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Pfarrer Heribert Ester sagt Feier zu seinem Dienstjubiläum ab

Streit um Mahnmal-Standort

Nieheim(WB). In Nieheim ist ein Streit um den Standort eines geplanten Holocaust-Mahnmals eskaliert. Pfarrer Heribert Ester hat als Folge die Feierlichkeiten zu seinem 25-jährigen Jubiläum abgesagt.

Marius Thöne

Die Fotomontage zeigt, an welcher Stelle vor der Nieheimer St.-Nikolaus-Kirche das Mahnmal errichtet werden sollte. Ideengeber Pfarrer Heribert Ester will aber zunächst darauf verzichten, es dort bauen zu lassen. Foto:

Seinen Antrag auf die Errichtung eines Denkmals zur Erinnerung an die rund 50 deportierten und ermordeten Nieheimer Juden direkt an der Außenmauer der katholischen Pfarrkirche zog Pfarrer Ester zurück. An dem Vorhaben war in den vergangenen Tagen Kritik aufgekommen. Zwar sind die Kritiker nicht generell gegen ein Mahnmal, fordern aber einen anderen Standort.

Das Mahnmal hatte der 63 Jahre alte Geistliche nach den Gedenkfeierlichkeiten zur Pogromnacht im vergangenen November ins Gespräch gebracht. Daran sollten auch die Namen der unter dem Naziterror ums Leben gekommenen Nieheimer Juden angebracht werden. »Eine ehrenvolle Aufgabe für eine katholische Kirchengemeinde«, meint Ester. Während der Pfarrgemeinderat sich mehrheitlich hinter die Idee stellte, lehnte der Kirchenvorstand als für Finanz- und Grundstücksfragen zuständiges Gremium das Mahnmal mit einer Stimme Mehrheit zunächst ab. Heute hätte in einer Sitzung erneut über den strittigen Punkt abgestimmt werden sollen.

Dazu wird es jetzt nicht mehr kommen. In den vergangenen Tagen habe es »Manöver und Untergrundarbeit einiger weniger wortlauter Stimmungsmacher« gegeben, sagte Pfarrer Ester in einer Pfarrgemeinderatssitzung am Dienstagabend. In dieser negativen Stimmungslage wäre »der Kirchenvorstand mit einer Entscheidung überfordert gewesen«. Darum habe er seinen Antrag zum Bau des Denkmals zurückgezogen.

Darüber hinaus sagte Ester die für den 11. September geplante Feier seines 25-jährigen Ortsjubiläums in Nieheim ab. »Unter den derzeitigen Begebenheiten ist für mich ein fröhliches Fest nicht denkbar und wäre unangemessen«, sagte Ester während der Pfarrgemeinderatssitzung, in der er auch die 50 Namen der von den Nazis verschleppten und ermordeten Nieheimer Juden verlas.

Zu den Kritikern des Mahnmal-Standortes an der Kirche zählt Nieheims Stadtheimatpfleger Ulrich Pieper. Er hat in den vergangenen Jahren viel zur Geschichte der Nieheimer Juden geforscht. »Seit 1988 gibt es ein solches Denkmal bereits auf dem jüdischen Friedhof in Nieheim«, berichtet Pieper. Dieses sei seinerzeit in großem Konsens zwischen Politik, Kirchen und Bevölkerung errichtet worden. »Eine Liste mit den Namen hat damals nicht zur Verfügung gestanden«, berichtet Pieper. Mittlerweile läge diese vor und könnte an dem Denkmal auf dem Judenfriedhof ergänzt werden, lautet Piepers Vorschlag, dem sich auch Teile des Kirchenvorstands anschließen. Mehrheitsfähig wäre möglicherweise auch ein Standort an der früheren Synagoge (Haus Hartmann). Dazu laufen Gespräche. Auf dem Synagogenplatz steht schon ein Denkmal.

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