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Winter-Naturschauspiel von Zugvögeln im Weserbergland

Wie im Hitchcock-Film: Bergfinken im Tiefflug über Weser und Solling

Höxter/Silberborn

In diesem Winter haben das Weserbergland und das Wesertal Besuch von Bergfinken bekommen, die sonst viel weiter im Nordosten ihr Leben verbringen. Im Solling kann man im bucheckernreichen  Spätherbst und auch jetzt im Winter das Phänomen riesiger millionenstarker Bergfinkenschwärme beobachten.

„Wenn so ein Bergfinkenschwarm über einen hinwegfliegt, dann erinnert das viele an den Alfred-Hitchcock-Kinofilm „Die Vögel“, meinte eine Naturbeobachterin, die am Sonntag einen Schwarm östlich von Silberborn bei Torfhaus und Große Blöße (527 Meter über Meereshöhe) live erlebte. Auch aus dem Wesertal bei Stahle, Holzminden und Polle werden Schwärme gemeldet. Naturfotografin Annette Mokross aus Polle hat dort sogar Fotos am Sonntagabend machen können. „Der Durchzug gilt als sehr selten", sagt sie.

Selten zu erlebendes Naturschauspiel

Bergfinken mischen sich im Winter häufig unter unsere heimischen Finken und suchen gerne Futterhäuschen und Futterplätze in Wäldern auf, berichtet der Naturschutzbund (Nabu). Es ist gerade vier Wochen her, da zogen erstmals die gewaltigen Vogelschwärme über den Kreis Holzminden und an der Weser auch Richtung Kreis Höxter entlang.  Die Berg- und Buchfinken, die aus Nordeuropa kamen, sorgten für ein einzigartiges und selten zu erlebendes Naturschauspiel. Zur Nacht schließen sie sich zu großen Schlafgesellschaften zusammen und rücken sehr dicht in Bäumen wie im Waldgebiet Solling oder in den Weserbergen aneinander. Insgesamt sitzen und fliegen sie dichter beieinander als Buchfinken. Ihr Futter suchen sich Bergfinken überwiegend am Boden. Bergfinken verlassen ihr Brutrevier im Winter komplett und ziehen nach Mittel- und Südeuropa.

Die Tiere bleiben laut Nabu nie ihren Standorten treu

„Die Vögel in dieser riesengroßen Zahl sind ein seltenes Phänomen“, sagte der Sprecher des Naturschutzbundes Hessen (Nabu), Berthold Langenhorst. Bergfinken kommen immer wieder in die Region, aber längst nicht immer in so großen Trupps. Die Tiere bleiben laut Nabu auch nie ihren Standorten treu: Die Vögel sind dort, wo es etwas zu fressen gibt.  

Das Naturspektakel fasziniert Fotografen und Schaulustige, es gibt im Internet Fotos aus dem Solling und dem Wesertal.  Die Brutgebiete der Finken liegen in Nordeuropa. Im Sommer sieht man die Vögel nur in kleinen Gruppen. Mit ihren 15 Zentimetern sind sie genauso groß wie der Buchfink. Wenn sie zappelig fliegen, denken viele, es handele sich um Fledermäuse, was den Anblick noch außergewöhnlicher macht.

Bergfinken-Schwärme sind im Weserbergland zurzeit unterwegs. Foto: dpa

Bergfinken bewohnen im Sommer lichte Birken- und Nadelwälder Skandinaviens und Nordosteuropas bis Kamtschatka.  Im Winter bevorzugen die Schwarm-Zugvögel Äcker und Gärten, vor allem mit Futterstellen, in Mitteleuropa. Und warum kommen so viele Vögel?  Finken gelten als sehr gesellige Tiere. Treten die wegen des Klimawandels in Massen auf? Nein, sagt der Naturschutzbund: Die Bergfinken würden seit Jahrtausenden durch Deutschland nach Südeuropa ziehen, seien aber teilweise schon immer auch hier geblieben über den Winter, nur in der Größenordnung sei es jetzt außergewöhnlich, so Nabu Deutschland.

Nabu-Portrait: Der Bergfink

Der Nabu informiert auf seiner Internetseite ausführlich über den Bergfink (Fringilla Montifringilla): Bergfinken sind nicht gefährdet. In Größe und Form ist der Bergfink dem Buchfink  ähnlich, jedoch hat der Bergfink eine deutlich orange gefärbte Brust und Schulterpartie. Der Bauch ist zudem weiß, wie auch der Bürzel. Das Weibchen ist unauffälliger mit braunem und grauem Kopf. Der Kopf des Männchens ist im Prachtkleid blauschwarz, im Schlichtkleid rostbraun und schwarz gescheckt. Sein quäkendes, hartes „dschäe“ oder „tä-ÄHP“ ist charakteristisch. Im Flug stößt er wiederholt ein hartes, kurzes „jäk“ aus. Sein einfacher Gesang klingt monoton und melancholisch. Dabei reiht er einzelne „rrrrrrrrhüh“-Rufe aneinander. Die Nahrung der Bergfinken besteht im Sommer vor allem aus Insekten und Larven. Im Winter fressen sie Bucheckern, Nüsse, Sämereien und Getreide.

So sieht ein 15 Zentimeter großer Bergfink aus. Foto: Nabu/Frank Derer

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