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Braun-gelbe Klumpen auf der Weser beunruhigen viele – Entwarnung der Behörden

Schaum auf dem Fluss ein seltenes Naturphänomen

Höxter/Beverungen (WB). Der Fluss schäumt und blüht. Dieses Phänomen beunruhigt und überrascht viele Naturfreunde an der Oberweser. In den vergangenen Tagen wurde im gesamten Bereich der Weser von Hann. Münden bis über die hessische Landesgrenze bei Bad Karlshafen nach Beverungen und Höxter und Holzminden sowie Hameln eine verstärkte Schaumbildung beobachtet.

Michael Robrecht

Gelbe Schaumklumpen schwimmen auf der Weser: Das Bild erinnert ein wenig an jene Winter, wo Eisschollen auf dem Fluss zu sehen sind. Der Fluss wirkt bräunlich durch Pollen und Blütenreste, wie hier unter Höxters Weserbrücke. Foto: Michael Robrecht

“Davon geht jedoch keinerlei Gefahr für Mensch und Natur aus”, versichert Gabriele Lemmer vom Fachdienst Wasser- und Bodenschutz des Landkreises Kassel, in Abstimmung mit dem Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie. Ursache für den gelben oder auch bräunlichen Film auf dem Wasser ist ein ungewöhnlich starker Eintrag von Pollen und Blütenstaub an Werra und Weser. “Der Schaum entsteht durch mechanische Zerschlagung der Eiweißpartikel im organischen Material und setzt sich in ruhigen Zonen an der Wasseroberfläche ab”, erläutert Lemmer. Alles ist also ein harmloses Naturphänomen, das sehr lange und in dieser Form hier nicht beobachtet worden ist.

Viele Wanderer und Anlieger am Fluss haben sich am Dienstag und Mittwoch bei Behörden und Polizei gemeldet, um einen „Umweltskandal“ in der Weser zu melden. „Das sieht durch die unschöne braun-gelbe Brühe tatsächlich so aus, als wäre eine riesige Kläranlage ausgelaufen“, meinte ein Höxteraner an der Weserpromenade. Schaumbrocken lagern sich gerne in den Flussbiegungen an den Ufern ab und sehen aus wie aufschäumendes Waschmittel. Höxters Kreisverwaltung hatte sich schon am Dienstag auf die Spur des Schaums begeben und nach Gesprächen mit den Nordhessen in Kassel alle Befürchtungen zerstreuen können, dass es sich um eine Verdreckung durch Abwasser oder um eine Umweltverschmutzung handeln könne.

Immer wieder hat es auf heimischen Gewässern und Seen in der Vergangenheit rätselhafte Blütenbildung, Algen oder Schaum im Wasser gegeben. Es gab sogar erste Befürchtungen, der Schaum habe schon etwas mit der angekündigten stärkeren Abwassereinleitung des Kasseler Kalikonzerns K+S in die Werra zu tun.

Bereits 2012 war schon einmal ein Schaum-Befall auf der Weser zwischen Hessen und Bremen aufgefallen. Die Bezirksregierung Detmold ließ damals durch ein Labor die Ursache ermitteln: Die Schaumklumpen sowie die Schaumblasen bestanden aus Resten zerschlagener Kieselalgen, die in der Weser vorkommen.

Die aktuelle braune Schlammbrühe erinnert viele Höxteraner an die unseligen Zeiten vor der Wende 1989/90, als die DDR eine hohe Salzfracht aus ihren thüringischen Kaligrube in großen Mengen in die Werra leitete und damit auch die Weser über Jahre zum Blühen, Stinken und Umkippen brachte. Viele Anrainer-Bewohner erinnern sich noch an den Fluss in dem schlimmen Zustand. Zudem war die Weser von 1971 bis Mitte der 1990er Jahre auch noch zwei bis drei Grad wärmer, weil das Kernkraftwerk Würgassen durch die Kühlung im Atommeiler erwärmtes Kühlwasser in den Fluss kurz vor Beverungen leitete.

Der Weserpegel lag am Mittwoch nur noch bei 1,16 Metern in Höxter. Die Ufersteine sind schon wieder sichtbar. Tendenz fallend.

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