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Blaskapelle Lüchtringen spielt mit befreundeten Musikern über den Wolken im A380

Tuba reist als Passagier

Höxter (WB). Wenn »Der Weserbogen« tausende Meter über der ostwestfälischen Heimat erklingt, dann ist das ein ganz besonderes Konzert. Über den Wolken hat am Sonntag die Blaskapelle Lüchtringen mit befreundeten Musikern eben dieses in einem Airbus A380 dargeboten. Das Video dazu hat sich im Internet bereits zu einem viralen Hit entwickelt.

Dennis Pape

Das kann nicht jeder Musiker von sich behaupten: Die Blaskapelle Lüchtringen hat gemeinsam mit Freunden auf dem Rückweg von ihrer USA-Reise ein Konzert über den Wolken gegeben – das Video dazu ist im Netz der Renner. Foto: Blaskapelle Lüchtringen

Es war Sonntagmittag 13 Uhr, in der Lufthansa-Maschine aus den USA wurde gerade alles für die Landung in München vorbereitet. Einige Passagiere mussten noch geweckt werden – ein Glück, dass das in diesem Fall von der Blaskapelle Lüchtringen und befreundeten Musikern übernommen wurde. Die wiederum waren gerade auf dem Heimweg von ihrer sechsten USA-Reise und spielten ein spontanes Ständchen am Himmel über ihrer ostwestfälischen Heimat.

Da passte es um so besser, dass den begeisterten Fluggästen unter anderem »Der Weserbogen« von 15 im Gang stehenden Musikern dargeboten wurde. Für beste Stimmung sorgte anschließend auch der Hit »Es gibt kein Bier auf Hawaii« – da es im Flieger nämlich kein Bier mehr gab, haben die Musiker ausgerechnet diesen Song dem Piloten über Funk vorgespielt.

Besonderer Auftritt

»Dieser Auftritt war etwas ganz Besonderes, die Stimmung war bestens und wir haben sehr viel positives Feedback bekommen. Selbst der Kapitän hat sich über Funk für unseren Auftritt bedankt«, erzählt Martin Heinemeyer, Dirigent der USA-Reise. Kurios: Die Musiker spielten zwar mit kleineren Instrumenten, die ins Handgepäck passen – im Video zu sehen und zu hören ist aber auch eine Tuba, die praktisch als Passagier mitgereist ist, wie Heinemeyer erklärt: »Für die Tuba hatten wir einen Platz reserviert – das war günstiger als Luftpost«, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Reisegruppe aus dem Hochstift

Die Reisegruppe aus dem Hochstift bestand aus insgesamt 46 Personen, davon spielten 35 Musiker an verschiedenen Station im Westen der USA – 15 aus Lüchtringen sowie Vertreter weiterer Kapellen aus Brenkhausen, Bödexen, Ovenhausen, Stahle, Sandebeck und Delbrück. »Es war bereits unsere sechste USA-Tour der Blaskapelle Lüchtringen, die wir immer auch mit Gastmusikern anderer Vereine antreten – so entstehen echte Freundschaften«, sagt Martin Heinemeyer. Dass Musik generell Menschen verbinden kann, haben sie einmal mehr auch in Amerika erlebt. Dort reisten die Musiker vom 3. bis zum 20. Oktober zum ersten Mal durch Kalifornien, Arizona und Nevada und besuchten unter anderem Städte wie Los Angeles, Las Vegas oder San Francisco.

»Wir haben nicht nur die Städte besichtigt, sondern auch dort musiziert – unter anderem bei Oktoberfesten in Kingmann oder Santa Cruz sowie in deutsch-amerikanischen Clubs in Las Vegas und Santa Barbara.« Besonders in Erinnerung geblieben ist der Kapelle aber ein spontanes Konzert am Grand Canyon. »Das ist einfach nur atemberaubend gewesen. Dieser Ausblick ist nicht zu beschreiben, das muss man einfach miterlebt haben«, sagt der Lüchtringer: »Es geht zunächst lediglich einen Weg hoch, der nicht ansatzweise so steil ist wie im Solling und plötzlich stehst Du da vor diesem riesigen Krater.«

Sechste USA-Reise

Entstanden ist die Idee einer USA-Reise im Jahr 1995, als die Lüchtringer Musikerin Alexandra Reker bei einem Schüleraustausch für ein Jahr in New Ulm (Bundesstaat Minnesota) lebte und in der von deutschen Auswanderern gegründeten Stadt ein Oktoberfest besuchte. Sie traf damals Joseph Meyer, dessen Urgroßvater aus Deutschland stammte und der auch heute noch die Auftritte der Lüchtringer Musiker in Amerika vor Ort arrangiert. 1997 spielte die Blaskapelle zum ersten Mal in der Region um New Ulm, es folgten weitere USA-Reisen – auch in andere Regionen – 1999, 2004, 2009, 2014 sowie in diesem Jahr.

In fünf Jahren soll es wieder über den großen Teich gehen, sagt Heinemeyer, zunächst richten die Lüchtringer im Mai 2022 jedoch die Europameisterschaft der Böhmisch-Mährischen Blasmusik mit internationalen Gästen aus. »Musik verbindet Menschen und spricht eine Sprache, die jeder versteht – ganz egal, ob man sie in Lüchtringen, am Grand Canyon oder über den Wolken hört«, betont der Dirigent.

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