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Spott und Debatten um den neuen Laternenmast direkt am Marktplatzbrunnen

„Spargel von Höxter“ ist Stadtgespräch

Höxter

Die neue Laterne am Marktplatzbrunnen in Höxter gilt als gewöhnungsbedürftig. Sie ist zurzeit Stadtgespräch. Die LGS-Countdown-Uhr am Masten empfinden viele als eine schöne Idee. Der Leucht-Spargel aber, der wurde aus Sicht vieler leider genau dort (de)platziert, von wo aus viele Touristen Höxters Schokoladenseite mit Dechanei und St.-Nikolai-Kirche fotografieren.

Von Michael Robrecht

Kein Provisorium: Die Laterne des Anstoßes auf dem Marktplatz direkt neben dem Marktplatzbrunnen: Vielen gefällt diese Optik an der stadtbildprägenden Stelle nicht. Die Tafel mit dem Gartenschau-Countdown kommt gut an, die dünne Lampe nicht. Foto: Michael Robrecht

Dass diese Laterne und auch ihre „Schwestern“ in der Marktstraße zu Steinen des Anstoßes werden könnten, das haben einige schon beim Aufstellen der Masten mit den Seilen geahnt. „Der Spargel steht doch sicher nur während der Bauarbeiten dort und hält die Bau-Stromleitungen“, meinte ein Tourist aus Holland mit Augenzwinkern. In den sozialen Medien wird öffentlich über die „Dauer-Adventskerze“ gelästert. Viele bedauern, dass das „Kind“ (besser die Laterne) in den Brunnen gefallen sei. Der Mast ist kein Provisorium.

Was sagt die Bauverwaltung von Höxter?

Was sagt die Stadtverwaltung zu Höxters neuem Aufregerthema? Die seit Jahrzehnten die Innenstadt in Höxter mit ihrem warmen Licht prägenden Altstadtlaternen würden abgebaut. Hängeleuchten mit hellem Licht überspannten bald überall die Straßen, kündigte die Stadt an. Zum Paket gehöre auch die neue Laterne direkt am Brunnen.

„Ist das hell“. Die neue Beleuchtung in Weser- und Westerbachstraße hängt seit 2021. Weitere Straßen folgen Foto: Sabine Robrecht

Eine ganz klare Meinung zur dürren Marktplatzlaterne hat Höxters Ortsausschussvorsitzender Ralf Dohmann (BfH): „Es gibt elegantere Möglichkeiten. Die Laterne und die Seilbeleuchtung passen nicht zur Altstadt Höxter. Es gibt doch so schöne kreative Ideen in anderen historischen Städten“, sagte er dem WB. Dohmann berichtete, wie aus seiner Sicht die Seilbeleuchtung und die Laterne angeschafft worden seien. Das Planungsbüro Volmer habe 2020 noch im alten Ortsausschuss ein ganzes Paket zum barrierefreien Ausbau und zur Neugestaltung der Fußgängerzone der Politik vorgelegt. Dazu hätten auch die Themen Möblierung und Beleuchtung gehört. Dafür habe es eine Mehrheit gegeben. Damals seien aber noch die bekannten Altstadtlaternen und keine Seilbeleuchtungen im Paket aufgeführt worden. Zudem sollten sich Ortsausschuss und Werbegemeinschaft später mit den Lampendetails beschäftigen.

Danach, so Dohmann, sei das aber alles von der Verwaltung und der Politik nicht mehr thematisiert worden, und plötzlich habe es eine Ausschreibung mit den umstrittenen Seilbeleuchtungen mit den hellen Lampen gegeben.

Ortsausschuss außen vor

„Wir geben so viel Geld für die Stadtsanierung aus, da hätten wir bei der Beleuchtung weitaus Besseres anschaffen können“, meinte der Ortsausschussvorsitzende. Er habe auch die Seilspannlängen bemängelt und angefragt, wie man die weiten Strecken am Marktplatz überbrücken wolle. Im Ortsausschuss sei das nie beraten worden.

Baudezernentin Claudia Koch erklärte zur Laternenfrage Folgendes: „Die Positionierung der Leuchtstelen erfolgte im Wesentlichen unter Beachtung der folgenden Gesichtspunkte: Optimierung der Ausleuchtung der Straßen und Gehwege, Schaffung von mehr Barrierefreiheit und Erhalt und Vergrößerung der Freiflächen für Marktstände, Geschäftsauslagen und/oder Außengastronomie. Auch hier wurden die unterschiedlichen Belange bei der Standortwahl abgewogen.“

Im Gespräch mit dem WB sagte Claudia Koch schon 2021 Grundsätzliches: „In der Marktstraße werden im Zuge der Umstellung auf LED-Technik Seilleuchten die nostalgischen Altstadt-Laternen ersetzen. Die Laternen sind mit veralteter Natriumdampf-Technik ausgestattet. Es macht wenig Sinn, in diese Laternen die neue LED-Technik einzubringen. Die Lichttechnik muss zur Lampe passen.“ Das historisch anmutende Modell der Laternen werde seit Jahren nicht mehr hergestellt. Zudem würden die Laternen an Markttagen und bei Stadtfesten regelmäßig umgefahren. Wenn sie weg seien, gebe es mehr Raum für Marktstände, Geschäftsauslagen oder Außengastronomie. Außerdem könnten die Seile der Lampen bei Stadtfesten oder beim Weihnachtsmarkt mit Deko-Elementen behängt werden, was die Fußgängerzone aufwerte, so Claudia Koch. „Wir werden an jeder Hängeleuchte Zusatzstrahler anbringen. Diese beleuchten in der Marktstraße die Mittelrinne und auch die Fassaden. Die Zusatzstrahler lassen sich zeitlich und in ihrer Lichtintensität steuern.“ Vorteil der LED-Beleuchtung: Sie reduziere gegenüber den Natriumdampf-Leuchten die Stromkosten.

So diskutieren die Höxteraner über die Laterne

Kommentar von Michael Robrecht

Geht den Verantwortlichen in Höxter noch ein Licht auf? Die Laterne direkt am Marktplatzbrunnen passt dort nicht hin und muss versetzt werden. Die gelungene Neugestaltung der Fußgängerzone findet viel Lob. Der „Leuchtspargel“ an der unpassendsten Stelle überhaupt ist aber seit Wochen das Ziel von Spott auf der Straße und im Internet und wird als ästhetischer Schildbürgerstreich empfunden. Man muss die Pfeile nicht mutwillig auf sich ziehen und das hervorragende und für Höxter wichtige Gesamtprojekt völlig unnötig belasten. Ein fehlplatzierter Laternenmast ist eigentlich kein Drama, aber an jener prominenten Stelle, wo viele Höxter-Besucher gerne ihre Fotos vom Ensemble Dechanei/Nikolaikirche machen, dort sagt doch schon der gesunde Menschenverstand, dass hier etwas nicht passt. Die Laterne verändert die städtebauliche Wirkung des Platzes. Sie lenkt ab. Und das muss doch nicht sein. Man muss eine neuerliche für den Standort Höxter und sein Image wenig vorteilhafte überregionale Medienberichterstattung ja nicht noch einmal herausfordern. Erinnert sei nur an die Namensdebatte für Frei- und Hallenbad. Und Höxter-Themen werden bei überregionalen Medien zurzeit ungewöhnlich oft und überbewertet beachtet. Der Standort des „Spargels von Höxter“ lässt sich sicher verändern. Klugen Bauingenieuren fällt bestimmt eine kreative Lösung ein. Wenn nicht, dann darf man sich über Lästereien nicht beschweren. Ende der 80er Jahre installierte der Rat aus guten Gründen einen Altstadterneuerungsausschuss bei der Neugestaltung der Fußgängerzone. Vertreter aller Parteien entschieden dort häufig und effektiv über die Möblierung der „guten Stube“. Jahrzehnt-Entscheidungen waren nicht reine Verwaltungssache, die Politik sprach ein gewichtiges und oft vernünftiges Wort mit. Auch wenn die Zeit 2022 drängt: So ein Gremium hätte Höxter wieder gutgetan.

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