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Dauer-Niedrigwasser im Ederstausee und in der Weser: Politiker fordern neues Denken – nutzt eine Staustufe?

Schleuse soll den Weser-Pegel erhöhen

Höxter/Beverungen

Weil der Ederstausee in den vergangenen Jahren oft mehrere Monate im Jahr als Wasserlieferant für Fulda und Weser ausgefallen ist, gibt es in Nordhessen eine aktuelle Diskussion, was gegen das Dauer-Niedrigwasser unternommen werden kann.

Michael Robrecht

Solch ein Bild hat es Jahrzehnte nicht gegeben, und 2019 und 2020 im Sommer gleich zwei Mal hintereinander. Foto: Michael Robrecht

Der Kasseler Bundestagsabgeordnete Matthias Nölke (FDP) schlägt den Bau einer Schleuse zum Aufstauen der Oberweser vor, um den Edersee zu entlasten. Damit würde sich der Pegel auf der Oberweser erhöhen und der Edersee weniger Wasser abgeben. Die Kasseler Bundestagsabgeordnete Esther Dilcher (SPD) hält eine ernsthafte Prüfung des Vorschlags für sinnvoll.

MdB Haase interessiert

Mit Interesse hat auch der Beverunger CDU-Bundestagsabgeordnete Christian Haase die Schleusen-Debatte verfolgt und kann sich gut vorstellen, die Idee zu prüfen. „Mit Blick auf Natur und Umwelt und auf den wirklichen Nutzen sollten Vorteile und Nachteile gegenübergestellt werden, um zu beurteilen, ob eine Aufstauung der Oberweser einen echten Effekt für die Region bringen könnte“, sagte Haase dem WESTFALEN-BLATT. Er sei bei solchen Initiativen immer der Meinung, das nicht gleich als unrealistisch zu verwerfen, sondern zu überlegen, was machbar sei.

Hintergrund für den Vorstoß der Nordhessen ist Folgendes: Wegen geschrumpfter Niederschlagsmengen verschärft sich der Interessenkonflikt der beiden Regionen Edersee und Oberweser seit Jahren. Das Wasser wird sowohl am Edersee für die Tourismusbranche mit vielen Gastronomie- und Freizeitbetrieben als auch an der Oberweser mit Schiffsverkehr und Tourismus benötigt. „Wir müssen wegen des Wassermangels handeln und neu denken“, fordert FDP-Abgeordneter Nölke.

Die Nordhessen mussten sich bisher mit der vom Regierungspräsidium (RP) Kassel 2020 bekräftigten Linie für die Edersee-Bewirtschaftung zufrieden geben. Die Bezirksregierung verwies damals auf den 2019 für fünf Jahre vereinbarten Pilotversuch mit verringertem Minimalablass im Winter und bei Wasserknappheit abgesenktem Zielpegel von 1,15 Meter an der Weser.

Esther Dilcher sagte gegenüber hessischen Medien: „Angesichts der Dürre zeichnet sich ab, dass das Drehen an diesen Stellschrauben die Probleme nicht im Ansatz gelöst hat. Einer solchen Trockenheit hat das System um die Bewirtschaftung des Edersees nichts entgegen zu setzen mit der Folge, dass nicht mehr nur Betriebe am Edersee Existenznöte ausstehen, sondern auch die Unternehmen an der seit Monaten trocken gefallenen Weser.“

Dass eine Schleuse flussabwärts zwischen Hann. Münden und den folgenden Weseranrainerorten in günstigem Gelände im engen Flusstal angelegt wird oder sogar Staustufen, wie am Rhein planungsrechtlich auf den Weg gebracht werden könnten, das ist neu. Eine Schleuse müsste aber erst in den Bundesverkehrswegeplan hinein geschrieben werden. Der Fünf-Jahres-Wegeplan wird 2021 neu im Bundestag beraten. Die Arbeitsgemeinschaft der Oberweser-Anrainer im Bundestag soll das Thema Schleuse einbringen.

MdB Christian Haase erinnert daran, dass der Edersee (1908 bis 1914 gebaut) allein zur Regulierung des Pegelstandes der Weser und der angrenzenden Kanäle wie dem Mittellandkanal angelegt worden sei. Der Edersee-Tourismus spiele aber jetzt in Nordhessen die Hauptrolle. Wichtig für die Region Weserbergland sei, dass die Weser schiffbar bleibe. Man habe vor Jahren bereits erfolgreich die Abstufung zum reinen Fließgewässer für Boote verhindern können. Eine Wende im Denken sei zu beobachten: „In den vergangenen Jahren sind immer nur Staustufenabbau und die Renaturierung von Fluss und Ufer Themen gewesen.“

Schaut man an den Rhein, da sieht man, welche umweltpolitischen Diskussionen sofort losbrechen, wenn es um neue Schleusen oder Staugebiete geht. Der Vorschlag des Chemieriesen BASF, künftig Niedrigwasser des Rheins mit neuen Staustufen zu verhindern, stößt bei Experten und Naturschützern auf große Skepsis. Die Schiffe würden damit verlangsamt, die Tierwelt und die Pflanzenarten verändert. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sprach von „reinem Aktionismus“ – das Projekt wäre heutzutage nicht zu finanzieren und planungsrechtlich nicht umzusetzen.

Für die Weser könnte eine Schleuse – je nach Größe – bedeuten, dass sich der Wasserstand des Flusses oberhalb der Staustufe erhöht und unterhalb niedriger wird. Dann müssten möglicherweise Uferstraßen, Bahnstrecken, Hochwasserdämme oder der Hochwasserschutz für Flussorte angepasst werden. Das gilt alles als sehr ambitioniert und nicht billig.

Flotte Weser

Die Flotte Weser als Eigner der Weserausflugsschiffe hat 2019 und 2020 Teile der Saison abschreiben müssen, weil die Weser nicht nur im Sommer unter einen Meter Tiefgang gefallen ist, sondern im September zeitweise die 60-Zentimeter-Marke unterschritten hat. Dazu kamen für die Reeder aus Hameln die Corona-Einschränkungen. Die Hamelner hoffen, dass sie Ende April Schiffe wie die „Höxter“ wieder auf der Weser fahren lassen können.

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