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Pflegefachkraft: Meggy Bicker und Leon Schlepper gehören zu den ersten Auszubildenden im Kreis Höxter

Ein Beruf mit viel Verantwortung

Marienmünster-Kol...

Morgens geht es los auf die Tour durch den Nordkreis Höxter. Zehn bis fünfzehn Klienten werden täglich angefahren. Ihre Arbeit macht es möglich, dass die Patienten ihr gewohntes Leben in den eigenen vier Wänden weiter führen können.

Ralf Brakemeier

Ausbildungskoordinatorin Sophie Meyer (links) betreut Meggy Bicker und Leon Schlepper. Beim Pflegedienst Jung & Alt in Kollerbeck sind die beiden die ersten Auszubildenden im neuen generalistischen Berufsfeld der Pflegefachkraft. Foto: Ralf Brakemeier

Meggy Bicker und Leon Schlepper gehören zu den ersten jungen Menschen, die die neue Ausbildung als Pflegefachfrau und -mann absolvieren. Hier werden die vormals getrennten Ausbildungen zur Krankenschwester (-pfleger), Altenpfleger(in) und Kinderkrankenpfleger(in) zusammen gefasst. Der generalistische Ansatz ermöglicht es den jungen Menschen, sich nach der Ausbildung frei aus einer großen Zahl an Pflegeberufen auswählen zu können.

Positive Erfahrungen

Die neuen Azubis beim Pflegedienst Jung & Alt haben sich bewusst für die Ausbildung im Ambulanten Bereich entschieden. Meggy Bicker hat nach dem Realschulabschluss noch das Fachabi am Berufskolleg Brakel erworben. Schon zu Schulzeiten hat sie sich für soziale und gesundheitliche Berufe interessiert, auch ein Praktikum in einem Krankenhaus absolviert. „Meine Mutter arbeitet auch bei Jung & Alt, und von ihr habe ich nur Gutes gehört“, begründet die 18-Jährige ihre Entscheidung, die Ausbildung in Kollerbeck zu beginnen. Bisher sind ihre Erfahrungen durchweg positiv. „Mir gefällt vor allem die direkte 1:1-Betreuung der Patienten“, sagt Meggy Bicker. Professionalität sei im Umgang mit den Klienten dennoch wichtig, auch wenn sich zum Teil über Jahre ein persönliches Verhältnis entwickele. Gemeinsam mit einer examinierten Fachkraft helfen die Auszubildenden den Menschen, trotz Beeinträchtigungen durch Alter, Behinderung oder Unfall, ein weitgehend eigenständiges Leben zu führen.

Nur wenige Männer

Das sei jeden Tag viel Arbeit und auch eine große Verantwortung, berichtet Leon Schlepper. Der 20-Jährige gehört zu den wenigen Männern, die sich für den Pflegeberuf entscheiden. „Bei uns ist etwa jeder achte Mitarbeiter ein Mann“, zählt Thomas Knopf, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit des Pflegedienstes, der neben der Ambulanten Pflege auch Betreuungs- und Sozialen Dienst anbietet und ein Beratungsbüro in Steinheim sowie zwei Tagespflegen in Kollerbeck und Nieheim betreibt, auf. Ebenso wie die Schwalenbergerin Meggy hat auch Leon, der aus Falkenhagen (Lügde) kommt, aus seinem persönlichen Umfeld von der qualifizierten Ausbildung und den guten tariflichen Verdienstmöglichkeiten gehört. „Dass der Pflegebereich etwas für mich ist, habe ich schon bei der Betreuung meiner Großeltern gemerkt“, sagt der 20-Jährige, der ebenfalls nach Realschulabschluss und Fachabi zu der neuen Ausbildung als Pflegefachmann gekommen ist.

Pflege von A bis Z

Neben der regulären Pflegetour lernen Meggy und Leon zum Beispiel bei Spät- und Wochenenddiensten auch andere Patienten kennen. Manchen benötigen nur ab und an Hilfe beim Duschen oder beim Anziehen der Kompressionsstrümpfe, andere müssen komplett gewaschen und verpflegt werden, bekommen Verbände gewechselt, Medikamente gereicht oder Insulin gespritzt. So wechseln die Einsatzzeiten am Patienten zwischen zehn Minuten und mehr als einer Stunde – und das zum Teil drei- bis viermal am Tag. Thomas Knopf: „Unser Einsatz endet erst bei Beatmungspatienten, sonst versuchen wir, wenn gewünscht, die betreuten Personen so lange es geht in ihrem häuslichen Umfeld zu versorgen.“ Um das zu gewährleisten, bietet Jung & Alt auch einen Betreuungsdienst an, der sich mit den Patienten außerhalb der Pflege beschäftigt, sich unterhält, Gesellschaftsspiele spielt, beim Einkauf oder bei Fahrten zum Arzt unterstützt. Weitere Möglichkeiten bieten die Tagespflegen, wo die Patienten tagsüber stationär betreut werden. Zwischen 460 und 480 Patienten, vorwiegend aus dem Nordkreis Höxter, werden so insgesamt versorgt.

Breite Ausbildung

Die Ausbildung zur Pflegefachkraft beginnt immer mit dem Orientierungseinsatz. Dieser wird in dem jeweiligen Ausbildungsbetrieb durchgeführt. In so genannten Pflichteinsätzen werden dann auch andere Stationen, wie die stationäre Altenpflege, die Akutstation im Krankenhaus, Psychiatrie oder Pädiatrie (Kinderheilkunde) durchlaufen. Den umfangreichen Theorieteil (2100 Stunden) absolvieren Meggy Bicker und Leon Schlepper im Bildungszentrum der Katholischen Hospitalvereinigung (KHWE) in Brakel. Die KHWE schickt umgekehrt einen Teil ihrer Azubis zum Erwerb von Praxiswissen in der Ambulanten Pflege zu Jung & Alt. Azubi Leon hat sich auch bereits mit der Möglichkeit eines ergänzenden oder sich anschließendem Studiums beschäftigt: „Mit dem ‚Bachelor of arts and healthcare‘ ergeben sich weitere Möglichkeiten.“

Ein Kommentar von Ralf Brakemeier

In der Ambulanten Pflege bleibt der Bedarf groß und wird, bedingt durch den demografischen Wandel, im Laufe der Jahre eher noch größer. Ein Beruf in diesem Bereich ist krisensicher und wird – entgegen der landläufigen Meinung – gut bezahlt. Pflege bleibt aber auch ein Knochenjob für Körper und Geist. Die Verantwortung ist hoch, die emotionale Belastung durch sterbende Patienten oder Demenzkranke enorm. Zudem wird in der Pflege viel in Teilzeit, manchmal auch in Wechselschichten gearbeitet. Die neue generalistische Ausbildung eröffnet jungen Menschen die Möglichkeit, sich aus einer Vielzahl von Feldern zu entscheiden und auch im späteren Berufsleben zu wechseln – übrigens auch in andere EU-Staaten.Die Dankbarkeit der Patienten, das persönliche Verhältnis und das Wissen, einen wirklich wichtigen Dienst zu leisten, stehen auf der Habenseite.

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