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46-Jähriger aus Höxter möchte als Bürgermeisterkandidat mit klimaneutraler LGS punkten

Wennemanns nachhaltiger Weg

Höxter (WB). Ein bisschen muss Falk Wennemann suchen, um den Weg zu finden. Als Kind ist er oft hier gewesen. Da sah es noch nicht so verwildert aus. Heute ist das Gelände um das Lüchtringer Tretbecken ein verwunschener Ort. Straßenlampen erinnern noch daran, dass das parkähnlich angelegte Gelände schon bessere Zeiten gesehen hat.

Marius Thöne

Das Tretbeckengelände am Sportplatz in Lüchtringen gehört zu den Falk Wennemanns liebsten Plätzen in Höxter. Dort gibt es auch einen Eiskeller einer ehemaligen Brauerei. Wennemann möchte, dass das Gelände auf Vordermann gebracht wird. Foto: Marius Thöne

Kein Krawattentyp

Falk Wennemann (46) kandidiert für das Höxteraner Bürgermeisteramt. Er hat sich diesen Ort für ein Treffen ausgesucht, weil er als Kind den Kindergarten in Lüchtringen besucht hat und ihn viele Ausflüge zum Tretbecken geführt haben. Wennemann kommt im blauen T-Shirt. „Echt unabhängig“ hat er darauf gedruckt. „Krawatten sind nicht meins“, sagt der studierte Elektrotechniker. Sollte er nach der Wahl das Bürgermeisteramt übernehmen, möchte er „so weit wie möglich“ darauf verzichten.

Wall offenhalten

Als er im Oktober vergangenen Jahres seine Kandidatur bekannt gab, übte er vor allem Kritik an der Landesgartenschau. „Wenn ich als Bürger hätte abstimmen dürfen, hätte ich dagegen gestimmt“, sagt er auch noch heute. Trotzdem gelte es jetzt, das beste daraus zu machen. Er möchte die LGS klimaneutral gestalten. Der Strom soll regenerativ auf dem Gelände erzeugt werden. Darüber hinaus fordert er, dass nur Teile der Gartenschau eingezäunt werden und der Wall für die Höxteraner als „wichtiges Naherholungsgebiet“ zumindest tagsüber freigehalten wird.

In seinem Wahlprogramm fordert Wennemann darüber hinaus, dass Profiteure von der Landesgartenschau (Einzelhändler, Baufirmen, Planer, Gala-Bauer, Hoteliers) einen Teil ihres Gewinns in einen „Nachsorgefonds“ einzahlen sollen, über den das Gelände auch nach der LGS in Schuss gehalten werden kann.

Selbstversorger

Wennemann lebt selbst am Wall, hat dort ein altes Fachwerkhaus weitgehend in Eigenleistung saniert. „Ich habe vorher 30 ­Bücher über alte Bautechniken gelesen“, verrät der Kandidat. Im Brückfeld bewirtschaftet er mit Ehefrau Nicole (45) und den Töchtern Milla (5) und Fritzi (7) einen 2000 Quadratmeter großen Schrebergarten. Ein wichtiges Stichwort ist für ihn dabei die Selbstversorgung mit Obst und Gemüse. „Über weite Strecken bekommen wir das schon ganz gut hin“, sagt Wennemann, der derzeit als freiberuflicher Dozent in der Erwachsenenbildung arbeitet.

Er habe sich für die Freiberuflichkeit entschieden, um mehr Zeit für seine Kinder zu haben. „Die sind nämlich mein wichtigstes Hobby“, wie er sagt. Gerne spielt die Familie Improvisationstheater mit Handpuppen.

Digitale Ratsarbeit

Wenn er Bürgermeister ist, möchte er die Arbeit von Rat und Verwaltung weiter digitalisieren. Sitzungen von Rat und Ausschüssen sollen live übertragen werden, so dass sie von Bürgern zu Hause verfolgt werden können. Als Vater liegt im darüber hinaus die Schulpolitik am Herzen. Hier will er „überfällige Sanierungen von Sanitäranlagen“ anschieben, die Eingangsbereiche aufhübschen („damit die Kinder mit einem guten Gefühl ankommen“) und die Digitalisierung weiter voranbringen.

Elektroinstallateur

Falk Wennemann hat nach einer Ausbildung zum Elektroinstallateur und anschließendem Studium in Köln einige Zeit im Vertrieb für Photovoltaikanlagen gearbeitet und in Namibia auch Auslandserfahrung sammeln können.

In der Zeit seiner Freiberuflichkeit habe er mit Handwerkern, Abteilungsleitern mittelständiger Unternehmen, Vorstandschefs internationaler Konzerne wie VW, Mercedes und Nestlé, aber auch Hochschulprofessoren, Politikern, Regierungsvertretern und Ministern zusammengearbeitet. „Trotz großer zwischenmenschlicher, organisatorischer, sprachlicher, kultureller oder finanzieller Hürden, ist es mir durch Verhandlungsgeschick gelungen, zusammenzuführen und gemeinsam mit ihnen spannende Ideen erfolgreich weiterzuentwickeln“, sagt Wennemann. Dieses Wissen will er auch als Bürgermeister einbringen.

Waldkonzept

Am Herzen liegt ihm der Höxteraner Stadtwald. „Er verfügt zwar nur über gut 30 Prozent Nadelholzbestände“, berichtet Wennemann. Bis 2023 würden die wegen des Borkenkäferbefalls aber abgestorben sein. Die Landesgartenschau will er für die Vorstellung verschiedener Möglichkeiten zur Wiederaufforstung nutzen – und Höxter und das Weserbergland zu einer Modellregion für nachhaltige Wiederaufforstung machen.

Nachhaltig stellt er sich auch die Sanierung des Tretbeckengeländes in Lüchtringen vor. „Hier müssen sich keine Garten- und Landschaftsbauer bis ins Detail ausleben“, sagt Wennemann. Vielmehr solle das naturbelassene Gelände den Höxteranern zur Erholung dienen.

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