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Königstraße 23: Hitzige Debatte um Denkmalwert – Stadt muss Beanstandung des politischen Beschlusses prüfen

Fachwerkhaus soll nicht geschützt werden

Marienmünster-Bre...

Das Fachwerkhaus in der Königstraße 23 in Bredenborn soll nicht in die Denkmalliste der Stadt Marienmünster aufgenommen werden – das hat der Hauptausschuss, der in der Pandemie den Rat vertritt, beschlossen. Die Verwaltung ist damit wiederum gezwungen, zu prüfen, ob dieser Beschluss beanstandet werden muss. Aus ihrer Sicht werde eine Unterschutzstellung nicht zu verhindern sein.

Dennis Pape

Das Fachwerkhaus in der Königstraße 23 in Bredenborn sorgt derzeit für Diskussionen – im Ort selbst und in den politischen Gremien. Foto: Dennis Pape

Bauamtsleiter Stefan Niemann machte in der Sitzung am Mittwoch ein ums andere Mal deutlich, dass es an diesem Abend nur darum ginge, ob die Politik das Objekt in die Denkmalliste aufnimmt oder nicht. „Das ist der erste Schritt. Der Umfang des einzutragenden Denkmals ist unabhängig vom Zustand. Auch geht es heute nicht um finanzielle Erwägungen. Erst in der zweiten Stufe, die hier noch kein Thema sein kann, geht es unter Berücksichtigung der finanziellen Möglichkeiten des Eigentümers um eine mögliche Nutzung, Pflegemaßnahmen, aber auch eine potenzielle Löschung aus der Liste oder einen Abriss“, so Niemann.

Beanstandung

Stufe eins sei zunächst nötig, um den Denkmalstatus für die Nachwelt zu dokumentieren. Niemann weiter: „Nach dem Gutachten des zuständigen LWL-Amtes kann niemand mehr bestreiten, dass es ein Denkmal ist. Die Politik hat laut Denkmalschutzgesetz sogar die Verpflichtung, es anzuerkennen. Wenn Sie es nicht machen, macht es die Obere Denkmalbehörde auf der Grundlage des selben Gutachtens – es dauert nur länger und bedeutet noch mehr zeitlichen und vielleicht auch finanziellen Aufwand für den Eigentümer, der das Gebäude gerne abreißen möchte.“ Die Stadt sei nun gezwungen – und das unabhängig einer eigenen Einschätzung – eine Beanstandung des Beschlusses zu prüfen. Ein Ergebnis werde Anfang nächster Woche erwartet, teilte die Verwaltung am Tag nach der Sitzung auf Anfrage des WESTFALEN-BLATTES mit.

Positionen der Politik

Die Fraktionen wiederum ließen sich am Mittwochabend davon keineswegs beeindrucken und stellten sich vehement gegen die Unterschutzstellung. Deutlich positionierte sich zunächst Hermann Müller von der CDU: „Diese Aktion ist der Hammer. Ein Mitbürger will ein baufälliges Objekt abreißen und wir sollen es nicht zulassen? Die psychische Belastung für ihn ist groß – und das geschieht dann alles im Namen des Gesetzes? Dann ist die Gesetzgebung falsch. Für unsere Entscheidung nehmen wir eine Rüge gerne in Kauf.“ Josef Wolff (UWG) fügte hinzu: „Die Stadt hat es bis jetzt nicht geschafft, das Haus unter Denkmalschutz zu stellen. Jetzt, wo das ruinöse Objekt abgerissen werden soll, kommt der Amtsschimmel? Hier läuft das Gesetz ins Leere.“ Sybille Mocker-Schmidt (SPD) betonte: „Wir gewinnen nichts, wenn wir dem Eigentümer eine Schrottimmobilie aufzwingen.“ Und für die WGB bezeichnete Markus Wellbrink das Vorgehen als starken Eingriff in das Eigentumsrecht: „Die Zukunft des Ortes hängt nicht von diesem Haus ab. Im Gegenteil: Ein Abriss ist deutlich besser als eine langjährige Bauruine. Wenn wir hier nicht eingreifen – was sollen wir als Politik dann überhaupt noch bestimmen?“ Denkmalschutz könne nur im Einvernehmen mit Eigentümern funktionieren, so die einhellige Meinung. Obwohl Stefan Niemann auf die Frage von CDU-Mann Elmar Krüger, welcher Weg der schnellste zu einem Abriss wäre, mit „Tragen Sie es in die Liste ein“ beantwortete, blieb die Politik bei ihrer Linie und versagte die Zustimmung.

Der Eigentümer selbst musste die Sachlage am Donnerstag im Telefonat mit dem WB zunächst einordnen: „Wir werden die Situation nach dem politischen Beschluss erst einmal analysieren“, sagte er.

Kommentar von Dennis Pape

Politik und Verwaltung kommen in der Diskussion um den Status des Fachwerkhauses Königstraße 23 nicht auf einen Nenner – dabei scheinen eigentlich beiden die Hände gebunden zu sein: Die zuständigen Stellen haben dem Objekt die Denkmaleigenschaft bereits bescheinigt.

Ungeachtet des Beschlusses, das Haus nicht in die Denkmalliste aufzunehmen, deutet alles darauf hin, dass es dennoch ein Denkmal wird – hört sich komisch an, ist aber so. Warum also noch die Debatte? Warum nimmt die Politik in Kauf, gegen das Denkmalschutzgesetz zu verstoßen? Es ist durchaus nachzuvollziehen, dass sich die Fraktionen vom Gesetzgeber übergangen fühlen und deshalb ein Zeichen setzen wollen. Sie sehen im Objekt keinen Mehrwert für die Allgemeinheit und wollen ihre Position – so scheint es zumindest – mit einem „Protest-Beschluss“ nachdrücklich festigen. Ob dieser wirklich an den richtigen Stellen ankommt, darf zumindest in Frage gestellt werden. Ebenso, ob er dem Eigentümer wirklich helfen oder sogar schaden könnte.

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