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Afrikanische Mädchen wurden im St.-Ansgar-Krankenhaus kostenlos behandelt

Zurück nach Hause – fast gesund

Höxter (WB). Paula und Juliana können wieder lachen. Die beiden angolanischen Mädchen wurden in den vergangenen sechs Wochen im St.-Ansgar-Krankenhaus behandelt – jetzt fahren sie zurück nach Oberhausen in das Friedensdorf International. Von dort aus geht es im Frühjahr zurück in ihre Heimat.

Paula (links) und Juliana spielen am liebsten mit Puppen. Schwester Andrea hat sich im Spielzimmer auf der Kinderstation möglichst häufig Zeit für die beiden Mädchen genommen. Im Frühjahr werden die beiden zurück in ihre Heimat reisen. Foto:

Beide hatten schwere Verletzungen, die in ihrem Heimatland nicht behandelt werden konnten. Paula wurde am Knie operiert, Juliana am Ellenbogen. Dr. Heiner Gellhaus, Chefarzt der Unfallchirurgie im St.-Ansgar-Krankenhaus, berichtet: »Die Kinder hatten lang bestehende Infektionen des Knochens.

Um eine Heilung oder zumindest einen ruhenden Zustand der Infektion zu erreichen, ist die operative Entfernung nicht mehr vitalen Knochengewebes erforderlich. Dadurch entstehende Defektbildungen müssen entsprechend stabilisiert werden. So ist ein Erhalt der betroffenen Extremität möglich, obwohl eine dauerhafte Behinderung nicht immer abgewendet werden kann, insbesondere wenn Gelenke betroffen und durch die Infektion zerstört worden sind.«

Immer wieder helfen Dr. Heiner Gellhaus, sein Team und die Kollegen der Pädiatrie um Chefarzt Dr. Volker Klimpel Kindern aus dem Friedensdorf. Bereits 39 Namen finden sich im Oberhausener Computer unter dem Eintrag »St. Ansgar«. Sie gehören Kindern, die wie Paula und Juliana aus Angola kommen, andere aus Afghanistan oder Usbekistan.

Sie alle haben gemeinsam, dass man ihnen in ihren krisengeschüttelten Heimatländern nicht helfen konnte. Die Katholische Hospitalvereinigung Weser-Egge (KHWE) ermöglicht seit Jahren die kostenlose Behandlung im Haus. »Obwohl die finanziellen Ressourcen im Gesundheitswesen überall immer knapper werden, ist es uns dennoch wichtig, einen humanitären Beitrag für diese Kinder zu leisten, die ohne unsere Hilfe keine Chance auf ein menschenwürdiges Leben hätten«, sagt Stefan Kruse, Verwaltungsleiter des St.-Ansgar-Krankenhaus. »Diese einzigartige Erfahrung mit den zu behandelnden Kindern führt uns auf der einen Seite die gesellschaftliche Verantwortung vor Augen, sie zeigt uns aber jedes Mal auf’s Neue, wie viel Freude Kinder zurückgeben.«

Schwester Andrea Granger hat sich intensiv um die beiden Mädchen gekümmert: »Die Belastungen für Paula und Juliana waren enorm, besonders in den ersten Tagen ihres stationären Aufenthalts«, sagt sie und meint damit nicht nur die Schmerzen, die die Kinder haben: »Sie sind getrennt von ihren Familien und sehnen sich nach den Eltern und den Geschwistern. Das ist eine extreme Situation«, erklärt die Schwester, die seit 20 Jahren im St. Ansgar arbeitet und die Kooperation zwischen der Katholischen Hospitalvereinigung und dem Friedensdorf International mit betreut.

Sie freut sich, dass Paula und Juliana und das Team der Kinderstation die gemeinsame Zeit intensiv nutzen konnten, um Vertrauen zueinander aufzubauen. »Die Sprachbarrieren waren riesig. Die beiden sprechen weder Deutsch noch Englisch, und wir können kein Portugiesisch.« Also sei man in den ersten Tagen froh gewesen, Hunger, Durst, Schmerzen oder »Pippi« schnell und richtig zu erkennen. Hilfe gab es zudem von Ehrenamtlichen, die zum Puzzeln und Puppenspielen kamen.

»Die beiden sind sehr tapfer gewesen.« Andrea Granger ist stolz auf die afrikanischen Mädchen, die ihren Aufenthalt hier sehr gut gemeistert haben. Sie ist aber auch traurig, dass Paula und Juliana die Station verlassen, denn sie sind ihr ans Herz gewachsen. »Wir hoffen alle, dass Paula und Juliana eine glückliche Zukunft haben«, sagt die Schwester.

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