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Weltbekannte Fotografin vor fünf Jahren erschossen – Dreharbeiten sollen im Herbst starten

ZDF dreht Doku-Drama über Anja Niedringhaus

Höxter (WB). Die weltbekannte Fotojournalistin Anja Niedringhaus ist vor fünf Jahren in Afghanistan erschossen worden. Im Auftrag des ZDF will die Berliner TV-Produktionsfirma Ziegler-Film ein Dokumentationsdrama über das Leben der nur 48 Jahre alt gewordenen Pulitzer-Preisträgerin drehen.

Michael Robrecht

Eine Gedenktafel für Anja Niedringhaus Foto:

Höxter, Afghanistan und die Balkan-Staaten gehören zu den Schauplätzen

Wahrscheinlich ab Herbst sollen die Dreharbeiten beginnen. Schauplätze der Niedringhaus-Biografieverfilmung sind Höxter, Afghanistan, die Balkan-Staaten und Originalschauplätze, die sie während ihrer Arbeit als Sport- und Kriegsfotografin besucht hat. Eine Sprecherin von Ziegler-Film bestätigte gestern dem WESTFALEN-BLATT, dass das Leben von Anja Niedringhaus zu einem Filmprojekt werden solle. Inhaltlich beteiligt ist auch das ZDF. Einen Sendetermin gibt es noch nicht.

Zurzeit ist Anja Niedringhaus wieder in aller Munde: Die Planungen für das »Forum Anja Niedringhaus« sind vielversprechend. 2017 hat sich in Höxter der Verein »Forum Anja Niedringhaus – Verein für künstlerische und journalistische Fotografie« gegründet mit dem Ziel, im Tilly-Haus Höxter einen Ort zur Erinnerung an die Cheffotografin zu schaffen.

Anlässlich des fünften Todestages von Anja Niedringhaus am 4. April ehrt das »Käthe Kollwitz Museum Köln« die Pulitzer-Preisträgerin mit einer groß angelegten Einzelausstellung bis zum 30. Juni. Diese erste große posthume Retrospektive präsentiert mit über 80 großformatigen Aufnahmen ein Gesamtwerk, das die in Afghanistan ermordete Fotografin bereits zu Lebzeiten zur Ikone werden ließ. Im Auftrag von Nachrichtenagenturen wie der amerikanischen Associated Press (AP) entstanden legendäre Aufnahmen, die die weltweit wichtigsten Magazine und Zeitungen auf ihren Titelseiten druckten.

Bis zum 10. Juni: Ausstellung »Fotografinnen an der Front« in Düsseldorf

Im »Museum Kunstpalast« in Düsseldorf läuft seit einigen Tagen bis zum 10. Juni die weitere Ausstellung »Fotografinnen an der Front.­ Von Lee Miller bis­ Anja Niedringhaus«. Entgegen der weitläufigen Vorstellung, die Kriegsfotografie sei ein von Männern dominiertes Berufsfeld, gibt es eine lange Tradition von in Kriegsgebieten tätigen Fotografinnen. Sie haben mit derselben Selbstverständlichkeit, wie ihre männlichen Kollegen, weltweite Krisen dokumentiert und das Bild vom Krieg mitgeprägt. Die Ausstellung präsentiert 140 Arbeiten von acht Fotografinnen; vertreten sind Carolyn Cole (*1961), Françoise Demulder (1947–2008), Catherine Leroy (1944–2006), Susan Meiselas (*1948), Lee Miller (1907–1977), Anja Niedringhaus (1965–2014), Christine Spengler (*1945) und Gerda Taro (1910 –1937). Unter den Aufnahmen finden sich Einblicke in den Kriegsalltag und Zeugnisse von Gräuel.

Namhafte Schauspieler könnten Niedringhaus’ Lebensereignisse nachstellen

»Bilder als Aufschrei – Die letzten Fotos der Anja N.« lautet der Arbeitstitel für das ZDF-Filmprojekt. Die bekannte Drehbuchautorin Sonya Winterberg und ihr Mann Juri schreiben in Kooperation mit Ziegler-Film am Drehbuch. Ziegler hat auch die TV-Serie »Weißensee«, das Dokudrama »Gladbeck« und den Udo-Jürgens-Mehrteiler »Der Mann mit dem Fagott« produziert. Namhafte Schauspieler könnten die Lebensereignisse von Anja Niedringhaus nachstellen: aufgewachsen am Ziegenberg in Höxter, Abi am König-Wilhelm-Gymnasium 1986, lokaljournalistische Gehversuche im Kreis Höxter, Studium, Jobs als Fotografin für Agenturen und Printmedien, Auslandseinsätze im Krieg in Bosnien, Golfkrieg an vorderster Front bei US-Soldaten, Afghanistan und Irak, aber auch Sportereignisse wie Tennis in Wimbledon oder Olympia .

In Höxter soll es im Frühsommer eine Veranstaltung zur TV-Doku geben

Dokumentarmaterial, Videos und Niedringhaus-Fotos werden in den Film neben den Spielszenen einbezogen. In einem Interview für »Artefakt Kulturkonzepte« im Rahmen der Köln-Ausstellung hat Sonya Winterberg erstmals über das Filmprojekt konkrete Details preisgegeben und über Interviews und von Vorgesprächen zu Niedringhaus berichtet. In Höxter soll es im Frühsommer zur TV-Doku eine Veranstaltung geben. Das WESTFALEN-BLATT hatte das Ziegler-Filmprojekt 2017 erstmals angekündigt.

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