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Hausnummer 19: Im Dorfentwicklungsmuseum in Ottbergen wird Geschichte des Ortes eindrucksvoll dargestellt

Zeitreise führt durch 150 Jahre

Ottbergen (WB)

Dietmar Barkhausen sinniert über einem alten Schulatlas aus den 60er-Jahren. Eine Reihe dahinter sitzt Katrin Hanewinkel-Hoppe in einem kleinen Schulstuhl und schaut angestrengt auf die Schultafel. In dem Klassenraum ist die Zeit stehengeblieben.

Jürgen Drüke

Es war einmal: Eisenbahner Dietmar Barkhausen präsentiert in ehemaliger Uniform einen Teil des früheren Ottberger Bahnhofs. Foto:

Wir befinden uns im Dorfentwicklungsmuseum der Bahnhofstraße 19 in Ottbergen. In dem noch einzig verblieben Gebäude auf dem Bahnhofsgelände geht die Zeitreise bis zu den Anfängen der ersten Neueinwohner Ottbergens zurück. „Um 1870 haben bei uns immer mehr Eisenbahner aus ganz Deutschland eine neue Heimat gefunden. Das Dorfentwicklungsmuseum stellt das und die Geschichte der Ortschaft, die lange von der Eisenbahn geprägt worden ist, da“, berichtet Dietmar Barkhausen. Ottbergen sei ein klassisches Eisenbahnerdorf gewesen.

„Wir sind stolz darauf, was im Museum in nicht einmal zehn Jahren entstanden ist“, heben Karin Hanewinkel-Hoppe und Dietmar Barkhausen von der Ottberger Bahnhofsinitiative hervor. In dem ehemaligen Kantinengebäude des Bahnhofs ist die Geschichte des Ortes zusammengetragen worden. Hanewinkel-Hoppe und Barkhausen gehören in dem aktuell 1500 Einwohner zählenden Dorf zu den Motoren, die für die Renovierung des noch vor einigen Jahren ziemlich maroden Bahnhofs sowie die Entwicklung des Museums stehen. Besucher zeigen sich von der Geschichte Ottbergens immer wieder beeindruckt. Der alte Bahnhof ist bereits vor der Entstehung des Museums renoviert worden und gehört inzwischen zu den schönsten Kleinbahnhöfen in Deutschland.

Die Zeit ist stehengeblieben: Karin Hanewinkel-Hoppe und Dietmar Barkhausen erinnern sich an ihre Schulzeit. Foto: Jürgen Drüke

Die Bahnhofsgeschichte, die Entwicklung der Kirchengemeinden, der Schulen, der Kindergärten und der Landwirtschaft von Ottbergen werden in fünf Themenräumen dargestellt. „Ehemalige und aktuelle Ottberger Betriebe werden demnächst in einem sechsten Raum abgebildet“, verrät Kreisoberverwaltungsrätin Karin Hanewinkel-Hoppe, die bei der Kreispolizeibehörde in Höxter arbeitet.

Die Zeitreise hat in den vergangenen Jahren bereits viele Besucher ins Museum gelockt. „2020 waren Besuche aufgrund der Corona-Pandemie allerdings nicht möglich“, führt Dietmar Barkhausen aus. Der Ottberger hat jahrzehntelang bei der Deutschen Bahn unter anderem als Dienststellenleiter in Köln und Dortmund gearbeitet und „wird immer Eisenbahner aus Leidenschaft“ bleiben.

Die Helferinnen und Helfer der Bahnhofsinitiative Ottbergen haben die Räume der ehemaligen Kantine mit viel Liebe zum Detail renoviert und hergerichtet. Das Museum ist ein Anziehungspunkt und normalerweise von April bis Ende September jeweils sonntags geöffnet. An den Tischen und Stühlen der 50er-Jahre können Gäste hier Kaffee trinken und Kuchen essen, bevor die Zeitreise beginnt.

„Wir setzen auf die Wirkung des Impfstoffs und des Lockdowns“, wollen Barkhausen und Hanewinkel-Hoppe die Eingangstür in der Bahnhofstraße 19 im Sommer 2021 wieder öffnen. „Es ist nicht nur etwas Besonderes, wenn wir in diesem kleinen Klassenzimmer sitzen“, stellt Karin Hoppe-Hanewinkel heraus und schreibt mit einem Griffel auf einer Schiefertafel „Schule anno dazumal“.

Heute halten auf dem renovierten Bahnhof in Ottbergen regelmäßig Züge. Foto: Jürgen Drüke

„Vor mehr als 150 Jahren sind die ersten Eisenbahner hierher gekommen. Ottbergen war vorrangig für den Güterverkehr ein Knotenpunkt“, blickt Dietmar Barkhausen stolz zurück und bereits wieder voraus: „Wir planen Schlafräume im Obergeschoß des Museums. Hier können dann Radfahrer übernachten.“

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