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Die Grünen im Rat Marienmünster begründen ihre Enthaltung bei der Mittelfreigabe

„Nichts ist gut in Sachen Sportstätten“

Marienmünster

Ohne Gegenstimmen ist In der letzten Sitzung des Rates Marienmünster vor der Sommerpause die Entscheidung über die Finanzierung der Bauvorhaben in Kollerbeck und Bredenborn in Sachen Sportstättenentwicklung gefallen. Es gab allerdings Enthaltungen - von den Grünen. Die begründen das jetzt.

In Bredenborn sind zwei große Rasenplätze vorhanden. Foto: Harald Iding

„Wie schon im September 2021 können wir jetzt im Juni 2022 der Mittelfreigabe nicht zustimmen. Bei einer Ablehnung der Freigabe wären die Vereine die Leidtragenden – sie haben lange genug gewartet, deshalb haben wir uns der Stimme enthalten“, erklärt Grünen-Sprecher Reiner Neumann.

Rosinenpickerei aus dem Gutachten

Das Prinzip, auf externe Gutachten und Ratgeber basierte Kommunalpolitik zu betreiben, ist aus Sicht der Grünen für Marienmünster gescheitert: „Schon während der Präsentation des Sportstättenkonzepts wurde dem Gutachter (Dr. Eckl) Parteilichkeit oder Unfähigkeit unterstellt. Ergebnisse wurden in Frage gestellt oder schlichtweg als falsch bezeichnet“, erklärt  Neumann. Nach dem Motto „Ein wissenschaftlich fundiertes Gutachten ist auch nur eine Meinung, die jeder haben kann“.

Nicht adäquate Sportmöglichkeiten an der Grundschule

In der Grundschule werde jeden Tag von 8 bis 14 Uhr Sport betrieben, sagen die Grünen und bedauern, dass ihr Vorschlag für eine kleine Außenanlage an der Grundschule von den anderen Parteien abgelehnt wurde. Schulsport werde und könne auf dem vorhandenen Vördener Sportplatz jedenfalls nicht betrieben werden. „Stattdessen treiben unsere Kinder in der Grundschule auch bei den jetzigen Temperaturen Sport in einer renovierungsbedürftigen Turnhalle. Corona ist dann auch immer ein Thema“, so die Grünen, die betonen, dass sie Schule und Kindergarten und Sportvereine als Kooperationspartner begreifen, was das Gutachten im Übrigen untermauere.

Überangebot an Sportplatzflächen

Marienmünster bietet NRW-weit etwa dreimal mehr Sportplatzfläche (20,31 m2/Einwohner) als der Durchschnitt (6,84 m2/Einwohner). Dabei beziehen sich die Grünen auf zahlen aus 2017. „Dazu kommen seitdem Zusammenlegungen von Jugendmannschaften und Seniorenmannschaften und ein Bevölkerungsrückgang seit 2017, der diesen negativen Spitzenplatz noch weiter verfestigt.“ Eine Abhilfe werde hier auf Dauer nicht geschaffen. Der nächste blaue Brief der Gemeindeprüfungsanstalt komme bestimmt.

Dabei sehe die Realität anders aus, führen die Grünen weiter aus. „Kinder und Erwachsene aus Kollerbeck treiben Sport in Bredenborn, Bredenborner Kinder und Erwachsene treiben Sport in Kollerbeck, Kinder und Erwachsene aus Vörden treiben Sport in Bredenborn etc. – den Menschen ist es egal, wo Sport betrieben wird.“ Die neue Grundschule in Vörden zeige: „Wenn wir in Marienmünster an einem Strang ziehen, profitieren alle. Der Unterschied: Die Grundschulen mussten zusammengelegt werden, da hatte die Kommunalpolitik kein Mitspracherecht - Gott sei Dank wie man spätestens jetzt feststellen muss.“

Das Sportstättenkonzept für Marienmünster sorgt weiter für Diskussionen. Foto: Harald Iding

Finanzielle Betrachtung

Beschlossen wurde vom Rat, dass die Projekte nun mit einer 45%-Förderung geplant werden. Damit geht die Stadt Marienmünster aus Sicht der Grünen bis an ihre finanziellen Grenzen. „Die eklatante Fehlentscheidung der Ratsmehrheit von CDU/UWG (des alten Rats ohne die Grünen) im April 2020 führt nun dazu, dass ca. 280.000 EUR (bei entgangener 65% Förderung) bzw. ca. 630.000 EUR (bei entgangener 90% Förderung) für die Stadt verloren sind.“ Diese belasteten nun als Schulden inklusive Kreditzinsen den Haushalt in den nächsten Jahren. „Die Planung und der Bau der Anlagen hätten schon 2020/2021 beginnen können und somit wäre man den immensen Kostensteigerungen aus dem Weg gegangen“, heißt es in der Pressemitteilung weiter. „Fehlentscheidungen passieren, doch wer erwartet, dass mit der selbstverursachten höheren Verschuldung ein Umdenken einsetzt, der sieht sich getäuscht - bei fehlenden Mitteln wird kurzfristig der Standort des Kunstrasens gewechselt und anschließend der Kunstrasenplatz größer als vorgesehen gebaut. Niemand würde so mit seinem eigenen Geld umgehen.“ Weiter schreibt Reiner Neumann: „Unser Vorschlag war das Spielfeld wie im Gutachten vorgesehen als Trainingsfläche für die Wintermonate (siehe IKPS Gutachten) auszuführen – mit diesem Ansatz hätten die im Haushalt vorgesehen Mittel ausgereicht.“ Für das Training und die Spiele bei Normalwetter seien in Bredenborn zwei große Rasenplätze vorhanden und stünden fünf weitere Plätze in den anderen Orten der Stadt zur Verfügung. „Wenn die Haushaltsmittel nicht ausreichen, muss man kleiner bauen – eine Binsenweisheit. In Kollerbeck fallen auf Vorschlag des Sportvereins nun zwei Umkleidekabinen weg, eine Einsparung von geschätzten 100.000 EUR“, so Neumann.

Die Sorgen der Menschen seien aktuell eher auf existenzielle Fragen fokussiert: „Habe ich eine warme Wohnung im Winter?“, „Habe ich nächstes Jahr noch eine auskömmliche Arbeit?“, „Was kann ich mir noch leisten?“ Die hohe Inflation mache im Privatleben alles teurer – bei den Sportstätten werde alles günstiger? Eine solche „Luxusdiskussion“, mit weniger Geld immer mehr zu fordern, gehe an den Sorgen der Menschen vorbei und hinterlasse den Eindruck von „Politik als Selbstzweck.

Phase der Ausschreibungen

Nun beginne die Phase der Ausschreibungen. Reiner Neumann: „Aus unserer Sicht ist bisher dafür kein gesichertes finanzielles und vor allem kein verfahrenstechnisches Fundament gelegt, sondern sind oftmals eher die Wünsche die Väter und Mütter der Gedanken. Schauen wir mal, wie lange der Burgfrieden der anderen Parteien anhält, wenn das Geld für die nun größeren Versprechungen nicht ausreichen sollte.“

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