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Kreativ im Lockdown: Christa Rode modelliert mit Hilfe ausgedienter WESTFALEN-BLATT-Ausgaben ein Kamel

Zeitung ist nicht nur zum Lesen gut

Höxter (WB)

Das WESTFALEN-BLATT kann gute Dienste leisten: nicht nur zum Lesen, sondern auch in kreativer Zweitverwertung.

Sabine Robrecht

Christa Rode in ihrem Kreativzimmer mit Hakim und seinem „kleinen Bruder“ aus der familieneigenen Krippe. Das selbst modellierte Kamel ist leichter als es den Anschein hat. Foto: Sabine Robrecht

So griff Christa Rode, treue Leserin seit 40 Jahren, zu den Ausgaben der Vortage, um einem Kamel Gestalt zu verleihen. Auf seinem Körper konnte man manch interessanten Artikel lesen. Denn das selbst modellierte „Haustier“ ist nicht gerade klein. Inzwischen trägt es aber die arttypische braune Farbe. Mit dem Zeitungslesen auf seinem Rücken ist jetzt also Schluss. Trotzdem zieht das Kamel bewundernde Blicke auf sich.

Montageschaum und Pappmaché aus WESTFALEN-BLATT-Papier und Kleister – mit diesen Materialien hat die einfallsreiche Höxteranerin das liegende Wüstentier gestaltet. Ausgebremst durch die Kontaktbeschränkungen, wollte die sonst so aktive Rentnerin die viele Zeit im Lockdown kreativ ausfüllen. Eines Abends kurz nach Weihnachten blieb ihr Blick auf der familieneigenen Krippe, speziell auf dem Kamel im Ensemble der Figuren, haften. In der Zeitung las sie dann Mitte Januar, dass Autorin Dorothea Schmidt aus Lothe ein Buch über das Upcycling von Zeitungspapier zu Körben geschrieben hat. „Von da an ist die Idee in meinem Kopf gewachsen“, sagt Christa Rode.

Die 69-Jährige dachte, als ihr das Kamel als neues Kreativ-Projekt vorschwebte, auch an die Weihnachtskrippe in der Nikolaikirche in Höxter. Sieben Jahre lang hat sie sie mit aufgebaut. Das jetzige Krippenteam hätte bei den Figuren gerne ein Kamel dabei. Gut möglich, dass das selbst gemachte Tier aus dem Hause Rode zu Weihnachten 2021 in die Kirche umzieht.

Auf eine stimmige Größe hat Christa Rode jedenfalls geachtet: „Die Krippenfiguren für die Kirche sind um die 80 Zentimeter groß“, sagt sie. „Da kann das Kamel natürlich kein Schoßhündchen sein.“ Weil es stehend die Szenerie zu sehr dominieren würde, hat die kreative Höxteranerin es liegend modelliert – und wich damit vom Vorbild, dem kleineren Kamel in der familieneigenen Krippe, ab. Denn dieses steht.

Trotzdem sehen sich beide ähnlich. Und der große „Bruder“ hat sogar einen Namen: Hakim. „Ich lese gerade ein Buch, in dem dieser Name vorkommt. Er klingt orientalisch und passt daher zu unserem Kamel“, sagt Christa Rode und lächelt. Sie schaut gerne auf die Zeit zurück, in der Hakim Gestalt annahm. Im Internet machte sie sich zunächst schlau, wie ein Kamel liegt. Dann schnitt sie eine Styroporplatte entsprechend zurecht. Aus Montageschaum und schließlich aus Pappmaché entstand dann nach und nach das liegende Kamel.

Das alles war natürlich nicht im Handumdrehen gemacht. Als Christa Rode den Eindruck hatte, dass der Hals zu kurz war, schnitt sie ihn kurzerhand durch und arbeitete ein Zwischenstück ein. Im „Zeitungsgewand“ trocknete das fertige Tier dann ein paar Tage am Kachelofen. Dann kamen die Farbanstriche für den Körper, den schwarzen Sattel und die rote Satteldecke. Sattel und Decke waren mal Zeitungspapier. Detailverliebt wie sie ist, verzierte die Höxteranerin den Sattel schließlich mit Modelliermasse mit Knopfabdruck. Und so liegt er nun da, Hakim, der neue Hausgenosse der Familie Rode. „Ich bin stolz auf ihn“, strahlt Christa Rode. Ehemann Karl-Heinz freut sich mit ihr.

Ihre Kreativität hat eine große Bandbreite. Überall im Haus hängen Bilder der ambitionierten Hobbykünstlerin. Mit selbst gestalteten Aquarellkarten macht sie Freunden und Bekannten eine besondere Freude. Denn diese Gruß- und Glückwunschkarten haben eine persönliche Note, die zu Herzen geht.

Das gilt auch für die Ostereier, die Christa Rode mit ruhiger Hand und künstlerischem Schliff bemalt. Blumen, Vögel und sogar das karolingische Westwerk der ehemaligen Benediktinerabtei Corvey gehören zu den Motiven auf den ausgeblasenen Gänseeiern. „Wenn ich mir einen Film anschaue, bemale ich nebenbei gern Ostereier“, verrät sie. So verstreichen Mußestunden nicht untätig.

Die Schaffensfreude der agilen Höxteranerin ist unerschöpflich – nicht nur zu Ostern. Besonders gern greift Christa Rode auf Materialien zurück, die „einfach da sind“. Holz zum Beispiel. Für Tischdeko-Figuren kann sie es immer gut gebrauchen. Diese Raffinesse gibt die 69-Jährige mit großer Leidenschaft an ihre Enkelkinder weiter. Wenn sie zu Besuch sind, wird gebastelt. Und mit Hakim, dem friedlichen Haustier der Großeltern mit zwei Höckern, haben die Kinder längst Freundschaft geschlossen.

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