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Endspurt bei Arbeiten in Nieheim: Team der Tagespflege zieht bald ein ein – Stadt ermöglicht barrierefreien Zugang

Der verschollene „Schatz“ des Richterhauses

Nieheim

Es sind nur ein paar Meter in die Tiefe – aber dort unter dem Richterhaus, das von der Stadt zu einem neuen „Haus der Generationen“ umgebaut wird, ist der wohl älteste Gebäudeteil Nieheims zu finden. Es ist ein fast vergessener „Schatz“, der eine Brücke in das späte 16. Jahrhundert darstellt.

Harald Iding

Richterhaus im Fokus: Diese Aufnahme stammt aus dem Jahres 1958 und wurde vom Kirchturm aus erstellt. Foto: Heimatverein Nieheim

Dem WESTFALEN-BLATT sagte Ulrich Pieper, dass er 1982 als interessierter Bürger zum ersten Mal die Gelegenheit hatte, in diese Ebene zu gelangen. „Der Architekt hatte mich informiert, dass sie unter dem Fachwerkbau von 1701 neben dem vorhandenen Keller einen zweiten, unbekannten Keller entdeckt haben. Ich stieg mit einer Leiter hinab und machte gleich Fotos“, so der Stadtheimatpfleger heute. Der 81-Jährige: „Ich habe direkt gespürt, dass es ein Schatz ist!“

In alten Dokumenten findet nicht nur das Richterhaus Erwähnung – sondern auch der Vorgängerbau. „Und dazu gehört eben dieser verschollene Keller, vermutlich um 1584“, so Pieper. Er freue sich, dass inzwischen auch die Denkmalpflege davon Kenntnis habe. Pieper bedauere zugleich, dass er als Heimatpfleger bei den Planungen (neue Nutzung des Richterhauses) nicht einbezogen worden sei. Zu den ältesten Bauwerken Nieheims zählt das historische Rathaus. Das Stadtwappen ist mit 1610 bezeichnet. „Der Keller des Vorgängerbaus des Richterhauses ist aber noch älter. Es wäre schön, wenn das in irgendeiner Weise und Form gewürdigt würde“, hofft Pieper. Er sagt: „Der Bürger in Nieheim – der kann doch sonst nichts über seine Stadtgeschichte erfahren, wenn man sie nicht beleuchtet und zum Vorschein bringt!“ Denn der einzige Eingang zu diesem historischen Keller (er liegt direkt neben dem Keller des Richterhauses) sei in Folge der aktuellen Baumaßnahmen verschlossen worden. „Aber dieser Schatz der Stadtgeschichte – er darf doch nicht für immer verloren gehen“, findet Ulrich Pieper.

Eine Etage darüber beginnt dagegen von Montag (18. Januar) an ein neues Leben. Das Team der Tagespflege von „Alt und Jung“ zieht in das gesamte Erdgeschoss plus neuem Anbau mit 265 Quadratmetern als Mieter ein. Neben der modernen Tagespflegeeinrichtung in Kollerbeck (2016 eröffnet) dürfen sich die Bürger nun auf eine zweite Einrichtung – mitten im Herzen von Nieheim – freuen.

Dazu sagte Leiterin Johanna Multhaup-Koch dieser Zeitung: „Unter Corona werden wir zum Monatsende zunächst acht Tagesgäste aufnehmen können. Wir kümmern uns um alles – um das Abholen, Essen (Frühstück, Mittagsessen und Nachmittagskaffee) sowie die vielfältige Betreuung durch unsere Fachkräfte, pflegerisch wie sozial.“ Es sei eine Komplettversorgung, inklusive Fahrdienst. Die Angebote des Teams (acht Mitarbeiter) würden sich an den Wünschen der Gäste orientieren. Und die Leiterin betont: „Wir ziehen hier als Mieter ab dem 18. Januar ein. Die ersten Gäste werden am 25. Januar betreut. Wir sind für den Neustart bereits ausgebucht!“

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