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Stadt Marienmünster ist laut Regionalforstamt Spitzenreiter bei der Aufforstung – neue Maßnahmen am Hungerberg und im Masterholz

Dem Wald wird neues Leben eingehaucht

Marienmünster

Dürre, Borkenkäfer, sinkende Holzpreise – wenn in politischen Gremien über die Stadtwälder gesprochen wird, bestimmen zumeist negative Themen die Diskussion. Doch es gibt auch gute Nachrichten in schweren Zeiten. Beispielsweise diese: Die Stadt Marienmünster ist laut Regionalforstamt kreisweit ein echtes Vorbild in Sachen Aufforstung. 35 von insgesamt 50 Hektar Freifläche sollen bis Ende 2021 aufgeforstet oder verjüngt sein.

Dennis Pape

Freuen sich über die Bereitschaft zur großen Aufforstung in Marienmünster: Die Förster Matthias Berndt und Imke Lampe. Foto: Dennis Pape

„Marienmünster ist Aufforstungsspitzenreiter bei den Kommunen, die wir betreuen. Die Stadt ist auch vielen privaten oder anderen Forstbetrieben weit voraus“, sagte Matthias Berndt, im Gespräch mit dem WB. Auch in der jüngsten Ratssitzung am Mittwochabend dankte der Fachgebietsleiter Privat- und Kommunalwald im Regionalforstamt der Politik für ihr Engagement, dem Stadtwald möglichst schnell und umfangreich neues Leben einzuhauchen. „Das ist ein starkes Signal für die Zukunft unseres Waldes“, betonte er. Sollte alles nach Plan laufen, blieben ab dem Jahr 2022 von ehemals 50 Hektar Freifläche lediglich noch 15 Hektar zur Wiederbewaldung.

Hintergrund: Der Rat hatte vor etwa zwei Jahren bei der Vorstellung des Forstwirtschaftsplanes einen ebenso spontanen wie einstimmigen Beschluss gefasst, in den kommenden Jahren deutlich mehr Geld für Aufforstungen in die Hand zu nehmen, als das Forstamt zunächst veranschlagt hatte – das kam nicht nur bei den Förstern gut an, sondern sorgte in jüngster Vergangenheit bereits für einige erfolgreiche Maßnahmen.

So seien laut Matthias Berndt bislang bereits 19,5 Hektar Marienmünsteraner Stadtwald aufgeforstet worden (das WB berichtete von einer Aktion im Hainholz am 14. November 2019) – weitere 4,5 Hektar stehen im Aufforstungsplan 2021. Ebenso gehen die Verantwortlichen von etwa fünf Hektar selbstständiger Naturverjüngung bis Ende des Jahres aus.

Die Aufforstungsprojekte für 2021 stellte Imke Lampe, Revierförsterin im Bereich Steinheimer Börde, vor: Demnach sollen im Bereich des Hungerberges 1000 Stieleichen, 1500 Rotbuchen und 2050 Douglasien gepflanzt werden. „Inklusive einer Einzäunung der Stieleichen sowie der Flächenvorbereitung belaufen sich die Kosten für diese Maßnahme auf 14.400 Euro“, berichtete die Försterin. Das Forstamt bemühe sich derzeit um eine Förderung, die etwa 5000 Euro betragen könnte – den verbleibenden Eigenanteil von etwas mehr als 9000 Euro trägt die Stadt.

Ein weiteres Projekt sei im Masterholz vorgesehen: Dort sollen nach den Planungen des Forstamtes 1350 Rotbuchen, 850 Spitzahorn, 1000 Weißtannen und 950 Lärchen gesetzt werden. Inklusive Zaun für Weißtanne und Spitzahorn sowie die Vorbereitung der Flächen würden sich die Kosten auf 16.800 Euro belaufen. Auch hier bemühe sich das Regionalforstamt um eine Förderung in Höhe von 4800 Euro.

„Die Holznutzung wird in den kommenden Jahren nicht im Vordergrund stehen – diesbezüglich wird es zunächst einmal eine Durststrecke geben, weil in die Zukunft des Waldes investiert werden muss“, sagte Matthias Berndt mit Blick auf den Forstwirtschaftsplan 2021, der vom Rat einstimmig verabschiedet und in den städtischen Haushalt aufgenommen worden ist. Der sieht im Produkt Stadtwald damit bei 31.500 Euro Erträgen und Aufwendungen in Höhe von 96.900 Euro ein Ergebnis von minus 65.400 vor. Auch das Betriebsergebnis aus dem Jahr 2019, das dem Rat ebenfalls am Mittwoch vorgelegt worden war, zeichnete ein deutliches Negativ-Ergebnis aus: minus 84.600 Euro.

Ähnliche Resultate seien auch in den Folgejahren zu erwarten, was wiederum den Bogen zu Dürre, Borkenkäfer und sinkenden Holzpreisen spannt: Laut Regionalforstamt habe es von 2018 bis 2020 auf 10.000 Kubikmetern schwere Schäden durch Stürme gegeben und sogar noch mehr als weitere 10.000 Kubikmeter durch den Borkenkäfer. Bei den aktuellen Fichtenresten seien etwa vier Hektar zum Teil befallen und erntefähig, weitere fünf Hektar seien „stehendes dünnes Totholz“. Deutlich gesunken seien derweil die durchschnittlichen Erlöse aus der Selbstwerbung (alle Sortimente) auf mittlerweile lediglich noch fünf Euro pro Festmeter. „Dünne Fichtenbestände sind überhaupt nicht kostendeckend zu ernten, weil dünnes Fichtenholz auf dem Markt nur begrenzt absetzbar ist“, erläuterte Matthias Berndt darüber hinaus.

Politik und Verwaltung sicherten dem Regionalforstamt nicht nur deshalb ihre Unterstützung in Sachen Aufforstungen weiter zu.

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