Für Fußgänger, Radfahrer und Fahrzeuge ist Weserübergang lange nicht passierbar – Baubeginn noch dieses Jahr

Weserbrücke in Höxter wird neun Monate gesperrt

Höxter (WB)

Wenn die Weserbrücke saniert wird, dann hat das Millionenprojekt für die Menschen in Höxter und in den Nachbarorten einiges an Einschränkungen zur Folge. Zum Start der NRW-Landesgartenschau Ende April 2023 soll sich die frisch sanierte L755-Brücke mit neuem Pylon präsentieren und befahrbar sein.

Michael Robrecht

Ein 25 Meter hoher und nach oben spitz zulaufender Pylon in A-Form soll die seit Sommer 2016 für Transporter und Lkw gesperrte Brücke über die Weser wieder befahrbar machen. Foto: Michael Robrecht

Straßen NRW erläuterte in einer Pressemitteilung den neuesten Stand des Konzeptes des Landesbetriebes, wie und wann die Bauarbeiten an der 50er-Jahre-Spannbetonbrücke ablaufen sollen. Die Weserbrücke Höxter ist derzeit für Kraftfahrzeuge über 3,5 Tonnen gesperrt.

Hohlstellen, Risse und ein ungewöhnliches Schwingverhalten sind die Gründe. Nach einer Notinstandsetzung 2016 wird das aus dem Jahr 1955 stammende Bauwerk auf jeden Fall noch vor der Landesgartenschau 2023 in Höxter verstärkt, so Straßen NRW. Ein Pylon in A-Form, ein etwas über 25 Meter hohes Beton-Bauteil mit Seilverspannung, soll die Brücke für Kraftfahrzeuge über 3,5 Tonnen und mehr als zwei Metern Breite in beide Richtungen wieder passierbar machen.

Betonabsperrungen versperren Lkw, Transportern und manchen Wohnmobilen den Weg. Foto: Michael Robrecht

„Der Plan steht, die Baumaßnahmen sollen noch dieses Jahr 2021 beginnen“, erklärt Hubertus Borgelt, Abteilungsleiter Bau der Straßen-NRW-Regionalniederlassung Sauerland-Hochstift. Die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Höxter und der angrenzenden Ortschaften auch in der niedersächsischen direkten Nachbarschaft wie in Boffzen und Fürstenberg müssen in der Bauphase allerdings mit verkehrsbedingten Einschränkungen rechnen.

Weil die Sicherheit für die Verkehrsteilnehmer während der Baumaßnahmen an der Brücke nicht gewährleistet werden kann, muss die Fürstenberger Straße (L755) im Bereich der Weserbrücke für die Arbeiten am Bauwerk gesperrt werden. Für Fußgänger und Radfahrer ist eine Sperrung von fünf bis sechs Monaten vorgesehen. Der öffentliche Straßenverkehr muss mit dieser Einschränkung bis zu neun Monate rechnen.

Umleitungen in Planung

„Die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer hat für uns neben unserer verstärkenden Baumaßnahme an der Weserbrücke oberste Priorität“, unterstreicht Borgelt. „Wir stimmen uns derzeit mit den örtlichen Verkehrsbetrieben über einen Umleitungsverkehr ab. Ein besonderes Augenmerk gelte dem Verkehr für Schülerinnen und Schüler der Ortschaften über die nordrhein-westfälische Landesgrenze hinweg. „Auch für die örtlichen Rettungskräfte arbeiten wir derzeit ein geeignetes Konzept aus“, erläutert Borgelt. Die Umleitung für den KFZ-Verkehr wird über die Weserbrücke in Lüchtringen erfolgen. Der Umleitungs- und Ersatzverkehr sowie die genauen Daten zum Baustart werden rechtzeitig vor der großen Maßnahme bekanntgegeben.

Ab 2023 dürfen laut Planerin Jelena Delic auch wieder 40-Tonner und Busse die Brücke (Einweihung 1956) queren. Die Notsanierung 2016 habe nur Schäden wie Löcher und Abdichtungen erledigt. Ein Pylon bringe „viele Tonnen zusätzlich“.

Kommentar von Michael Robrecht:

Die Sperrung der 65 Jahre alten Weserbrücke in Höxter während der Komplettsanierung hat stärkere Auswirkungen als es auf den ersten Blick erscheinen mag. Dass die Spannbetonbrücke aus statischen Gründen erneuert werden muss, das ist unstrittig. Eine Sanierung ist mit Blick auf eine Fertigstellung zum Beginn der Landesgartenschau mit Hunderttausenden Besuchern im Frühjahr 2023 auch immer noch die zeitlich günstigste Lösung. Wenn theoretisch im Herbst 2021 mit ersten Bauarbeiten begonnen und eine Vollsperrung für Fahrzeuge auf neun Monate berechnet wird, wenn wir dann die üblichen Bauverzögerungen einrechnen, dann dauert so eine Sperrung auch schnell ein Jahr.

Grundsätzlich eines vorweg: Es ist gut und richtig, dass Straßen NRW die Brücke saniert! Das ist wichtig für Höxter. Ein Neubau mit Parallelbrücke wie in Beverungen hätte in Höxter wegen der großen Höhenunterschiede Fluss/Altstadt schlecht funktioniert.

Jetzt zu den Einschränkungen: Für die „Star“-Tankstelle und die Pizzeria „Salsa“ an der Brücke wird die Abriegelung eine schwere Zeit. Für die Besitzer der 150 Kleingärten und für Hunderte Sportler, die das Sportzentrum Brückfeld für Fußball, Reiten oder Tennis nutzen, wird die Erreichbarkeit zum Problem. Dann ist da noch Höxters schönes neues Freibad, dem Besucher fehlen. Die Gäste auf dem Campingplatz oder im Wohnmobilhafen können zum Essen in der Altstadt monatelang auch nur durch die Weser schwimmen – oder sie müssen über die Lüchtringer Brücke in den „Westen“ wechseln.

Dann ist da noch der Parkplatz am Floßplatz, wo viele Menschen parken, die in der City arbeiten. Apropos Floßplatz: Das von der Schützengilde Höxter dort am ersten Juli-Wochenende 2022 geplante Jubiläumsschützenfest „425 Jahre Gilde“ kann dort mit Zelt und Kirmes nicht stattfinden. Große geeignete Ausweichplätze in Höxter werden bereits gesucht.

Dann sind da noch die Schul- und Linienbusse aus Boffzen und Fürstenberg sowie die vielen Kunden aus den niedersächsischen Nachbargemeinden, die jeden Tag nach Höxter fahren. Auch die Bundeswehr ist betroffen und einige Hausbewohner in den Höxteraner Ostgebieten auch. Die Brückensanierung wird ein Kraftakt. Aber sie muss sein und macht den Standort Höxter, auch mit dem neuen 25-Meter-Pylon, zukunftsfit.

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