicht lügen. Mein Kommentar dazu: Weihnachten. Osterhase. Zahnfee.“

Viele Teilnehmer der Jahresversammlung konnten sich nach Vorführung eines Youtube-Videos über das Projekt (www.youtube.com/watch?v=6lhoeXue4ws) vor ihrem geistigen Auge die kreativen Sprüche in Höxters Schaufenstern gut vorstellen. Auch wird die inhaltliche Beteiligung der Bürger zu Themen wie Gartenschau, Altstadt, Kinder oder Einkaufen angestrebt. Jetzt hat der Aktionsausschuss der Werbegemeinschaft das Wort.

Rentner sammelt Kippen auf

Lob und Applaus gab es von den Kaufleuten in der Jahresversammlung im Hotel Niedersachsen für einen unbekannten Höxteraner Rentner, der jeden Tag mit einer Zange durch die Innenstadt geht und freiwillig akribisch die Zigarettenstummel aufsammelt, damit Höxters City ordentlich bleibt.

89 Unternehmen sind zurzeit Mitglied der Werbegemeinschaft. Mit Blick auf die LGS und andere Initiativen könnten es durchaus noch einige mehr. Problem ist, dass viele Filialisten überregionaler Ketten nicht beitreten und auch keinen Obolus zu den Kosten für Stadtfeste oder den Weihnachtsmarkt beisteuern. Hier will man noch einmal aktiv werden.

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