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Qualifizierungsnetzwerk Höxter-Holzminden bietet Schweißlehrgang für junge Handwerker in „Heinrichs Werkstatt“ an

Übung macht den Meister

Höxter/Holzminden

Den Gesellenbrief hat er noch gar nicht so lange in der Tasche. Trotzdem stand Julian Heinemeier, Anlagenmechaniker bei Gebrüder Becker in Höxter, kurz vor Ostern schon wieder mit dem Schweißbrenner in der Hand an der Werkbank, um zu üben: „Das Lernen geht über die Ausbildung hinaus“, sagt der junge Handwerker. Entsprechend gern nahm er die Möglichkeit wahr, an einem einwöchigen Schweißlehrgang des Qualifizierungsnetzwerks Höxter-Holzminden teilzunehmen. Zusammen mit sieben weiteren Handwerkern aus verschiedenen Betrieben erwarb sich der junge Mann unter fachkundiger Anleitung Grundkenntnisse und Feinschliff im sogenannten WIG-Schweißverfahren.

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Samuele Sandri (links, Gebrüder Becker) und Fabian Küster (rechts, Otto Künnecke) sehen sich gemeinsam mit dem Dozenten Michael Wiegers eine der ersten Arbeiten des Kurses an. Foto: Qualifizierungsnetzwerk

Der Kursus gehört zum Fortbildungsangebot des auf Initiative der beidenWirtschaftsvereine Weserpulsar Holzminden und WIH (Wirtschaftsinitiative im Kreis Höxter) entstandenen Qualifizierungsnetzwerks. Diese weserübergreifende Gemeinschaftsoffensive hat sich auf die Fahnen geschrieben, Unternehmen in den Regionen Höxter und Holzminden in ihren Aus- und Weiterbildungsaktivitäten zu unterstützen. Das kontinuierliche Fortbildungsangebot richtet sich gezielt nach dem abgefragten Bedarf der Unternehmen. Es wird in Zusammenarbeit mit demInnovationsnetzwerk Holzminden-Höxterzusammengestellt und reicht vom Robotik-Kurs bis hin zum Softskills-Seminar.

Ganz bewusst arbeiten Netzwerkmanagerin Imke Müller-Stauch und ihre Mitstreiterin Gerrit Fischer bei der Auswahl der Dozenten für die Seminare unmittelbar mit den berufsbildenden Schulen der Region, dem Berufskolleg Kreis Höxter und der Georg-von-Langen-Schule Holzminden, sowie mit heimischen Weiterbildungsträgern zusammen. „Wir nutzen in einem gemeinsamen Schulterschluss die Ressourcen vor Ort“, betont Mark Becker, Geschäftsführer der Firma Gebrüder Becker und Vorstandsmitglied der WIH.

Für den Schweißlehrgang unter der Leitung von Michael Wiegers vom Berufskolleg Kreis Höxter in Brakel öffneten die beiden Inhaber und Geschäftsführer Mark und Nils Becker die betriebseigene moderne Lehrwerkstatt des Rundum-Spezialisten für die technische Gebäudeausrüstung am Standort Höxter (Heinrichs Werkstatt). Statt im Trubel des Baustellenbetriebs nahmen die Teilnehmer an ruhigen Arbeitsplätzen den Schweißbrenner zur Hand. Bei einer der ersten praktischen Übungen galt es, zwei Bleche zunächst ohne Zusatzwerkstoff im rechten Winkel miteinander zu verbinden. „Sie müssen dicht aufeinandergesetzt werden, damit möglichst kein Spalt entsteht“, erläuterte Michael Wiegers. „Je größer der Spalt, desto schlechter verbindet sich das Material.“ Die ersten Kehlnähte des Kurses hatten hier und da noch Mängel. Schnell wurden sie aber besser. Übung macht den Meister. Und sie motiviert zum Weiterlernen – auch in der Theorie. Die kam beim Lehrgang natürlich nicht zu kurz und bildete von der Arbeitssicherheit bis hin zu Geräteeinstellungen und den technischen Gasen und Zusatzstoffen ein wichtiges Rüstzeug.

„Ich lerne viel Neues“, freut sich Julian Heinemeier, der das erworbene Wissen und Können demnächst im Rohrleitungsbau anwenden kann. Und auch Robin Brill, angehender Anlagenmechaniker im dritten Ausbildungsjahr bei Gebrüder Becker, begrüßt die Zusatzqualifikation sehr. „Es ist toll, dass ich mich innerhalb meiner Ausbildung mit diesem Lehrgang zusätzlich fortbilden kann.“ Elias Reidt, Auszubildender bei der Firma Egger, Beschichtungswerk in Marienmünster, zieht ebenfalls ein durchweg positives Fazit: „Es ist interessant, diese spezielle Schweißtechnik in meiner Ausbildung zu vertiefen“, sagt der angehende Maschinen- und Anlagenführer.

Nicht mehr in der Ausbildung ist Lehrgangsteilnehmer Fabian Küster. Der beim Maschinenbauunternehmen Otto Künnecke GmbH in Holzminden tätige Mechatroniker hatte schnell den Eindruck, dass der Kursus gut aufgebaut ist. „Man lernt viel – auch bei den praktischen Anteilen.“

Diese waren– nicht nur bei der Kehlnaht – laufend von Fortschritten geprägt. Michael Wiegers schaute den jungen Männern immer wieder über die Schulter und gab ihnen wertvolle Tipps. Die Fortbildungsangebote des Qualitätsnetzwerks begrüßte er außerordentlich. Denn: „Lernen ist ein ständiger Prozess.“

„Dieses Angebot macht deutlich, dass gerade auch in herausfordernden Zeiten in die Zukunft gedacht und proaktiv gehandelt werden kann und muss,“ ist Mark Becker positiv gestimmt. Mit dem Angebot von Corona-Schnelltests für alle Teilnehmer und Dozenten wurde auch viel Wert auf die Gesundheit der Beteiligten gelegt.

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