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Rührende Szenen in Göttinger Klinik – Warburger Paar hat sich in Bad Driburg kennen gelernt

Trauung auf der Intensivstation

Höxter/Holzminden/Warburg (WB/rob). Die ungewöhnlichste Hochzeit des Jahres haben Sigrid Hunger (68) und Werner Holtemeyer (58) auf einer Intensivstation gefeiert. Es war eine rührende kleine Feier, die sich da im Evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weende ereignete.

Nach der Trauung: Chefarzt Dr. Wolfgang Körber vom Evangelischen Krankenhaus gratulierte Werner und Sigrid Holtemeyer, dem frisch vermählten Paar. Sie ist gebürtige Holzmindenerin, kennengelernt haben sich die beiden in Driburg, er wohnt mit ihr jetzt in Warburg. Foto: Evangelisches Krankenhaus

So etwas haben die Klinikmitarbeiter in ihrem Berufsleben noch nicht erlebt, und deshalb wollten Krankenhaus und Brautpaar auch der Öffentlichkeit im Weserbergland in einer Pressemitteilung von der Trauung berichten. Sigrid Hunger und ihr langjähriger Lebenspartner Werner Holtemeyer sagten am Krankenbett jetzt »Ja«. Von ganzem Herzen gratulierte die Festgesellschaft, und einige feuchte Augen gab es bei der Zeremonie auch.

Die Hochzeit sei schon lange geplant gewesen, jedoch dann die Krankheit ihres Mannes dazwischen gekommen, schilderte die gebürtige Holzmindenerin. Werner Holtemeyer erkrankte vor einem Jahr an ALS, einer nicht heilbaren degenerativen Erkrankung des motorischen Nervensystems.

»Wir leben schon seit 15 Jahren zusammen. Ostern 2004 haben wir uns über eine Zeitungsannonce kennengelernt«, erinnert sich die Braut. Das Paar traf sich erstmals in Bad Driburg. Der schöne Gräfliche Park und die angenehme Umgebung seien unvergessen. Nach anderthalb Jahren ist Sigrid dann zu ihrem Werner nach Warburg gezogen, wo die beiden seitdem wohnen.

Zimmer und die Station passend geschmückt

Jetzt die Hochzeit mit Trauung auf der Intensivstation des Krankenhauses: Der Nachtdienst der Station 4 hatte vor dem Trautermin extra ein Laken mit den Worten »Just Married« beschrieben, das Zimmer und die Station passend geschmückt. Bei der Trauung war das gesamte Stationspersonal dabei. Auch aus Warburg waren die Arbeitskollegen von Werner Holtemeyer aus dem Finanzamt angereist. Christian Lüer, Standesbeamter des Flecken Bovenden, schritt zur Tat.

»Ich habe zum ersten Mal im Krankenhaus eine Ehe geschlossen«, berichtete Lüer bewegt. Er ist seit 2004 Standesbeamter und beurkundet 70 und 100 Ehen im Jahr.

Der Termin im Krankenhaus sei außergewöhnlich, die Atmosphäre aber angemessen und schön, da fühle man sich gut aufgehoben, meinte Lüer. Im Anschluss an die offizielle Trauung segnete Klinikseelsorgerin Pastorin Uta Callies das frisch vermählte Paar, ein Organist spielte Lieder und es gab alkoholfreien Sekt für alle.

Hochzeit ist kleines Wunder

Dass es überhaupt noch zur Hochzeit gekommen ist, haben alle Beteiligten als kleines Wunder aufgefasst. Vor etwas über zwei Wochen wurde Werner Holtemeyer aus einem anderen Krankenhaus als Notfall in die Abteilung Pneumologie und Beatmungsmedizin des Krankenhauses Göttingen-Weende in Lenglern verlegt. »Der Gesundheitszustand des Patienten war sehr schlecht«, erzählte Carl Fabian Höhl, Stationsarzt der Weaning-Einheit.

Das Weaningzentrum ist eine Intensivstation, auf der Patienten betreut werden, die über einen Beatmungsschlauch beatmet werden und trotz Besserung der Erkrankung nicht erfolgreich von einem Beatmungsgerät entwöhnt werden könnten.

»Der Zustand des Patienten Holtemeyer hatte sich in den vergangenen Tagen sehr gebessert, so dass jetzt tatsächlich eine die Hochzeit möglich wurde«, berichtete Höhl. Weiteres Ziel sei es nun, den Patienten im Rahmen des Weanings von der Beatmung zu entwöhnen und ihn so stabil wie möglich nach Hause zu entlassen, beschrieb er die Perspektive.

»So etwas hatten wir hier noch nicht«

Pneumologie-Chefarzt Dr. Wolfgang Körber und das Krankenhausteam sind von der geglückten Hochzeit bewegt und begeistert. »So etwas hatten wir hier noch nicht. Das Team der Station hat dieses besondere Ereignis ganz hervorragend umgesetzt. Das hat auch zum Teamgeist beigetragen«, meinte Körber.

Die frisch verheiratete Ehefrau sagte, immer noch aufgeregt, nach der Trauung: »Es war einfach schön. Die Ärzte, das Pflegepersonal, haben uns einen unvergesslichen Tag bereitet. Wir fühlen uns hier sehr gut aufgehoben. Das ist alles nicht selbstverständlich.«

So eine Aktion sei nicht selbstverständlich zu organisieren. Sigrid Holtemeyer wohnt während des Klinikaufenthalts in einem Landgasthaus in der Nähe des Krankenhauses und fährt zwischenzeitlich immer wieder in den Kreis Höxter zurück.

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