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1700 Jahre staatlich garantierter arbeitsfreier Tag – Erklärung der Kirchen zur heutigen Bedeutung

„Sonntag ist Tag der Freiheit“

Höxter

Der Sonntag ist kein Tag wie jeder andere. Dass er gesetzlich für arbeitsfrei erklärt wurde, liegt länger zurück als die Gründung der Benediktinerabtei Corvey 822. Dem römischen Kaiser Konstantin ist die bedeutende Kulturleistung der Sonntagsruhe zu verdanken. Er erließ sie per Dekret am 3. März 321 – also vor genau 1700 Jahren.

Sabine Robrecht

Der klassische Sonntags-Spaziergang (hier an den Godelheimer Seen bei Höxter) ist seit Beginn der Corona-Pandemie wieder total angesagt: Foto: Michael Robrecht

Dieses besondere Jubiläum bringt einen Tag ins Bewusstsein, der der Erholung dient. Schalten die Menschen denn heute wirklich am Sonntag von der Arbeit ab? Diese Frage stellt sich jetzt, da die Wege zur Arbeit durchs Homeoffice für Viele kürzer geworden sind, durchaus. Nicht nur vor diesem Hintergrund erinnern die christlichen Kirchen in Deutschland angesichts des Jahrestages in einer gemeinsamen Erklärung an den Wert der sonntäglichen Arbeitsruhe. Der Staat sei aufgerufen, „den arbeitsfreien Sonntag zu schützen und dessen Erosion zu verhindern“. Die Menschen seien ihrerseits ebenfalls in der Verantwortung: „Durch unser eigenes Tun und Lassen entscheiden wir darüber, welchen Wert und welche Qualität der Sonntag für uns hat.“

Pfarrdechant Dr. Hans-Bernd Krismanek, Leiter des Pastoralverbunds Corvey, hält es für richtig, dass Kirchen, Parteien und Gewerkschaften die Arbeitsfreiheit des Sonntags im Auge behalten. Denn dieser Tag werde als Tag der Erbauung und der Arbeitsruhe immer mehr durchbrochen aufgrund veränderter Lebensgewohnheiten und vermeintlich wirtschaftlicher Notwendigkeiten. Es habe in der Geschichte aber immer auch Feste und Märkte an Sonntagen gegeben, blickt der Geistliche zurück und schlussfolgert für die Gegenwart, dass Sonntags-Ladenöffnungen zu einigen wenigen Anlässen eine Fortführung dieser jahrhundertealten Gepflogenheiten seien, „solange sie die Ausnahme von der Regel bleiben“.

Ausnahmen von der Sonntagsruhe

Ausnahmen bei der auch im Grundgesetz verankerten Sonntagsruhe sind heute Gesundheitsberufe, die Polizei, die Gastronomie und wenige weitere Dienstleister. Unaufschiebbare Arbeiten dürfen auch die Landwirte sonntags erledigen. Das war schon unter Kaiser Konstantin möglich. Von seinem Ruhe-Gesetz für den Sonn-Tag (venerabilis die solis) vor 1700 Jahren waren Landwirte ausgenommen.

Pfarrdechant Hans-Bernd Krismanek Foto:

Der christlichen Bevölkerungsminderheit in seinem Reich kam das Sonntagsdekret gelegen. Sie trafen sich seit neutestamentlicher Zeit immer schon sonntags, um Gottesdienst zu feiern, weil Christus am dritten Tag nach seiner Kreuzigung – also an einem Sonntag – auferstanden war. Dieser Tag war für die Christen der „Tag des Herrn“. Dieser Name lebte in allen romanischen Sprachen fort, erläutert Pfarrdechant Krismanek.

Ein arbeitsfreier Tag in der Woche ist aber auch, so der Geistliche, eine Errungenschaft des Judentums. Der jüdische Sabbat nimmt Bezug auf Gottes Ruhetag während der Schöpfung und an die Befreiung Israels aus Ägypten, während der Mose die Zehn Gebote empfing. Eines von ihnen ist das Sabbatgebot. Dieser Ruhetag war damit auch ein Tag der Freiheit.

Gemeinsame Erklärung

In ihrer gemeinsamen Erklärung zum Jubiläum des Sonntags-Dekrets Kaiser Konstantins verweisen die christlichen Kirchen auch auf die Verbundenheit mit dem Judentum: Die christliche Tradition eines regelmäßig wiederkehrenden Ruhetages entstamme dem Sabbat des Judentums, „mit dem wir als Christen so zentrale Texte wie die Schöpfungsgeschichte und die Zehn Gebote gemeinsam haben. In einem Jahr, in dem wir ebenfalls 1700 Jahre Judentum in Deutschland feiern dürfen, wollen wir daran erinnern, dass neben vielen anderen Werten und Traditionen auch der Tag ohne Arbeit ein Geschenk der jüdisch-christlichen Tradition an alle Menschen ist“.

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