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Klosterleben im Shutdown: Kopten in Brenkhausen haben Gottesdienste stark verkürzt und wollen Weihnachten Kirche geöffnet lassen

„Und immer mit ganz viel Weihrauch...“

Höxter/Brenkhausen

Stundenlange Gottesdienste kann das koptische Kloster seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie nicht mehr feiern. Das gilt besonders für die Zeit des Shutdowns.

Michael Robrecht

Bischof Damian hat diese Woche einen besonderen Gast begrüßt: Dr. Volker Eissing mit seiner Frau Eva und Sohn Simon, die einen ruhigen 60. Gebutstag feiern und den Kontakt zum Kloster pflegen. 2021 möchten sie mit 75 Patienten eine Woche kommen. Foto: Michael Robrecht

Wer orthodoxe Gläubige, Priester und die lange Liturgie kennt, der weiß, was das für die ägyptischen Christen bedeutet. Viele konnten sich nicht vorstellen, einen orthodoxen Gottesdienst abzukürzen. „Aber es musste gehen. Nach einer Stunde ist jetzt Schluss“, berichtete Bischof Damian von den Zwängen in Pandemiezeiten. In allen deutschen Koptengemeinden sei das mit den verkürzten Gottesdiensten so, „auch wenn sich das mancher bei uns Orthodoxen nicht vorstellen konnte“. Und die Einschränkungen gelten auch für Weihnachten, das von den Kopten am Dreikönigstag, 6. Januar gefeiert wird. Keine Gesänge, keine Berührungen, Gesichtsmasken auf, Desinfektionsmittel überall, keine Agape (liturgisch geprägtes Mahl) und wenig Kommunikation: „Hygiene first“ – sagt der 64-jährige Generalbischof, der höchster Repräsentant der Koptisch-Orthodoxen Kirche in Deutschland und ausgebildeter Arzt ist. 14 Gottesdienste mit kleiner Besucherzahl biete das Kloster Brenkhausen in der Woche an. „Ich mache die Kirche im Kloster nicht zu. Es geht auch anders, dass die Menschen mit Abstand kommen können“, so das Credo des Bischofs. „Und wissen Sie, was auch immer gut zur Hygiene beträgt: ganz viel Weihrauch“, meint Bischof Damian mit Augenzwinkern. An den nächsten Wochenenden und zum Weihnachtsfest läuft das seelsorgerische Leben nun mit Disziplin und Anmeldungen.

Übernachtungsgäste im Pensions- und Hotelbetrieb sowie Gruppen kann das Kloster in den Shutdownzeiten zum zweiten Mal in diesem Jahr nicht beherbergen. Das wird sehr bedauert, zumal die Mönche viele weitere Zimmer renoviert und neu ausgestattet und einen atmosphärisch schönen barocken Gewölbekeller eingeweiht haben. 2020 hat sich Bischof Damian stärker um seine Projekte wie die Umgestaltung und die Umbaumaßnahmen im ehemaligen Weber-Haus in Nieheim und um die Flüchtlingsunterkunft in Borgentreich kümmern können. Wegen Corona liege in Nieheim jedoch ein Einzug von Gästen und Bewohnern – wie Diakonissen oder Ärzten – auf Eis.

Zu den „Opfern“ der Corona-Pandemie zählt auch der Arzt Dr. Volker Eissing aus dem ostfriesischen Papenburg (bekannt durch die Kreuzfahrtschiffwerft Meyer). Der kommt bereits seit vier Jahren mit 75 schwer kranken Patienten jeden Sommer für eine Woche ins Koptenkloster. Früher, so erzählt er, sei er mit vielen lebensbedrohlich und oft unheilbar erkrankten Patienten in den südfranzösischen Wallfahrtsort Lourdes gefahren. Das sei leider zu teuer geworden. Dann kam Brenkhausen ins Spiel. Sich nicht um den Körper zu kümmern, sondern auch um das Seelenheil, das sei ihm als praktizierendem Katholiken und als Mediziner ein besonderes Anliegen. Die Klostertour 2020 sei leider wegen Corona nicht möglich gewesen. Um den Kontakt zu den Kopten zu halten, ist Dr. Eissing nun mit seiner Frau Eva und Sohn Simon an seinem 60. Geburtstag in dieser Woche nach Brenkhausen gereist. Mit Bischof und Medizinerkollegen Damian verbindet ihn viel, und deshalb wurde die Geburtstagstorte im Kloster fern der Ems genossen; übernachtet hat die Familie Eissing im Äbtissinnenzimmer.

Bischof Damian hofft, dass die Papenburger 2021 wieder nach Brenkhausen kommen. Dr. Eissing und seine Helfer fühlen sich heimisch im Kloster. Schon bei einer bundesweiten Anfrage in Klöstern, ob er mit seinen Tumorpatienten für ein paar Tage komme könne, um die Menschen unter dem Leitsatz „Fürchte Dich nicht“ auf ihre Leidenszeiten und den oft nahen Tod vorzubereiten, habe er außer einer Antwort aus dem Kloster Maria Laach („was zu teuer war“) nur aus Brenkhausen eine Reaktion und Zusage bekommen. „Man glaubt kaum, welche aufbauende Wirkung die klösterliche Atmosphäre und der nette Umgang hier auf die Kranken jedes mal hat“, berichtet der Arzt aus Ostfriesland. Auch im Ort sei die Gruppe schon bekannt. Die Patienten würden die vierstündige Busfahrt für das aufbauende Erlebnis gerne in Kauf nehmen, so Dr. Essing, der als Allgemeinmediziner eine große Praxis auf dem Lande mit 75 Arzthelferinnen und fünf Arztkollegen aufgebaut hat. So eine Gemeinschaftspraxis sei ein gutes Rezept, um im ländlichen Raum eine ärztliche Versorgung überhaupt noch möglich zu machen, schildert der Doktor auch mit Blick auf ähnliche Probleme im Kreis Höxter.

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