1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Hoexter
  6. >
  7. Sicheres Heim für die Schlingnatter

  8. >

Spezielle Zäune sollen „Ausbruch“ verhindern – Biologe Beinlich überrascht von hoher Population

Sicheres Heim für die Schlingnatter

Höxter (WB). Morgens in aller Frühe ist das Team um Dr. Burkhard Beinlich (Diplom-Biologe) auf den Beinen, um einer ganz besonderen Spezies auf die Spur zu kommen: Es dreht sich um die Schlingnatter, die meist eine dunkle kronenförmige Zeichnung auf dem Kopf hat – und deswegen auch wissenschaftlich „Coronella austriacia“ genannt wird (Coronoella, lat. Krönchen).

Harald Iding

Die Reusen (spezielle Zäune) sind über mehrere hundert Meter im Taubenborn errichtet worden. Sie sollen sicherstellen, dass Schlingnatter und Co. in ihrer neuen Umgebung bleiben. Foto: Harald Iding

Dr. Beinlich hat zuletzt eine unglaubliche Ent­deckung gemacht, wie er dem WESTFALEN-BLATT jetzt exklusiv verriet. „Ich habe mit dieser hohen Population nicht gerechnet. Es sind mehr, als wir gedacht haben. Wir haben allein auf dem Stück Bahnübergang und Ottbergen – auf rund zwei Kilometern – zwischen 25 und 30 Tiere abgefangen. Und am Bahndamm sind noch weitere zu finden.“ Sie sollen nun umgesiedelt werden in den neuen Korridor, unterhalb des Brunsbergs und am Langer Berg.

Die Schlingnatter ist besonders geschützt. Foto:

So könnten die Tiere den neuen, optimierten Lebensraum annehmen und man müsse nicht befürchten, dass mit dem geplanten Neubau der B 64/B 83 zwischen Hembsen und Höxter die streng geschützten Tiere dort zu Tode kommen. „Die Schlingnattern und Zauneidechsen erhalten auf diese Weise ein neues, sicheres Heim“, sagt Beinlich. In den letzten Tagen ist Spaziergängern am Taubenborn aufgefallen, dass dort kleine Zäune (Reusen) aufgestellt worden sind.

„Das stimmt. Das haben wir schon im Mai angekündigt“, betonte am Donnerstag Pressesprecher Andreas Hüser vom Landesbetrieb Landesbetrieb Straßenbau NRW. Die Reusen, die aufgebaut werden, stellen während der Eingewöhnungszeit sicher, dass die Tiere in ihrer neuen Umgebung auch wirklich bleiben.

Neuen Lebensraum geschaffen

Denn es sei möglich, dass sie zunächst noch versuchen würden, in ihre angestammten Lebensräume zurückzukehren. Diese „kniehohen“ Reusen hindern die Reptilien daran, die neuen Flächen einfach zu verlassen. Gleichzeitig sei es jedoch für Kleinsäuger und andere Reptilien möglich, in diese Flächen einzuwandern. Hüser: „Sobald die Tiere ihren neuen Lebensraum kennengelernt und angenommen haben, werden die Zäune in den nächsten Jahren wieder entfernt.“ Im Bereich des Naturschutzgebiets „Grundlose-Taubenborn“ werde ein Teil des Bahndamms in die Maßnahme „Neubau B 64/B 83“ einbezogen. Dabei würde dann zukünftig der bisherige Lebensraum von Schlingnatter und Zauneidechse beansprucht. Übrigens: Die Naturschutzverbände lehnen die gplante Trassenführung der neuen Bundesstraße 64/83 ab. Aus ihrer Sicht rechtfertigt das Verkehrsaufkommen von „wenigen tausend Kraftfahrzeugen“ pro Tag keinen Komplettneubau der Bundesstraße.

Startseite
ANZEIGE