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Bundeswehr: Informationsveranstaltung zum neuen Jahr mit 200 Gästen

„Standort Höxter war nie sicherer“

Höxter (WB). Seit sechs Jahren ordnet die Bundeswehr in Höxter regelmäßig Soldaten zu Auslandseinsätzen ab. Die Belastungen sollen im Jahr 2020 erheblich reduziert werden, erfuhren die 200 Gäste der Informationsveranstaltung in der Höxteraner Kaserne am Sonntag. Anlässlich des neuen Jahres hatte das ABC-Abwehrbataillon 7 wieder viele Vertreter des öffentlichen Lebens in die General-Weber-Kaserne eingeladen.

Michael Robrecht

Beim Neujahrsempfang in der General-Weber-Kaserne: Landtagsabgeordneter Matthias Goeken, Bundestagsabgeordneter Christian Haase, Stabsfeldwebel Stephan Mehnert, Kommandeur Oberstleutnant Lothar Struck und Bürgermeister Alexander Fischer. Foto: M.Robrecht

„Wir werden dieses Jahr nur noch 20 ABC-Abwehrsoldaten überwiegend im afrikanischen Mali im Einsatz haben“, kündigte Oberstleutnant Lothar Struck, Kommandeur der ABC-Abwehrtruppe, an. Aktuell sind Höxteraner noch in Afghanistan, Mali, im Irak und im Kosovo im Einsatz. Nach „kräftezehrenden Einsatzjahren im Ausland“ sei die Reduzierung eine begrüßenswerte Entwicklung – auch weil man sich wieder stärker den Kernaufgaben in der Kaserne, wie der Landesverteidigung, widmen könne.

2019 habe man in Kanada und im Baltikum an wichtigen Übungen teilgenommen, 30 Soldaten seien bei Aufräumarbeiten nach dem Absturz eines Eurofighters in Mecklenburg eingesetzt worden, berichtete Struck in seiner Bilanz.

Umstrukturierung in Höxter

Das ABC-Abwehrbataillon werde 2020 verstärkt an nationalen und internationalen Übungen teilnehmen – so in Großbritannien, in den Niederlanden, Polen und in der Türkei. „Wir wollen dort Duftmarken unseres Könnens hinterlassen“, versprach der ranghöchste Offizier in der General-Weber-Kaserne. Er kündigte auch an, dass das Bataillon den Aufbau des neuen ABC-Abwehrregimentes in Straußberg bei Berlin personell unterstütze. Zur Erfüllung und Sicherstellung der NATO-Planungsziele und des Fähigkeitsprofils der Bundeswehr ist im Sinne der Landes- und Bündnisverteidigung ein weiterer ABC-Abwehr-Standort im östlichen Teil Deutschlands erforderlich. Deshalb wird in der „Barnim-Kaserne“ ein neues ABC-Abwehrregiment aufgestellt.

Dazu bedarf es einer Umgliederung der Strukturen auch in Höxter. Die ABC-Abwehrbataillone 7 und 750 in Höxter und Bruchsal spielen eine zentrale Rolle und werden zu ABC-Abwehrregimentern. „Der Prozess wird 2020 beginnen“, kündigte Struck an. Die Bundeswehr will die Landesverteidigung in Ostdeutschland stärken und die Fähigkeit zur Abwehr atomarer, biologischer und chemischer Waffen erhöhen. Im Jahr 2027 soll das neue Regiment voll einsatzfähig sein.

Eindruck von Investitionen

Die Baumaßnahmen in der Kaserne haben die fast 200 Gäste – darunter Landtagsabgeordneter Matthias Goeken, Bundestagsabgeordneter Christian Haase und Bürgermeister Alexander Fischer - unmittelbar sehen können. Block 4 (Gebäude der 2. Kompanie), in dem einst der berühmte Kasernen-Ziegenbock sein Revier hatte, ist komplett abgerissen und entsorgt worden. Für 110 Soldaten gibt es neue Unterkünfte. Der Nachbarblock wird 2021 abgerissen und an der Stelle ein weiterer Wohnblock errichtet. Mehr als 20 Millionen Euro kostet das neue Bauprogramm, zu dem auch der Abriss der alten Lastwagenhalle von 1936 gehört (wir berichteten).

Oberstleutnant Struck sagte zur Freude der Gäste auch: „Der Bundeswehrstandort Höxter war nie sicherer als heute.“ Die Investitionen unterstrichen das. Das neue ABC-Abwehrregiment Höxter sei eine Fusion des jetzigen Bataillons mit mehr als 700 Soldaten und dem nicht aktiven Reserve-Bataillon 906. Um alle Aufgaben besser bewältigen zu können, werde man verstärkt Reservisten auf Dienstposten einsetzen, die durch Abordnungen wie nach Straußberg frei würden.

Reservekonzept vorgestellt

Der Kommandeur erläuterte während der Veranstaltung auch das neue Reservekonzept. Zukünftig würden die Soldaten unmittelbar nach Ende ihrer aktiven Dienstzeit im Rahmen einer so genannten Grundbeorderung für die Dauer von sechs Jahre entsprechend ihrer Qualifikationen auf Dienstposten in der Reserve eingeplant. Die Ziele und Vorgaben der Strategie der Reserve werden schrittweise und im Einklang mit der Entwicklung des Fähigkeitsprofils der Bundeswehr mit Ausrichtung auf das Jahr 2032 plus umgesetzt. Dafür bildet ein Implementierungsplan die Grundlage der weiteren Arbeit. Der Schwerpunkt der künftigen Reserve ist demnach auf die strukturgebundene Verstärkungsreserve gerichtet und damit insbesondere auf die Ergänzungstruppenteile, die Kräfte der regionalen Sicherung und Unterstützung (RSU) und auf Kräfte des Feldersatzes. Mit der Grundbeorderung für sechs Jahre soll sichergestellt werden, dass im Konfliktfall auf gut ausgebildete Soldaten zurückgegriffen werden kann. Das Freiwilligkeitsprinzip für den Reservistendienst im Frieden bleibe bestehen. Ziel ist es, möglichst viele Reservisten für Ausbildung und Übung im Frieden verlässlich verfügbar zu haben.

Feierstunde für Soldaten

Höxters Bürgermeister Alexander Fischer betonte das gute Auskommen von Stadt und Bundeswehr. Das Gemeinsame laufe seit vielen Jahren sehr gut. Er erinnerte an inzwischen 160 Jahre die Höxter Garnisonsstadt sei. Man werde dieses Datum und auch die Erinnerung an mehr als 300 Jahre von Soldaten in Höxter generell in einer Feierstunde würdigen.

Kommandeur Struck kündigte für den Herbst ein weiteres öffentliches Gelöbnis von Rekruten in Höxter an.

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