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50 Jahre Frauenkarneval in Nieheim – »So voll war es noch nie«

Närrinnen hauen auf die Pauke

Nieheim (WB). 50 Jahre und kein bisschen leise! In diesem Jahr konnte in Nieheim ein halbes Jahrhundert Frauenkarneval gefeiert werden, zu dem das FKK, das Frauenkarnevalskomitee, das Motto »Olle meh und großer Knall – 50 Jahre Frauenkarneval« ausgegeben hatte.

Heinz Wilfert

Seit 50 Jahren haben die Frauen im Nieheimer Karneval ihre eigene närrische Veranstaltung. Seit 1971 wird ganz groß in der Nieheimer Stadthalle gefeiert. An diesem Wochenende konnten die Organisatorinnen stolz verkünden: »So voll war es noch nie«. Foto: Heinz Wilfert

1969 hatten sich die Nieheimer Frauen gesagt »Wir wollen im Karneval richtig auf die Pauke hauen!« Der Wunsch ging in Erfüllung. Der erste Frauenkarneval fand bei Köhnes auf dem Saal im kleinen Rahmen satt, seit 1971 wird in der Stadthalle gefeiert. Und die war zum Jubiläum rappelvoll. Das FKK Team mit Conny Peine, Lisa Meier-Rose, Birgit Peine, Jutta Nagel und Nathalie Serr hatte schwungvoll mit einem Trommelwirbel auf Pezzibällen eröffnet und konnte stolz melden: »So voll war es noch nie. Es ist eng, aber gemütlich.« Als die Musik spielte »Jetzt geht’s los – wir sind nicht mehr aufzuhalten«, sprang der Funke der Begeisterung augenblicklich auf Hunderte bunt verkleideter Närrinnen über, die sich auf 21 Programmpunkte mit Gesang, Tanz, Bütt und Sketchen freuten. Zum 50-Jährigen zeichnete das FKK-Team alle Akteurinnen mit einem Ansteckbutton aus.

Beliebte Spottdrossel

Amsel, Drossel, Spottdrossel ist die Steigerung für Annemarie Lauinger, die ihrem Beinamen in der Bütt wieder alle Ehre machte, als sie Interna aus Nieheim ausplauderte. Sie wünscht sich, dass Erwin Nowak im nächsten Jahr noch einmal ein gelungenes Jubiläumsjahr organisiert – dann zum 777-jährigen Bestehen der Stadt. Auch für die Alten Schützen wusste sie einen guten Rat. »Wenn die Kommandeure der Alten Schützen nicht mehr reiten können, sollen sie es auf einem E-Bike versuchen.« Die Spottdrossel ermahnte aber auch die Frauen und redete ihnen ins Gewissen. Wenn sich kein neuer Vorstand finde, könnte es nämlich bald vorbei sein mit dem schönen Frauenkarneval.

Power und Anmut

Was Männer so alles bei einer Prozession besprechen, spielten die Frauen der kfd Sandebeck nach. Sabine Ullrich und Christiane Henke flogen als Stewardessen in einer eigenen Gewichtsklasse. »Mit uns zu fliegen, ist immer ein Erlebnis«, so ihre Überzeugung. Das hohe Lied auf Männer im Baumarkt besangen Regina Fröhling und Heidi Simon mit Begleitung von Annemarie Niehörster am Akkordeon.

Power und Anmut gleichermaßen verkörperten die Powerelfen, die von einem Frauenkarneval in Nieheim nicht wegzudenken sind. Ohne Zugabe durften die Damen nicht von der Bühne.

Eine würdige Prinzessin

Spielmannszugklänge kündeten den Beginn des beliebten Prinzessinnenspiels, mit dem Mitglieder des Spielmannszuges Entrup die Prinzessin Kirsten Jakob, die melodisch Planende, mit sechs Quizfragen auf die Probe stellten. Sie löste alle Aufgaben mit Bravour, setzte eine schwarze Katze zusammen und bekam das Lob: »Du bist eine würdige Prinzessin.«

Lieschen muss sich in dem Sketch »Beim Arzt« erklären las-sen, dass es bei der Behandlung keine Bouillon zu trinken gibt, sondern dass es sich dabei um eine andere Flüssigkeit handelt. Herzerfrischend war der Tanz der Trinkerbells, denen eine herrliche Parodie auf die Sister Acts gelang.

Mit den Widrigkeiten im neuen pastoralen Verbund, der nur noch per Anrufbeantworter zu erreichen sei, beschäftigten sich Annemarie Lauinger und Lucia Walter. Die Steinheimer Kump(el)stilzchen mit Monika Nolte als resolutem Herrn Rohrmüller wehren sich gegen die kulturelle Zwangsberieselung im Altenheim während die Fußballerinas aus Pömbsen mit einem tänzerisch toll inszenierten Abba-Medley von Mama Mia bis Waterloo begeisterten. Eine karnevalistische Gehirnwäsche mit Jutta Nagel und Lisa Meier-Rose leitete zum großen Finale über.

Halle in Ekstase

Warm wurde es den froh gestimmten Närrinnen schon vom Zuschauen auch angesichts der Wirbelwinde auf der närrischen Tanzbühne: der Minigarde mit einem Marsch, dem Solomariechen Sophie Pruys, dem Tanzpaar Dylaine Pahle und Luca Peters, der Juniorengarde und zum Schluss eines furiosen Programms mit dem Showtanz der Garde. Ganz ohne Männer ging es auf der Bühne aber doch nicht. Der Auftritt der Emmersingers mit ihren ewig jungen Liedern versetzte die Stadthalle in Ekstase.

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