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Jahresversammlung der Werbegemeinschaft Höxter - Kaufleute für LGS-Info-Box in der Innenstadt - Corona-Bilanz

Stille Nacht: Was wird aus dem Weihnachtsmarkt?

Höxter (WB). Die Kreisstadt steckt in der Corona-Pandemie den Kopf nicht in den Sand, sondern die Kaufleute der Innenstadt wollen versuchen, den Standort Höxter trotz der finanziellen Einbußen weiter blühend zu halten. Und das nicht nur symbolisch durch neue Blumen-Fahrräder, Blütenampeln und Großtöpfe: Während der Jahreshauptversammlung der Werbegemeinschaft hat der Vorstand ein Paket mit Ideen und Maßnahmen für das Corona-Jahr vorgelegt.

Michael Robrecht

Dass die Kundschaft mit Gesichtsmasken wegen der Corona-Pandemie besonders an den Tagen des Wochenmarktes in Höxter auf dem Marktplatz unterwegs sein muss, daran haben sich Händler und Kunden inzwischen gewöhnt. Fotos: Michael Robrecht

Wichtig ist den Kaufhaus- und Ladeninhabern, dass in diesem Jahr die drei offenen Sonntage am 27. September, 18. Oktober und 6. Dezember erhalten bleiben – wenn auch coronabedingt abgespeckt. Auf die 3,5 Millionen Euro an Umsatz allein an diesen drei Sonntagen könne eine kleine Stadt wie Höxter in diesen für  viele Geschäfte kritischen Zeiten nicht verzichten. Das Einstellen der Aktivitäten 2020 wurde mehrheitlich abgelehnt. Man schöpfe alles aus, was gehe.

In seiner Bilanz sagte Vorsitzender Jürgen Knabe, dass man in vielen Gesprächen und per Mail mit der Stadtverwaltung und den 89 Mitgliedsbetrieben alle Informationen zu Hygiene- und Öffnungskonzepten sowie alle standortrelevanten Nachrichten sofort öffentlich gemacht habe. Der kurze Draht habe in den vergangenen Wochen sehr gut funktioniert.

Lichterglanz in den Sternen

Was wird aus „Einkaufen im Lichterglanz“ und dem Höxteraner Weihnachtsmarkt 2020? Die Vorstandsmitglieder Jens Klingemann und Jürgen Knabe sagten, dass man auf einen Erlass des Landes NRW warte; entscheidend beim Weihnachtsmarkt sei am Ende die Durchführungsverordnung, die erst spät im Herbst erwartet werde. Man hoffe, dass einiges beim Weihnachtsmarkt ermöglicht werde: „Und wenn nicht, dann müssen wir uns in Höxter etwas Schlaues einfallen lassen“, meinte Jens Klingemann. Konkret geplant werde auch „Lichterglanz“ am 31. Oktober. Jedoch dürften keine Stehtische aufgebaut, Außengastronomie oder Events draußen stattfinden. Dennoch könne man durch Beleuchtungen oder Musik etwas Atmosphäre schaffen. Dezentralität sei wichtig, damit nicht zu viele Kunden an einer Stelle zusammen kämen. Huxori-Markt und Märchensonntag wird es in bekannter Form nicht geben, aber die Läden dürften öffnen. Besonders die Gastronomie freue sich, so der Vorstand, wenn Kundschaft in die Stadt komme.

Die Werbegemeinschaft stellte fest, dass die Sicherheit der Menschen und die Hygiene in der Innenstadt immer höchste Priorität hätten. Bürgerstuben-Wirt Andreas Rüther sprach an, dass bei Angeboten wie „Lichterglanz“ immer damit gerechnet werden müsse, dass hunderte Menschen auf dem Markt zusammenströmten. Und das müsse man immer fest im Auge behalten.

Gutscheine laufen gut

Schatzmeisterin Karin Remmert trug in der Sitzung die Ergebnisse des Einkaufsgutscheinverkaufs vor: 2019 wurden 6226 Einkaufsgutscheine im Wert von 206.995 Euro verkauft. Davon gingen allein beim Modehaus Klingemann 2477 Gutscheine im Wert von 80.000 Euro über die Kassentheke. Platz 2 ging 2019 an Optiker Brandt mit 866 Gutscheinen im Wert von 27.666 Euro. Auffällig sei auch, dass ältere Gutscheine oft nicht eingelöst würden. Die Werbegemeinschaft garantierte allen Kunden, dass auch sechs oder mehr Jahre alte »Wert-Bons« jederzeit eingelöst werden könnten. Auch in Holzmindener Geschäften können die Höxter-Gutscheine eingelöst werden. Für gut 9000 Euro lösten Holzmindener in Höxter Bons ein, umgekehrt würden auch für 9000 Euro Höxter-Scheine in Holzminden ausgegeben.

Standort-PR-kampagne

Die Sonderaktion Abhol- und Lieferservice in der ersten Phase der Corona-Krise im Frühjahr ist mit 50.000 Flyern, Medienwerbung und Internet-PR beworben worden. Nicht alle der 21 beteiligten Betriebe hatten einen Mehrwert davon. Bernd Engel sagte, für seine Backfilialen habe das nichts gebracht. Im Modebereich sah das anders aus. Um auf Höxter als lebendige Einkaufsstadt hinzuweisen, wird im Herbst eine zweite Sonderstandortaktion für den lokalen Einkauf geplant, so der Beschluss der Jahreshauptversammlung, an der von zurzeit 89 Betrieben Vertreter von rund 20 Firmen teilnahmen. Die Einzelhändler seien dieses Jahr auf jeden Cent angewiesen, sagte Jens Klingemann. Die meisten Städte in OWL planten Sonderaktionen, höre er auch im OWL-Einzelhandelsverband. Kurzarbeit und Fördergeld seien überall Themen.

Marktstraßenausbau

Der barrierefreie Ausbau der Marktstraße und die Beseitigung des besonders von gehbehinderten Menschen kritisierten Kopfsteinpflasters wurde in der Hauptversammlung begrüßt. Die Läden würden alle an den Planungen beteiligt. Bis Ende 2022 soll der Cityumbau mit vier Bauphasen und zeitweiligen Zugangserschwernissen für die Geschäfte rechtzeitig zur Landesgartenschau erledigt sein. Die Werbegemeinschaft will die LGS in der Innenstadt sichtbarer präsentiert sehen. Eine Infobox mit Plänen oder eine Dauerpräsentation in einem leeren Ladenlokal schwebt vielen vor.

Kommentar

Höxter-Marketing endlich bündeln

In der Corona-Pandemie hat es neben der Gastronomie vor allem Bekleidungsläden erwischt – auch in den guten Lagen. Ein Minusberg, den man nicht aufholen kann, türmt sich. Und wenn Bekleidungsgeschäfte in Bedrängnis sind, wird meist auch der Rest in die Enge getrieben. Diese Einschätzung aus dem Einzelhandel gilt nicht nur für Höxter, sondern für alle Standorte. Dass die Kaufmannschaft in Höxter unterstreicht, jeden Strohhalm ergreifen zu wollen, der sich dieses Jahr und auch 2021 bietet, um Menschen in die Innenstadt zu locken, das ist verständlich. Drei offene Sonntage sind schon nicht viel. Ein geschrumpfter Weihnachtsmarkt droht, und „Lichterglanz“ werden viele Kunden aus Angst meiden.

Droht Innenstädten nach dem fortschreitenden Einerlei mit Großfilialisten nun die Verödung? Ohne pulsierende City haben wir ein echtes Problem in der Stadtentwicklung. Darum ist es auch so wichtig, dass das Konzept „Kauf in deiner Stadt“ in Höxter ausgeweitet wird. Kern aller Planungen muss ein neues HX-Innenstadtmanagement sein, das Händler, Verwaltung, Politik, Stadtplanung und auch Vermieter, GfW, Corvey, LGS und Touristiker an einen Tisch holt. Nach der Wahl sollte sofort ein Konzept auf den Tisch, das zukunftsfähig ist und 2021 zumindest in Teilen umgesetzt wird. Es ist erfreulich, dass bei etlichen Parteien und Bürgermeisterkandidaten ein ganz neues, professionelles und schlagkräftiges Standortmarketing in den Wahlprogrammen steht. Ab sofort muss es nicht mehr um das ob, sondern um das wie gehen.

Höxter hat seit Jahren verschlafen, ein gut sichtbares positives Erscheinungsbild zu organisieren. Wichtig ist, dass man bei der Neuaufstellung nicht zu kurz springt. An unfassbar vielen Stellen wird heute versucht, Marketing für Höxter zu betreiben: In der Stadtverwaltung kümmern sich zwei Verantwortliche plus Mitarbeiter um Tourismus und Wirtschaftsförderung. Der Bürgermeister beschäftigt einen Pressesprecher. In der GfW wird Marketing auch für Höxter und Corvey gemacht. Die Werbegemeinschaft plant mit der Stadt eine neue Marketingposition. Im Welterbe Corvey gibt es keine PR-Stelle Kulturkreis mehr. Herzog und Kirche betreiben jeder für sich Öffentlichkeitsarbeit. Für die Landesgartenschau 2023 werden auch einige Marketingleute beschäftigt. Und viele Unternehmen leisten sich ein eigenes Standortmarketing. Höxter wäre als Standort unschlagbar, würden alle Aufgaben endlich vernünftig gebündelt. Eigentlich müssten die besten Köpfe zusammen in einem Kreativ-Büro sitzen!                        Michael Robrecht

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