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Pastor Geo Chacko Pallipurathukaran geht nach elf Jahren in Oeynhausen zurück nach Indien

„Hilfsbereitschaft ist ein großes Geschenk“

Nieheim-Oeynhausen

Als Pastor Geo Chacko Pallipurathukaran nach Deutschland kam, kannte er den Begriff vom lachenden und weinenden Auge noch nicht. Elf Jahre später kennt er ihn – und er ist für ihn aktueller denn je. Denn für den Geistlichen geht es zurück in seine Heimat nach Indien. „Ich freue mich auf meine große Familie – aber ich bin gleichzeitig auch sehr traurig, so viele nette Menschen verlassen zu müssen“, sagt er.

Dennis Pape

Die Nieheimer Ortschaft Oeynhausen sowie die umliegenden Gemeinden sind eine zweite Heimat für Pastor Geo geworden. Foto: privat

„Ich bin unglaublich dankbar für die unzähligen schönen Begegnungen mit den Menschen im Kreis Höxter, die mir wirklich sehr ans Herz gewachsen sind“, sagt Pastor Geo – wie er in den Gemeinden in Nieheim, Steinheim und Marienmünster liebevoll genannt wird – im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT. Das Ticket für den Rückflug am 3. Februar ist bereits gebucht, doch Geo wird noch ein paar Wochen länger in der Nieheimer Ortschaft Oeynhausen bleiben – die Corona-Pandemie macht‘s möglich: „Ich möchte mich vor der Reise impfen lassen. Das ist nicht vorgeschrieben, ich tue das aus Pflichtbewusstsein“, betont er: „Und so habe ich etwas mehr Zeit, alle Dinge in Ruhe zu regeln“, fügt er mit einem Augenzwinkern an.

Anschließend geht es für in zurück in sein Heimatbistum Thrissur, in dem er bereits von 2004 bis 2009 gewirkt hat. „Abgesehen von einigen Ausnahmen, gilt in unserem Bistum die Regel, dass Priester auf Reisen nach zehn Jahren zurückkehren. Deshalb ist dieser Abschied – so traurig er mich auch stimmt – nicht so überraschend und kurzfristig wie mein Abenteuer in Deutschland begann“, berichtet Pastor Geo. Im April 2009 wurde er gefragt, ob er nach Nieheim gehen könne. Es folgte ein kurzer Sprachkurs im Juni und nur wenige Monate später befand sich der Inder im verschneiten Oeynhausen – mitten im Winter mit Temperaturen von bis zu minus 24 Grad Celsius. „Das war eine andere Welt, aber auch sehr spannend“, sagt er und lacht: „Der Schnee hat mich sofort fasziniert und mittlerweile habe ich mich auch einigermaßen an die Temperaturen gewöhnt.“

In den ersten zwei Jahren hatte Geo lediglich eine halbe Stelle, arbeitete nebenbei noch an seiner Promotion in Paderborn. Von 2012 an kümmerte er sich dann jedoch mit einer vollen Stelle um die neun Gemeinden in Nieheim, wirkte darüber hinaus auch in Steinheim und Marienmünster. Was bleibt, sind viele schöne Erinnerungen an diese Zeit: „Durch die vielen Begegnungen, die mein Beruf mit sich bringt, habe ich die Sprache schnell besser lernen können. Neben Gottesdiensten, Kommunion, Beerdigungen, Taufen und Hochzeiten habe ich pro Jahr auch etwa 80 Menschen zum Geburtstag besucht“, erzählt er. Als besondere Höhepunkte beschreibt der Priester auch die Schützen- oder auch Oktoberfeste, die für viele hier eine wichtige Säule der Gemeinschaft darstellten. Diese Gemeinschaft sollte Geo auch 2018 eindrücklich erleben: Damals wurde sein Heimatbundesstaat Kerala von einer schweren Flut heimgesucht – und er konnte mit engagierten Gemeindemitgliedern stolze 19.000 Euro für die Opfer sammeln. Anlässlich seines 40. Geburtstages wiederum kamen weitere 3000 Euro zusammen, um einer armen Familie in Indien ein Haus bauen zu können. „Es ist ein schönes Zeichen, dass Menschen aus Deutschland und Indien im Sinne der Nächstenliebe verbunden sind“, betont der Geistliche.

Von diesen Menschen in Deutschland hätte sich Pastor Geo gerne viel intensiver verabschiedet – doch die Corona-Pandemie machte dies nicht möglich. „Das stimmt mich sehr traurig. Leider konnten nur zwei der zahlreichen geplanten Abschiedsgottesdienste in den Gemeinden stattfinden – und das auch nur mit begrenzten Besucherzahlen. Es gibt so viele, die mir ans Herz gewachsen sind.“ Einer der wenigen Abschiedsgottesdienste ist jedoch gefilmt worden und kann auf der Internetseite des pastoralen Raumes angeschaut werden.

Ohnehin müsse es kein Abschied für immer sein, sagt Pastor Geo: „Ich werde irgendwann zumindest zu Besuch zurück in den Kreis Höxter kommen – immerhin ist das hier meine zweite Heimat geworden.“

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