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10b der Peter-Hille-Schule Nieheim interpretiert Klassiker neu

»Faust« ist moderner denn je

Nieheim (WB). Es gilt als das bedeutendste und meist zitierte Werk der deutschen Literatur: »Faust« ist die Dichtung der Superlative, Goethes Lebenswerk. Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 10b der Peter-Hille-Schule Nieheim bringen dieses Drama um den Universalgelehrten Doktor Faust, der sich mit dem Teufel einlässt, um zu erkennen, »was die Welt im Innersten zusammenhält«, auf die Bühne. Sie führen Goethes »Faust – Der Tragödie erster Teil« am Donnerstag, 21. Juni um 18.30 Uhr in der Aula der Nieheimer Grundschule auf. Der Eintritt ist frei.

Die Besetzung freut sich auf die Vorstellung (von links): Lukas Weber (alter Faust), Marcel Ostermann (junger Faust), Lena Wöstefeld (Margarete), Patrice Hillebrandt und Lars Hillebrand (Mephisto), Josephine Richter (Lieschen), Benjamin Kohl (Valentin), Raphael Nagel (der Herr), Johanna Fröhling (Marthe), Franziska Helmes (Hexe) sowie Jonas Sasse und Leonard Claes (beide Technik). Foto: Peter-Hille-Schule

Warum Goethe? Warum »Faust«? Ist ein Drama, das 1808 erschienen ist, für Jugendliche im 21. Jahrhundert zeitgemäß? Irgendwie schon, finden die Schülerinnen und Schüler der 10b, und interpretieren dieses Drama, das Philosophie, Weltschmerz, Lovestory, Verbrechen sowie »sex and crime« bietet. Sie haben »Faust« im Unterricht besprochen, dabei die berühmte Gründgens-Inszenierung aus dem Jahre 1960 sowie eine Inszenierung im Deutschen Nationaltheater in Weimar gesehen. Nun nahmen sie die besondere Herausforderung an, eines der bedeutendsten Werke der deutschen Literatur in ein Theaterstück umzuschreiben, einzuüben und aufzuführen. »Das war viel Arbeit, aber es hat Spaß gemacht. Wir freuen uns jetzt auf die Aufführung und hoffen auf viele Zuschauer. Wir wollen zeigen, dass Faust ein moderner Mensch ist, der über sich hinauswachsen und trotz allen Ehrgeizes doch vor allem eines will: Er will genießen«, erläutert Schülersprecherin Lena Wöstefeld aus der 10b der Peter-Hille-Schule.

Rastloser, Einzelgänger, Getriebener

Faust ist keine Heldenfigur. Er hat Theologie, Jura und Philosophie studiert. In der Bevölkerung genießt er hohes Ansehen als Arzt. Aber er steckt in einer Krise: »Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor.« Bekannte Zeilen. Sie drücken aus, dass Faust ein alter Mann ist, der sein Leben damit verbracht hat, Wissen anzuhäufen. Ein Rastloser, ein Einzelgänger ohne Familie, ein Getriebener. Er schließt einen Pakt mit Mephisto, dem Teufel, der zuvor mit Gott gewettet hat, dass er es schafft, Faust zu Lust und Genuss zu verführen.

Mit Mephistos Hilfe verführt Faust die junge Margarete – und das hat Folgen: Die Figur des Doktor Faust ist der Prototyp des modernen, maßlosen Menschen, der sich mit allen Mitteln aus der Enge der bürgerlichen Existenz zu lösen versucht.

Die Klasse 10b der Peter-Hille-Schule Nieheim spielt diesen Klassiker am Donnerstag, 21. Juni, in der Aula der Grundschule. Die Vorstellung beginnt um 18.30 Uhr. Für Essen und Getränke ist gesorgt, der Eintritt ist frei.

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