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Arzt-Patienten-Seminare klären über den plötzlichen Herztod auf

Schnell, unerwartet, tragisch

Höxter (WB). Das erschütternde Ereignis kommt wie aus heiterem Himmel – oft ist aber ein krankes Herz die Ursache. Was zum plötzlichen Herztod führt und wie sofortige Erste Hilfe Leben retten kann, will die Katholische Hospitalvereinigung Weser-Egge in einer Arzt-Patienten-Seminarreihe klären.

Marius Thöne

Groß wie eine Zigarettenschachtel sind Defibrillatoren, die unter die Haut gepflanzt werden (von links): Hans-Jürgen Nolte (AOK), Dr. Martin Buerschaper, Bettina Sturm (Herzstiftung) und Dr. Eckhard Sorges kämpfen gegen den plötzlichen Herztod. Foto: Marius Thöne

»Bedrohliche Herzrhythmusstörungen – wie schütze ich mich vor dem plötzlichen Herztod« lautet das diesjährige Motto der bundesweiten Herzwochen, die vom 1. bis 30. November stattfinden. Seit 21 Jahren beteiligen sich auch die Kardiologen Dr. Martin Buerschaper (niedergelassener Facharzt in Höxter) und Dr. Eckhard Sorges, Chefarzt der Kardiologie am St.-Ansgar-Krankenhaus, an den Aufklärungskampagnen der Deutschen Herzstiftung.

65.000 Tote jährlich

Nach offiziellen Zahlen sterben in Deutschland jährlich 65.000 Menschen am plötzlichen Herztod. Sorges geht davon aus, dass die tatsächliche Zahl viel höher liegt. »Wenn ein Mensch stirbt, wird auf dem Totenschein oft irgendwas eingetragen, weil man die Ursache ja nicht so genau weiß«, sagt der Mediziner. In Österreich sei das anders, dort werde jeder Tote seziert. Ursache für den plötzlichen Herztod sei oft eine bösartige Herzrhythmusstörung – meist das lebensgefährliche Kammerflimmern, das häufig bei einem Herzinfarkt auftrete. Seltener liege eine Herzmuskelentzündung, ein Herzfehler oder eine angeborene Ursache vor.

»Binnen weniger Minuten liegt dann ein Herzstillstand vor und wenn nicht sofort, am besten per Elektroschock mit dem Defibrillator, geholfen wird, ist alles zu spät«, erläutert Sorges. Wird der plötzliche Herzstillstand überlebt, hängt der weitere Verlauf entscheidend davon ab, wie schnell vor Ort mit geeigneten Gegenmaßnahmen begonnen werden konnte. Wenn bei einer Wiederbelebung zu viel Zeit vergehe, könnten schwere Gehirnschäden entstehen.

Ersthelfer kämpfen gegen die Zeit

Ersthelfer kämpfen also immer gegen die Zeit. »Wichtig ist, dass als aller erstes der Rettungsdienst gerufen wird, danach ist die sofortige Herzdruckmassage bis zum Eintreffen des Rettungswagens lebenswichtig«, sagt Buerschaper. Allerdings: Erst der Elektroschock rette letztlich das Leben, also müsse der Defibrillator so schnell wie möglich zum Patienten.

In der weiteren Behandlung würden Patienten auch Defibrillatoren unter die Haupt gepflanzt. Das Gerät ist etwa so groß wie eine Zigarettenschachtel und könne bösartige Herzrhythmusstörungen selbstständig per Elektroschock behandeln. Etwa 100 solcher Eingriffe werden im Ansgar-Krankenhaus jährlich vorgenommen.

Chefarzt Sorges empfiehlt, dass sich Haushalte einen eigenen, transportablen Defibrillator anschaffen, wie er in vielen öffentlichen Gebäuden hängt. »Der kostet rund 1000 Euro und kann im Ernstfall Leben retten«. Die Modelle seien leicht zu bedienen.

Vortragsreihe geplant

Wer ist betroffen? Wie beuge ich dem Schicksalsschlag vor? In ganz Deutschland erfolgen im November hierzu Arzt-Patienten-Seminare, um Aufklärung hinsichtlich Vorbeugung und der notwendigen Akutbehandlung zu leisten. »Wir hoffen auf eine große Resonanz. Mit den Veranstaltungen im Rahmen der Herbstwoche wollen wir für mehr Achtsamkeit sensibilisieren. Denn die eigene Gesundheit wird meist erst dann zum Thema, wenn sie gefährdet ist«, sagt Hans-Jürgen Nolte, Teamleiter Prävention bei der Krankenkasse AOK Nord-West, die die Arzt-Patienten-Seminare unterstützt. Die Veranstaltungsreihe wird zusätzlich in Borgentreich von der BSG und in Steinheim von der Selbsthilfegruppe Herz-Kreislauf des Kreises Höxter unterstützt.

Die Termine für die Arzt-Patienten-Seminare sind:

Beverungen: Dienstag, 5. November, 18 bis 19.30 Uhr in der Stadthalle (Kolpingstraße 5).

Brakel: Mittwoch, 6. November, 18 bis 19.30 Uhr im Bildungszentrum des Klinikums-Weser-Egge (Danziger Straße 17).

Höxter: Samstag, 9. November, 10 bis 12 Uhr im Hotel Niedersachsen (Grubestraße 3-7).

Borgentreich: Mittwoch, 13. November, 18 bis 19.30 Uhr im katholischen Pfarrheim (Steinweg 22).

Steinheim: Samstag, 23. November, 10 bis 12 Uhr, Evangelisches Gemeindezentrum (Zugang Pyrmonter Straße 11).

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