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Team der Weser-Therme steht für Neustart bereit – mehr als 900.000 Euro Verlust wegen Corona

„Wir warten auf den Tag X“

Bad Karlshafen/Höxter (WB). Das Wasser sprudelt im Whirlpool, die Palmen und der blaue Himmel über dem Glasdach vermitteln perfekte Urlaubsstimmung – man mag am liebsten gleich ins Becken springen. Für rund 250.000 Gäste im Jahr ist ein Besuch der Weser-Therme in Bad Karlshafen (2004 eröffnet) pure Erholung, Freizeitspaß und wie ein Kurzurlaub „vor der Haustür“.

Harald Iding

Die schöne „Urlaubswelt“ ist derzeit im Standby-Modus: Prokuristin Martina Abel und Geschäftsführer Rainer Kowald (Bad Karlshafen GmbH) hoffen wie viele Kollegen in anderen Bäderbetrieben, dass die Lockerungen in der Corona-Zeit nun bald auch den Wiederbetrieb ihrer Therme unter Auflagen ermöglichen. Foto: Harald Iding

Doch jetzt ist alles anders – es fehlen die Besucher. Die Stühle sind hochgestellt und die meisten Lichter ausgeschaltet. Fachpersonal schreitet durch die Flure, Reinigungsgeräte für den Wasserbereich kommen zum Einsatz und die Heizung ist herunter geregelt – so weit es eben möglich ist. Denn eigentlich läuft alles weiter in dem Bäderbetrieb. Man kann eben nicht alles einfach abschließen und nach Hause gehen. Das hätte fatale Folgen – für die Technik und Hygiene. Die Umwälzung des Wassers muss gesichert sein. Die Atmosphäre in der Therme, für die seit 2009 eine kommunale Gesellschaft Verantwortung trägt, ist ohne die lachenden Kinder, entspannten Saunabesucher und Familien, die ihren Tag dort verbringen, einfach nur trostlos.

Von 100 auf Null – seit dem Sonntag, 15. März, hängt ein Corona-Hinweisschild an der Eingangstür. Nichts geht mehr! „Alle kommunalen Bäderbetriebe haben bis auf Weiteres geschlossen!“ ist zu lesen.

Dennoch: Immer noch täglich klingeln die Telefone in der Verwaltung der Therme. Die Leute wollen wissen, wann es wieder losgeht und sie dort verweilen dürfen. Während die ersten Freibäder in der Region bereits öffnen durften, muss die Therme im Weserbergland ihren Gästen den Zugang wegen Corona noch verweigern. „Bereits am Tag nach der Schließung haben wir aber nach vorn geschaut und ein Konzept erarbeitet“, betont Martina Abel, Prokuristin der „Bad Karlshafen GmbH“, im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT.

Geschäftsführer Rainer Kowald spricht ebenso wie seine Kollegin von einer außergewöhnlichen Zeit, die jeden Einzelnen herausfordere. Zur „Bad Karlshafen GmbH“ gehört nicht nur die Therme. Auch das Weserschiff „Hessen“, der Binnenhafen in der Stadt und der touristische Service werden von der Gesellschaft getragen. „Insgesamt geht es um mehr als 100 Mitarbeiter – der größte Teil arbeitet natürlich in der Therme“, so Abel. Die ersten Wochen habe man dazu genutzt, Renovierungs- und Verschönerungsarbeiten vorzunehmen. „Wir haben ja sonst das ganze Jahr über geöffnet – bis auf drei Tage im Sommer, die wir für solche Arbeiten nutzten.“

Teamgeist

Rainer Kowald ist stolz auf seine Prokuristin und die Belegschaft: „Alle haben großen Teamgeist gezeigt und das Beste aus der äußerst schwierigen Situation gemacht. Jeder hat mit angepackt.“

Die finanziellen Einbußen seien enorm, auch wenn inzwischen Kurzarbeit angesagt ist. „Uns fehlen schon 50.000 zahlende Gäste. Wir rechnen mit Stand Ende Mai mit einem Einnahmeverlust von mehr als 900.000 Euro.“ Die GmbH gehöre in der Region zu den größten Arbeitgebern.

Täglich Anfragen

Online-Shop für Gutscheine, Personalfragen, Dienstpläne und die Zusammenarbeit mit dem Steuerberater – Prokuristin Martina Abel hat in diesen Corona-Tagen reichlich zu organisieren und vor allem neue Ansätze zu entwickeln. „Zwar dürfen die gastromischen Betriebe wieder öffnen. Auch wäre das für unsere Gastronomie im Haus möglich. Aber wir wollen den Neustart doch lieber damit beginnen, dass die Besucher wieder schwimmen und die Thermenwelt nutzen können. Das wäre ja zumindest ein Anfang. Rund 225 Gäste wären bei entsprechenden Vorgaben möglich.“ Wann der Saunabereich geöffnet werden kann, bleibe ebenso abzuwarten wie die Freigabe für den Badebetrieb in einem ersten Schritt. „Wir warten jetzt auf den Tag X, dass wir öffnen dürfen. Wir stehen bereit. Mit einer Vorlaufzeit von einer Woche könnten wir hier wieder für jede Menge Badespaß und Wellness sorgen!“

Die Schließung der Thermen wegen Corona hat auch die Bad Driburger Therme getroffen. Laut einer Mitteillung von Anfang Juni hat bislang auch die beliebte Einrichtung im Kreis Höxter seit Mitte März geschlossen, „um das Ansteckungsrisiko für Covid-19 zu minimieren.“

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