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Vorstandssprecher von Sparkasse Höxter und Vereinigter Volksbank über Negativzinsen, neue Geschäftsfelder und Alternativen zum Bargeld

Zahl der Online-Kunden hat durch Corona deutlich zugenommen

Kreis Höxter (WB). Die Corona-Pandemie setzt allen zu – auch den beiden Banken im Kreis Höxter. Dennoch positionieren sich sowohl die Sparkasse als auch die Vereinigte Volksbank, um als eigenständige Unternehmen im Kreis Höxter auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben. Über die Probleme und Chancen der Pandemie und die Zukunft für Banken im ländlichen Raum haben die beiden WESTFALEN-BLATT-Redaktionsleiter Marius Thöne (Höxter) und Jürgen Vahle (Warburg) bereits vor der zweiten Corona-Welle mit Sparkassen-Vorstand Jens Härtel und Volksbank-Vorstand Birger Kriwet gesprochen.

Interview unter Corona-Bedingungen und mit genügend Abstand: Marius Thöne (von links), Jürgen Vahle, Jens Härtel und Birger Kriwet haben sich im Konferenzraum der Vereinigten Volksbank in Brakel zum Gespräch getroffen. Foto:

Wie hat das Corona-Virus Ihr Geschäft verändert? Haben Kunden aufgrund der Krise Schwierigkeiten, beispielsweise ihre Baudarlehen zu bedienen?

Jens Härtel: Zusammenfassend kann man wohl sagen, dass die Lage erstaunlich ruhig ist. Auf der privaten Seite, zu der ja die Bau- und Konsumkredite gehören, merken wir noch gar nichts. Wir haben in größerem Umfang Privat- wie auch Geschäftskunden Ratenstundungen angeboten. Das wurde in etwa 300 Fällen auch in Anspruch genommen – zumeist aber aus Vorsorge. Eine echte Liquiditätsnot gab es nicht. Von vermehrten Kreditausfällen können wir noch nicht berichten, erwarten aber, dass das 2021 zunehmen wird.

Viele Gewerbekunden haben übrigens trotz genehmigter Stundungen sogar weitergezahlt. Darüber hinaus haben wir für größere Gewerbekunden in etwa 50 Fällen Kredite in einem Volumen von zehn Millionen Euro beantragt, bei denen die Haftung Bund oder Land zu bis zu 80 Prozent übernommen haben.

Birger Kriwet: Das deckt sich mit unseren Erfahrungen. Bei uns gab es 280 Anträge auf Stundungen, und wir haben etwa acht Millionen Euro an haftungsfreien Krediten beantragt. Die Frage nach Kreditausfällen wird mir derzeit alle zwei Tage gestellt. Das ist auch richtig, weil bei uns Banken die wirtschaftlichen Probleme häufig sehr früh auflaufen und wir schon erkennen, was am Horizont droht. Im Moment kann ich für unser Haus sagen, dass es sehr ruhig ist. Das Riesenhilfspaket von Bund und Land greift tatsächlich. Aufgrund von Corona haben wir derzeit keine erhöhten Kreditrisiken. Vor allem das Kurzarbeitergeld, das bis Ende 2021 verlängert worden ist, ist eine enorme Hilfe. Wahrscheinlich wissen wir erst Anfang 2022, wo wir stehen und ob etwas in Schieflage ist. Auch die Kollegen von anderen regionalen Banken berichten das. Die Kunden haben schon gesehen, dass es sich in der Mehrzahl der Hilfen um Kredite handelt. Sie sind vorsichtig, und wir beraten sie auch so.

Gute Laune trotz herausfordernder Zeiten. Foto: Tanja Köster

Wie sieht es im Kreis Höxter speziell in den kritischen Branchen aus – Reisebranche, Gastronomie, Veranstaltungswirtschaft?

Birger Kriwet: Ich kann für unserer Haus sagen, dass zum Beispiel im Bereich der Gastronomie gar keine großen Kreditnehmer da sind. Die Kneipen werden nicht insolvent gehen, die schließen einfach die Tür zu und machen nicht mehr auf.

Jens Härtel: Wir haben im Kreis Höxter tatsächlich die besondere Situation, dass gerade diese Branchen nicht sehr stark ausgeprägt sind. Die Gastronomiebetriebe sind häufig Familienbetriebe, denen gehört das Ladenlokal, und die müssen dafür nicht beispielsweise wie in Düsseldorf 4000 Euro Miete pro Monat bezahlen. Unsere Unternehmen im Kreis Höxter halten solche Probleme auch mal eine Zeit lang durch.

Wie sieht es denn mit den Schwerpunktbranchen im Kreis Höxter aus?

Jens Härtel: Das ist bei uns im Kreis Höxter die Landwirtschaft, das sind die Industriebetriebe. Die Landwirtschaft ist von Corona weniger betroffen. In Summe sind die Corona-Probleme noch überschaubar.

Birger Kriwet: Es hat sich bei uns schon immer gezeigt, dass wir gut durch Krisen und Konjunkturzyklen gekommen sind. Bei uns geht es nicht dynamisch hoch, aber auch nicht runter. Unser Branchenmix ist sehr krisenfest.

Jens Härtel: Man darf es aber auch nicht zu rosarot malen. Wir haben hier schon Probleme, und es gibt auch im Kreis Höxter Unternehmen, die die Corona-Situation deutlich zu spüren bekommen. Das hinterlässt Spuren, und es gibt sicher auch einzelne Betriebe, die besonders hart betroffen sind. Die meisten sind aber durch die guten Jahre der Vergangenheit so ausgestattet, dass sie sich das erlauben können. Übrigens auch mit Hilfe der Banken. Wir haben traditionell einen ganz engen Draht zu unseren Kunden.

Birger Kriwet: Und wir merken auf der Investitionsseite eine abwartende Haltung bei den Kunden. Mit der großen Offensive gehen die Firmen derzeit nicht in die Zukunft. Viele Unternehmen warten ab und schieben die ein oder andere Investition, die jetzt nicht zwingend erforderlich ist. Mir ist aber auch kein Fall bekannt, bei dem beispielsweise eine georderte Maschine wieder abbestellt worden ist oder eine geplante Produktionshalle nicht mehr realisiert wird.

Jens Härtel: Und vieles lässt sich ab einem bestimmten Punkt ja auch gar nicht mehr rückabwickeln. Die Zurückhaltung gilt eher für kleinere Investitionen.

Was hat Corona mit ihren eigenen Häusern gemacht? Gab es Veränderungen?

Jens Härtel: Ja, ganz massiv – in Richtung Digitalisierung. Große und schnelle Fortschritte haben da stattgefunden – in unseren Arbeitsabläufen und beim Thema Homeoffice. Wir haben in zwei Wochen 65 neue Homeoffice-Arbeitsplätze eingerichtet. Da haben auch die Rechenzentren sehr schnell mitgearbeitet. Darüber hinaus haben wir Teams geteilt, damit bei einem Corona-Fall nicht gleich eine ganze Abteilung lahmgelegt wird. Wir hatten zum Glück bis jetzt keine Erkrankten. Wir haben dann massiv in Spuckschutzwände, Masken, Desinfektionsmittel und dergleichen investiert. Bei Schulungen und Dienstreisen haben wir auf die Bremse getreten und haben festgestellt: Vieles geht auch digital – auch in der Zukunft.

Birger Kriwet: Bei uns ist natürlich auch getrennt gearbeitet worden. Für eine Weile geht das auch, wenn es kein Dauerzustand wird. Auch wir haben ganz massiv bei Homeoffice-Plätzen aufgestockt, obwohl wir schon einiges hatten. Und man hat gemerkt: Wenn etwas klappen muss, dann gelingt das auch. Mitte März haben wir alle elf Geschäftsstellen geschlossen und schließlich Ende Mai auf einen Schwung wieder geöffnet. Kritik von Kunden daran hat es eigentlich nicht gegeben, eher Zustimmung, zumal die Technik wie Geldautomaten, Terminals oder Bezahlsysteme in den Geschäften überall gut funktioniert hat. Das hat auch nachhaltige Auswirkungen. Wir hatten vorher schon keine Schlangen mehr am Schalter, jetzt erst recht nicht mehr. Unsere Banking-App ist gefragter denn je.

Kann man das Thema Mobile-Banking durch Corona in Zahlen fassen?

Jens Härtel: Die Dynamik ist hoch. Wir haben allein in der digitalen Filiale in den Monaten März und April eine Zunahme der Kontakte um 40 Prozent gehabt. Wir hatten beim Online-Banking von März bis Mai 2200 Neuanmeldungen. Das geht deutlich über das normale Maß hinaus. Kontaktlos ist deutlich mehr bezahlt worden – im Monatsschnitt von 130.000 auf 210.000 Transaktionen in der Hochphase. Dafür haben die Leute weniger mit Kreditkarte bezahlt. Die werden normalerweise gerne im Urlaub genutzt.

Birger Kriwet: Bei der Vereinigten Volksbank gab es eine Steigerung bei den Kartenzahlungen im Geschäft um etwa 15 Prozent. Die telefonischen Anfragen haben enorm zugenommen, die wir auf zwei Standorte konzentriert haben. Online unterwegs sind bei uns weit über die Hälfte der Kunden, ein Drittel der Kunden erhalten den Kontoauszug nur noch papapierlos, und etwa 20 Prozent nutzen mittlerweile die Banking-App. Corona hat dafür gesorgt, dass solche Angebote weiter mit Schwung nach vorne gebracht werden.

Jens Härtel: Und wir haben festgestellt, dass wir viele, die aus dem Kreis Höxter aus beruflichen Gründen wegziehen, über Online-Angebote wie unsere Online-Filiale halten können. Die sparen sich dann den ganzen lästigen Umzugsservice. Die nehmen ihre Bank einfach auf dem Handy mit nach Berlin, Hamburg oder München – und wir können sie dort weiter gut betreuen.

Birger Kriwet. Foto: Tanja Köster

Weg von Corona, hin zu anderen Themen: Wir sind seit Jahren in einer Niedrigzinsphase. Was bedeutet das für die Regionalbanken?

Birger Kriwet: Es bestand vor Corona die leise Hoffnung auf eine Wende. das ist natürlich jetzt nicht mehr der Fall. Wir reden ja schon nicht mehr über niedrige, sondern über Null- und Negativzinsen. Beispiel Bundesanleihen: Wenn ich dem Bund selbst für zehn Jahre Geld gebe, bekomme ich nichts dafür. Dann muss ich etwas bezahlen. Herr Scholz kann gut reden: Der verdient noch damit, wenn er Schulden aufnimmt. Wir werden auch in diesem Jahrzehnt keine steigenden Zinsen mehr erleben. Das wundert auch nicht: Es gibt außer den deutschen Banken und Sparkassen sowie Lebensversicherern keinen Wirtschaftsakteur, der sich steigende Zinsen wünscht. Daher gibt es auch keine politischen Anstrengungen. Und das ist eine Riesenherausforderung für die Banken. Wir können beispielsweise für Tagesgeld keine Zinsen mehr zahlen, und es ist ja auch kein Geheimnis, dass wir bei Großeinlegern inzwischen ein Verwahrentgelt an den Kunden weitergeben müssen, weil wir es ja auch bei der Europäischen Zentralbank zahlen. Auf der Kreditseite sind wir beispielsweise bei der klassischen Baufinanzierung bei einer zehnjährigen Festschreibung unter einem Prozent Zinsen. Aber Volksbanken und Sparkassen leben im Wesentlichen aus dieser Kreditmarge. Das sind große Herausforderungen für uns.

Leuten, die Geld anlegen wollen, raten wir zu einer breit gestreuten Anlage. Es gibt derzeit keine Alternative, Rezept oder Geheimtipp. Es geht nur über eine breite Streuung – über viele Jahre wird das sehr sicher zu einer Vermögensmehrung führen. Daher müssen wir die Kunden in diese Richtung beraten. Auf dem Tagesgeldkonto wird es allein schon wegen der Inflation immer weniger.

Jens Härtel: Ja, das sehen ich auch so. Minuszinsen sind volkswirtschaftlicher Unsinn. Man kann fürs Schuldenmachen nicht noch belohnt werden. Aber das erleben wir im Moment. Daher kann ich über die Bundes- und Europapolitik nur den Kopf schütteln. Schulden machen war noch nie eine Kraftanstrengung. Die setzt erst dann ein, wenn man die wieder zurückzahlen muss. Wir Banken werden im Moment mit Geld überschüttet, das wir zu Strafzinsen bei der Bundesbank anlegen. Auf der Kreditseite nähern wir uns der Nulllinie. Dieses Modell kann nicht dauerhaft funktionieren und für die Banken nicht dauerhaft machbar sein. Entweder wir müssen die Verwahrentgelte weitergeben, oder es gibt wieder andere Margen im Kreditgeschäft.

Niedrige Zinsen führen aber zu einer höheren Eigenheimquote. Ist das auch im Kreis Höxter zu beobachten?

Jens Härtel: Ja, 1:1. Baugebiete sind auch bei uns ganz schnell abverkauft, die Preise steigen auch im Kreis Höxter, wovon das Handwerk gerade sehr profitiert. Den Betrieben geht es nach schweren Jahren in der Mehrzahl gut, und die Preise steigen.

Birger Kriwet: Der Konsum nimmt nach meiner Ansicht durch die niedrigen Zinsen nicht zu, die Investitionen schon. Eigenheime oder Wohnungen werden gekauft oder gebaut, an jeder Ecke stehen ja Kräne. Und das Preisniveau ist nicht ohne.

Was sind die angesagten Standorte im Kreis?

Jens Härtel: Ganz klar der Warburger Bereich, es ist Bad Driburg, es ist Höxter trotz der Ferne zu Oberzentren. Aber wir sehen an fast allen anderen Stellen des Kreises auch, dass dort Preise steigen. Ausnahmen sind nur die ganz abgelegenen dörflichen Lagen.

Birger Kriwet: Die größeren Städte im Kreis Höxter kann man sicher nennen, aber auch, und das kann man wunderbar an der Wertsteigerung der Gebrauchtimmobilien sehen, an den großen Verkehrsachsen im Kreis Höxter: Ostwestfalenstraße, B64, B7, B68. Mit jedem Kilometer, den die Häuser von den Straßen entfernt liegen, sind sie weniger wert. Im Moment erlebt auch Bad Driburg einen Boom. Die Nachfrage aus Paderborn schwappt rüber.

Jens Härtel: Der Zinsmarkt ist als Anlagealternative ist tot. Das führt eben dazu, dass in die Aktien- und Immobilienmärkte investiert wird. Und da sieht man dann Übertreibungen, die unterschiedlich stark ausgeprägt sind – in Berlin und München mehr als in Paderborn.

Aber auch dort geht es jetzt los. 10.000 Euro für einen Quadratmeter Eigentumswohnung in München: Das ist der Preis dafür, dass sich das viele Kapital einen Weg sucht. Und das ist auch ein Grund, warum der Aktien-Markt in Corona-Zeiten so wenig gelitten hat.

Wenn die Zinsmargen für die Banken nicht mehr auskömmlich sind, wovon wollen sie dann in Zukunft leben?

Birger Kriwet: Es gibt ja weitere Einnahmequellen bei Banken zu dem Zinsgeschäft, das etwa zwei Drittel der Einnahmen ausmacht: die Kontogebühren und das, was für die Transaktionen im Zahlungsverkehr fällig wird, sowie die Vermittlungsprovision beispielsweise für Versicherungen oder im Wertpapiergeschäft. Da gibt es im Vergleich zum europäischen Ausland in Deutschland noch Steigerungsraten. Unser Haus hat seit vielen Jahren auch einen Hausverwaltungsservice und erleben dort eine starke Nachfrage, die wir gar nicht decken können. Es gibt eben Kapitalanleger, die sich nicht um die Verwaltung ihrer Wohnungen kümmern wollen. Es gibt aber auch immer mehr Ältere, die das nicht mehr können und auch weitere Services um Haus und Garten nachfragen. Hier gibt es erste Ideen für neue Dienstleistungsangebote.

Jens Härtel: Auch das Thema Verwahrentgelt wird akut werden. Wir können uns als Bank ja nicht dauerhaft von der Realwirtschaft abkoppeln. Dinge, die uns in Rechnung gestellt werden, müssen wir in Teilen weitergeben können. Natürlich müssen wir auch die Preise steigern, aber der Kunde bekommt ja auch ganz andere Leistungen. Die großen Angebote, die mit der Digitalisierung zusammenhängen, gibt es ja nicht umsonst. Bezahlen übers Handy, das elektronische Postfach, Videoberatung – das gibt es nicht zum Nulltarif. Wir tätigen hier enorme Investitionen, und die rechtfertigen irgendwann auch entsprechende Preissteigerungen. Wir planen Beteiligungen, insbesondere im Immobilienbereich, um an Dingen, die wir bislang nur finanzieren, auch anderweitig partizipieren zu können – also Immobilien kaufen, behalten und betreiben. Das würde das Geschäftsmodell der Bank erweitern. Aber auch dies ist nur eine Ergänzung zum Kerngeschäft.

Jens Härtel. Foto: Tanja Köster

Wäre nicht eine stärkere Zusammenarbeit der Banken denkbar, um Kosten zu reduzieren?

Jens Härtel: Das machen wir ja bereits, beispielsweise in Ossendorf oder in der Bad Driburger Südstadt, wo wir gemeinsam Geldautomaten betreiben. Es macht aber nur da Sinn, wo sich beide aus der Fläche zurückziehen. Das ist aber aktuell kein Thema, beide Unternehmen bleiben aber dafür offen. Aber auch solche gemeinsamen Standorte sind immens teuer.

Birger Kriwet: Und immer wieder Thema, wenn Filialschließungen anstehen. Lasst uns wenigstens den Automaten, hört man dann. Wenn man bei den Dorfabenden aber mal die Rechnung aufmacht, was der Betrieb eines solchen Automaten kostet an Investition, Leitungskosten und Logistik im Verhältnis zu den Abhebungen, wird jedem klar, dass das nicht geht.

Jens Härtel: Und wenn wir die Automaten noch gegen nächtliche Sprengungen sichern müssen und zudem noch teure Überwachungstechnik installieren, dann muss man sagen: Man kann nicht jeden Standort im ländlichen Bereich retten. Auch nicht mit SB-Technik.

Birger Kriwet: Corona hat gezeigt, dass Kartenzahlungen zu und Bargeldzahlungen abgenommen haben. Und das ist gut so. Denn auch Bargeld kostet Geld, wenn man es zur Verfügung stellt. Die Sorge vor Automatensprengungen beflügelt das noch. Wir werden auch noch mal alle SB-Standorte auf den Prüfstand stellen. Geldautomaten sind eine Erfindung der 80er Jahre. Aber die Welt hat sich zwischenzeitlich weitergedreht.

Jens Härtel: Ich bin mir sicher, dass die Kunden das verstehen, dass wir sorgsam mit Kosten umgehen müssen, um Preise auf der anderen Seite stabil halten zu können. Wir müssen auch wirtschaften. Und da geht es nicht darum, unsere Boni zu erhöhen. Da haben die Sparkassen und die Volksbanken einen ganz anderen Ansatz. Wir wollen Bankleistungen zu bezahlbaren Preisen vor Ort sicherstellen. Dennoch müssen wir immer wieder auf die Standorte schauen. Das ist eine Daueraufgabe.

Gibt es Pläne für gemeinsame Filialen, die tageweise mal Rot und mal Blau leuchten?

Jens Härtel: Darüber haben wir noch nicht nachgedacht. Aber ich glaube, dass wir es in Zukunft auch mit ganz anderen Kunden zu tun haben, die eine Bankfiliale gar nicht mehr von innen kennen. Ob man jetzt noch mal eine Brückenlösung suchen sollte, weiß ich nicht. Konkrete Überlegungen gibt es jedenfalls nicht. Aber ausschließen will ich das auch nicht. Die Frage, ob es zwei Filialen mehr oder weniger gibt, wird auch nicht darüber entscheiden, ob sich eine Bank im ländlichen Raum weiter halten kann. Die Politik muss wissen, wie sie ein durch den Mittelstand geprägtes Land finanzwirtschaftlich versorgen will. Wir glauben, dass der Mittelstand weiter mittelständische Banken braucht – und das sind wir.

Die Sparkassen-Zentrale in Brakel. Foto: Marius Thöne

Und deshalb muss man an dieser Stelle auch noch einmal auf die ewigen Fusionsgerüchte kommen. Beide haben ja im Paderborner Land große Brüder. Sind Fusionen bei Ihnen Thema?

Birger Kriwet: Nein.

Jens Härtel: Fusion ist für uns auch kein Thema. Und solange wir das finanzwirtschaftlich und aufsichtsrechtlich verantworten können, ist es unser erklärtes Ziel, eigenständig zu bleiben. Wir sind davon überzeugt, dass wir mit einer eigenständigen Sparkasse für die Menschen einfach besser aufgestellt sind.

Mit den Banken wird immer das Thema Sponsoring verbunden. Wie geht es da weiter?

Birger Kriwet: Unsere Crowd­funding-Aktionen, bei denen wir eine Startinvestition und eine Spendenplattform zur Verfügung stellen, ist ein voller Erfolg. Darüber kriegen wir viele Menschen in Bewegung, ganze Dörfer und Kitas. Das läuft deutlich besser als gedacht. Hierfür stellen wir weiter Budgets zur Verfügung, auch Erträge der Gewinnsparer. Wir prüfen jetzt auch Kooperationen mit den Dorfwerkstätten im Kreis Höxter.

Die Vereinigte Volksbank in Brakel. Foto: Marius Thöne

Jens Härtel: Bei uns hilft weiter die Sparkassenstiftung, die wir auch entsprechend ausgestattet haben. Wir initiieren weiter Wettbewerbe, wo auf Vorschlagsbasis ein gewisser Teil der Projekte unterstützt wird. Das ist unsere regionale Verantwortung. Wenn wir das nicht mehr machen, würde vieles im Kreis so nicht stattfinden. Wir geben gemeinsam mit unserer Stiftung immerhin 250.000 Euro pro Jahr. Auch das muss man bedenken, wenn man über die Sinnhaftigkeit eine Regionalbank nachdenkt

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