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Mit dem Heimatpreis ausgezeichneter Telegrafenverein kümmert sich um den Lattbergturm und das Areal

Ein Herz für die Natur

Nieheim-Entrup

Die Stadt Nieheim hat den Telegrafenverein aus Entrup in diesem Jahr mit dem Heimatpreis ausgezeichnet – eine offizielle Feier gab es wegen Corona nicht. Doch auch von der Pandemie haben sich die Ehrenamtlichen nicht unterkriegen lassen und 2020 wieder einiges bewegt.

Dennis Pape

Der Lattbergturm in Entrup ist ein wichtiges Touristenziel. Foto: Frank Spiegel

„Wir freuen uns sehr über diese Auszeichnung. In den vergangenen Jahrzehnten ist rund um den Lattbergturm in Entrup unter dem Einsatz zahlreicher Ehrenamtlicher wirklich viel passiert“, sagt der Vereinsvorsitzende Josef Köhne im Gespräch mit dem WB. Das zeige einmal mehr, dass im ländlichen Raum noch vieles möglich sei – und so habe sich der Lattberg zu einem echten Leuchtturm des Tourismus-Sektors im Kreis Höxter entwickelt. „Es geht nicht ohne das Ehrenamt – wir brauchen Menschen, die mitmachen.“ Das trifft unter anderem auf den Vorstand des Telegrafenvereins mit Köhne, Daniel Kunze (stellvertretender Vorsitzender), Uwe Dammeier (Geschäftsführer), Günter Vandieken (Schriftführer) und Beisitzer Manfred Kunze sowie einige weitere motivierte Helfer zu.

Der Verein wolle Familien und Gruppen rund um den 24 Meter hohen Aussichts- und Museumsturm etwas bieten, um Natur erlebbar zu machen. „Wer die Natur nicht kennt, kann sie nicht schützen – wir wollen eine emotionale Bindung hervorrufen.“ Das komme beim Publikum gut an – auch, oder sogar insbesondere, in Corona-Zeiten: „An einem Sommer-Samstag haben wir 128 Besucher von 9 Uhr bis tief in die Nacht gezählt. Früher kamen die Leute zumeist aus der Gegend, mittlerweile sehen wir Gäste aus Minden, Gütersloh oder sogar München“, so Köhne.

2012 gebaut

Gebaut wurde der Turm im Jahr 2012 vom Kreis Höxter im Rahmen des Projektes „Erlesene Natur“ – mit Fördermitteln der EU und der Stadt Nieheim. Der Verein zur Förderung der historischen Telegrafie – wie der sogenannte Telegrafenverein offiziell heißt – übernahm die Kosten für den optischen Telegrafen, den Dachaufstieg sowie Absturzsicherungen. Später griff er für die Einhausung des Stellwerks, den Stromanschluss, die Turmbeleuchtung und Teile der Außenanlagen erneut in die Brieftasche. „Auch das Anbringen eines Abdrucks der bekannten und beliebten Paddelechse Toni geht auf eine Initiative des Telegrafenvereins zurück“, erläutert Köhne.

Und auch um das Areal rund um die Telegrafenstation kümmern sich die Ehrenamtlichen, die unter anderem einen Naturlehrpfad mit 18 Info-Tafeln, einem Insektenhotel und einer Benjeshecke angelegt haben. Der Verein baute zudem einen Handlauf am Steilhang zum Turm und schuf neue Sitzgelegenheiten am und im Bauwerk. Im Corona-Jahr 2020 kamen eine Vogelstimmentafel, ein Ammonit und eine Stratigrafische Karte hinzu. Satzungsgemäß praktizieren die freiwilligen Helfer Naturschutz, indem sie eine 1,5 Hektar große Streuobstwiese pflegen. „In diesem Jahr haben wir zudem eine 55 Meter lange Vogelschutzhecke angelegt sowie vier hochstämmige Bäume – Rosskastanie, Walnuss, Feldahorn – angepflanzt. Außerdem sind auf etwa 300 Quadratmetern Blühwiesensamen ausgesät worden.“ Um die Einrichtungen am Turm vor Vandalismus zu schützen, wurde 2020 eine Videoüberwachung installiert.

Blick auf 2021

Und da ein ereignisreiches Jahr bald zu Ende ist, blicken die Mitglieder bereits auf ihre Projekte für 2021: Nachdem das Crowdfunding bei der Vereinigten Volksbank hervorragend unterstützt worden sei (wir berichteten), soll im Frühjahr 2021 eine Webcam installiert werden – für einen herrlichen Blick vom Turm. Geplant sei außerdem eine Fotowand nach der Vorlage einer historischen Zeichnung von Renate Judith aus Gehrden. „Die soll 2,20 mal drei Meter groß werden“, berichtet Köhne. Eventuell soll es in Kooperation mit Heimatverein und Stadt eine neue Informationstafel in der Dorfmitte geben.

Aus der Idee, die optische Telegrafie am Lattberg aufleben zu lassen, ist im Laufe der Jahre noch viel mehr entstanden – und diesen Weg will der Heimatpreisträger weiter verfolgen.

Turmbläser am 24. Dezember

Um weihnachtliche Stimmung in die Welt zu tragen, lädt der kirchliche Gemeindeausschuss am Nachmittag des Heiligen Abends auf 15 Uhr zu einem Konzert des Bläserensembles des Musikvereins Sommersell ein. Die Bläser werden sich über den gesamten Turm verteilen. In den Pausen wird die Weihnachtsbotschaft über Lautsprecher verkündet, die vor allen Häusern zu hören sein soll. Zuhörer könnten sich mit Schutzmasken auf dem Sportplatz und um den Lattberg verteilen

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