1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Hoexter
  6. >
  7. Weihnachtsmarkt begann mit drei Ständen

  8. >

Höxteraner Traditionsveranstaltung: Aussteller blicken auf den Start in 1973

Weihnachtsmarkt begann mit drei Ständen

Höxter (WB). Wie alt ist eigentlich der Höxteraner Weihnachtsmarkt? Ist er in den 8oer-Jahren entstanden oder noch früher? Das WESTFALEN-BLATT ist der Frage auf den Grund gegangen und hat den Aussteller getroffen, der damals bei der Premiere mit 27 Jahren als Jungunternehmer dabei gewesen ist.

Harald Iding

Zum ersten, kleinen Weihnachtsmarkt in Höxter fuhr man 1973 noch mit dem Wagen vor. Heute ist die Marktstraße der Kreisstadt eine Fußgängerzone. Foto: Privat

Heiner „Carlo“ Hecker (73) aus Bredenborn, der mit Freude an den Beginn der Erfolgsgeschichte des Höxteraner Weihnachtsmarktes zurückblickt, weiß es noch, als wenn es gestern gewesen wäre: „In der noch jungen Werbegemeinschaft von Höxter mit Unternehmergrößen wie Carlo Weber und Klingemann kam der Gedanke auf, einen längeren Markt während der Weihnachtszeit zu etablieren. Ich verkaufte damals am Stand Curry- und Bratwurst, Pommes und Schaschlik. Dieser Verzehr auf der Straße – das war völlig un­typisch und galt als exotisch, anders als heute.“

Weihnachtssterne und Currywurst

Insgesamt seien es 1973 nur drei Stände plus Fahrgeschäft gewesen, die rund um den Turm auf dem Marktplatz (er ist mit dem Neubau des Marktplatzes Süd abgerissen worden) den Weihnachtsmarkt ausmachten. „Dort gab es das Karussell Schäfer aus Kassel sowie einen Verkaufsstand für Weihnachtssterne (sie waren damals eine Neuheit in Deutschland) und einen Wagen für Süßigkeiten.“ Das Karussell bot Kindern bis zu sechs Jahren eine Fahrt mit einem Batterie betriebenen Miniwagen. Eine besondere Begebenheit ist „Carlo“ Hecker, der dem WESTFALEN-BLATT einige historische Aufnahmen zur Verfügung stellte, im Gedächtnis geblieben.

Ein Bergepanzer fährt vor

„Wir staunten nicht schlecht, als eines Tages ein Bergepanzer der Bundeswehr in der Marktstraße hielt und der Kommandant Würstchen für seine Kameraden bestellte. Das werde ich nie vergessen!“ An die Anfangsjahre des Marktes erinnert sich auch Ansgar Meier-Tegetmeier (langjähriger Marktmeister in Höxter) gerne. „Ich habe 1973 zusätzlich Weihnachtsbäume auf dem Markt verkauft, später kamen Adventsgestecke hinzu, die in der Weihnachtszeit sehr gefragt waren. Damals gab es noch keine Supermärkte, die solche Weihnachtsartikel verkauften. Die Nachfrage war enorm.“ Auch Meier-Tegetmeier weiß eine Anekdote aus den Anfangsjahren: „Die Marktstraße war früher für den Straßenverkehr geöffnet. An unserem Stand fuhr Ende der 70er-Jahre ein Ehepaar aus Berlin mit seinem Mercedes vor. Die Frau im Pelzmann verliebte sich direkt in eine der mächtigen Nordmanntannen, die immerhin 40 Mark kostete!“

Diese Tanne musste sie unbedingt haben, doch der Kofferraum der Limousine war viel zu klein. „Ein pfiffiger Mitarbeiter von mir, im Rentenalter, hat dem Paar dann vorgeschlagen, die Tanne doch einfach in drei Teile zu sägen. Später könne man sie ja über Holzsplinte wieder zusammenstecken!“ Die Berliner hätten sich nach den Feiertagen sogar noch bei dem Händler von Höxter für den tollen Baum bedankt. Es dürfte die erste steckbare Weihnachtstanne Deutschlands gewesen sein.

Seit 1976: Reibekuchen von Franz-Josef Meyer

Seit 1976 steht Gastronom Franz-Josef Meyer aus Horn-Bad Meinberg (Kreis Lippe) auf dem Höxteraner Weihnachtsmarkt und verkauft zur Freude der vielen Fans seinen selbst gemachten Reibekuchen, bevorzugt mit leckerem Apfelmus (ebenfalls aus eigener Produktion). Heute wird der 66-Jährige unter anderem von seinen beiden Töchtern beim Verkauf unterstützt, eine reist dafür extra aus Frankfurt an. Er gesteht: „Für mich sind diese Wochen im Dezember die schönste Zeit des Jahres. Man trifft so viele alte Freunde, die Atmosphäre ist einmalig!“ Der Reibekuchen-Experte und Ansgar Meier-Tegetmeier waren es in den 90er-Jahren auch, die ein gelbes „Engelstelefon“ aufstellten, wo Kinder beim Marktbesuch ihre Wünsche reinsprechen durften. „Und wir organisierten Spendenaktionen, um zum Beispiel Heimkinder zu unterstützen“, so Meier-Tegetmeier.

Andreas Ehling verkauft seit 1986 Crêpes

Der erste Stand beim „Eingang“ zum Markt ist heute der von Andreas Ehling aus Fürstenau: „Wir verkaufen in Höxter seit 1986 Crêpes. Man kennt sich gut und hilft sich immer – zum Beispiel beim Aufbau und Abbau. Ich musste zu meiner Premiere vor 33 Jahren erst Schnee schippen, bevor ich die Bude abladen konnte.“

Das Personal für die vier langen Marktwochen findet Ehling auch. Es sind oft junge Leute, die sich nach der Schule etwas Taschengeld hinzuverdienen. Der Weihnachtsmarkt in Höxter – er führt alle Generationen zusammen.

Startseite