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Daniel Razat (39) will Bürgermeister von Höxter werden

„Wir brauchen Weitsicht“

Höxter (WB). „Der Heiligenberg hat etwas Verbindendes“, sagt Daniel Razat, während er den Picknick-Korb öffnet. Der 39-Jährige und seine Ehefrau Kirsten haben Kekse und Kaffee zum Gespräch im Schatten des kleinen Gotteshauses mitgebracht. Der Bundeswehroffizier will Bürgermeister von Höxter werden. Er tritt als Parteiloser für die CDU an. Der Heiligenberg zählt zu seinen Lieblingsorten in der Stadt.

Marius Thöne

Daniel Razat will Bürgermeister von Höxter werden. Er ist in Recklinghausen aufgewachsen, die Liebe zu seiner Ehefrau Kirsten hat ihn nach Ovenhausen geführt. Der Heiligenberg gehört zu den Lieblingsorten der beiden. Foto: Marius Thöne

Liebe führt nach Höxter

Razat ist in Haltern am See zur Welt gekommen und in Recklinghausen aufgewachsen. Vor 16 Jahren lernte der Borussia-Dortmund-Fan bei einem Besuch in Ovenhausen seine heutige Frau kennen. Eine erste Sightseeing-Tour führte das junge Paar seinerzeit auf den Heiligenberg. „Dieser Ort hat mich sofort gefangen genommen“, berichtet Razat. Besonders die Christmette zu Weihnachten sei ein Erlebnis. „Viele wandern in der Heiligen Nacht hierher.“ Der Heiligenberg sei aber nicht nur Begegnungsstätte für die Ovenhäuser, sondern auch für Menschen aus Lütmarsen und Bosseborn. Pilger auf dem Jakobsweg würden dort Rast machen und der Berg gebe den Fußballern der Jugendspielgemeinschaft ihren Namen. Insofern sei der Heiligenberg in vielerlei Hinsicht ein verbindendes Element.

Wahlprogramm

Das steht gewissermaßen auch für Razats politische Ziele. „Höxter 2030 – unser gemeinsamer Weg“ hat er sein Wahlprogramm überschrieben. Er sieht darin eine Vision, die im Fall seiner Wahl zur Mission werde. Darin spricht er sich für eine stärkere Einbindung der Bevölkerung in politische Entscheidungen aus. Festmachen lässt sich das beispielsweise in Razats Einstellung zum umstrittenen Thema Windkraft. „Wir kommen nicht umhin, Lösungen zu finden“, sagt er und unterbreitet einen pragmatischen Vorschlag. „Lassen wir die Bürger doch selbst Ideen für Vorrangflächen entwickeln. Die Menschen in den Ortschaften wissen doch am besten, wo Windräder stehen können und wo nicht.“ Grundsätzlich sei Weitsicht erforderlich und „nicht die Kurzfristigkeit einer Wahlperiode“.

Beruflich viel unterwegs

Wer mit Daniel Razat ins Gespräch kommt, merkt, dass ihm seine Wahlheimat Höxter am Herzen liegt. „Hier möchte ich nie wieder weg“, bringt es der Kandidat auf den Punkt. Beruflich ist er in den vergangenen Jahren viel unterwegs gewesen. Nach dem Studium der Staats- und Sozialwissenschaften an der Bundeswehruniversität in München führte ihn sein Weg für einige Jahre als Kompaniechef nach Höxter, später ging es nach Frankenberg in Sachsen. Ein Einsatz führte Razat für sieben Monate nach Afghanistan, wo er als Hauptplaner für den Norden des Landes zuständig war. Eine prägende Zeit für den 39-Jährigen, der dort mit Soldaten aus 22 Nationen zusammengearbeitet und Entscheidungen für den Kommandeur vorbereitet hat. In dieser Zeit sei die Familie eine wichtige Stütze für ihn gewesen.

Inzwischen arbeitet Razat im Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Potsdam. Jedes Wochenende pendelt er zu seiner Familie nach Ovenhausen. Es gehört zum Los von Soldatenfamilien, häufig umziehen zu müssen. „Wir haben uns dafür entschieden, dass die Familie an einem Ort bleibt und ich pendle“, berichtet Razat. Ovenhausen sei mit seiner intakten Dorfgemeinschaft der optimale Ort für die Kinder.

Kein Kasernenhofton

Seine Berufserfahrung als Führungskraft bei der Bundeswehr möchte Razat auch in seine Arbeit als Bürgermeister einfließen lassen. „Trotzdem wird es bei mir keinen Kasernenhofton geben“, kündigt er schmunzelnd an. „Ich habe gelernt, dass es nur im Team funktioniert und darauf lege ich großen Wert“, sagt er. Seine Funktion als Bürgermeister sieht er als Lenker, Vermittler und Mediator. Wichtige Themen müssten aber auch zur Chefsache gemacht werden. Am Herzen liegt Razat die Wirtschaftsförderung. Zur Ansiedlung von Unternehmen könnten gemeinsam mit Investoren Flächen entwickelt werden, schlägt der Ovenhäuser vor. Darüber hinaus steht Razat für die Einführung eines „zielgerichteten Stadtmarketings“, das alle Generationen einschließe.

Dabei geht es ihm auch um Wohnbaugebiete für junge Menschen. „Die Arbeitswelt wird zunehmend von Orten unabhängig. Das kann eine Chance für ländliche Städte wie uns sein, wieder zu wachsen“, sagt der passionierte Jäger. Höxter müsse attraktiv sein zum Bleiben und Wiederkommen.

Gartenschau als Chance

Die Landesgartenschau sei eine Chance für die Stadt, die viele positive Effekte habe. Razat nennt beispielsweise den Umbau der Fußgängerzone. Die Großveranstaltung ziehe aber auch Touristen an. „Wer weiß? Vielleicht ist das der erste Impuls für einige, sich dauerhaft in Höxter niederzulassen“, sagt Razat.

Das würde dann auch zu seiner Biografie passen, in der er sich zuerst in seine Frau und dann in Höxter verguckte – vor 16 Jahren auf dem Heiligenberg.

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