Runa und Frank Lechtenberg haben die kleine Eule zur Wildvogelauffangstation nach Essentho gebracht

Waldkauz aus Born ist wohlauf

Born/Marsberg

Dem kleinen Waldkauz, der in der vergangenen Woche bei Runa und Frank Lechtenberg in Born ans Fenster geklopft hat, geht es gut. Das hat Mathilde Limpinsel gestern bestätigt. Sie betreibt zusammen mit ihrem Mann Wilfried die Essenthoer Mühle, eine Ausgewöhnungsstation für Greifvögel und Eulen in Marsberg-Essentho.

Alexandra Rüther

Zerzaust und abgemagert saß der kleine Waldkauz bei den Lechtenbergs in Born auf der Fensterbank. Foto: Frank Lechtenberg

Das Ehepaar Lechtenberg hatte die Limpinsels kontaktiert, nachdem der kleine Waldkauz auf ihrem Hof offenbar nicht mehr gefüttert wurde. „Er war zwar nach unserer ersten Begegnung zunächst wieder verschwunden, saß aber wenige Tage später wieder vor unserer Tür und sah ziemlich zerzaust aus“, berichtete Runa Lechtenberg letzte Woche. Eine erste Untersuchung in Marsberg ergab, dass er schon viel Gewicht verloren und lange nichts gegessen hatte. „Die Aktion kam wohl gerade rechtzeitig für den Kauz“, ist Frank Lechtenberg froh, dass es ihm jetzt besser geht. In seinem neuen Zuhause habe er sofort gut und ausgiebig gefressen.

Auffangstation

„Noch ist er alleine untergebracht und wir legen ihm sein Futter vor“, berichtet Mathilde Limpinsel. Genauso wie die Eltern es machen würden. „In einer großen Voliere würde der Kauz das Futter nicht finden“, erklärt Mathilde Limpinsel. Die junge Eule frisst Eintagsküken. In etwa einer Woche jedoch soll der Kauz aus dem Kreis Höxter umziehen. „Wir haben momentan sieben Kauze und werden sie dann zusammen setzen. Ich gehe davon aus, dass sie dann soweit sind, dass sie ihr Futter selbst finden.“ Die Eulen bleiben so lange in der Station, bis sie auch in der Natur von ihren Eltern verstoßen würden und ihr eigenes Revier suchen müssten. Ende September wird das in etwa soweit sein. „Wir verbinden die Freilassung der Tiere gerne mit Besuchen von Schulklassen oder anderen Gruppen, um sie für die Tiere und den Naturschutz zu sensibilisieren“, berichtet Mathilde Limpinsel. Doch in Corona-Zeiten sei das nicht möglich.

Ankunft in Marsberg Vogelauffangstation Foto: Frank Lechtenberg

500 Vögel pro Jahr

Seit 1980 betreiben die Limpinsels die Auffangstation. Damals haben sie mit wenigen Tieren angefangen. Inzwischen sind es etwa 500 Vögel im Jahr, die Hälfte davon sind Greifvögel und Eulen. „Eulen sind die ersten im Jahr, dann kommen die Falken“, weiß Mathilde Limpinsel aus Erfahrung. Gerade in Städten fallen Falken oft aus hohen Türmen. Oder die Eltern füttern sie nicht mehr, weil ständig Bewegung durch Passanten da ist.

Wer selbst einen angeschlagenen Jungvogel findet, sollte zunächst beobachten, ob er noch gefüttert wird. „Wenn das nicht der Fall ist, dann am besten eine Deck drüber werfen oder legen, vorsichtig nehmen und zu uns bringen“, rät Mathilde Limpinsel. Die Station ist telefonisch erreichbar unter 02992/8684.

Wildvogelauffangstation Essentho. Foto: Frank Lechtenberg

Kauz zurück nach Born

Was den kleinen Kauz aus Born angeht, kann sich Mathilde Limpinsel übrigens vorstellen, eine Ausnahme zu machen, was seine Auswilderung angeht. Normalerweise werden die Tiere in der Gegend der Station freigelassen. „Aber wir könnten ihn auch zurück nach Born bringen“, sagt sie und würde Runa Lechtenberg damit einen Wunsch erfüllen. Sie hätte den Kauz gerne weiter auf ihrem weitläufigen Hof gewusst, hat ihm aber mit der Fahrt nach Essentho offenbar das Leben gerettet.

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