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70 Besucher diskutieren bei Bürgerversammlung in der Stadthalle

Pläne fürs neue Warburger Waldbad vorgestellt

Warburg

Etwa 70 Besucher sind am Donnerstagabend zu einer Bürgerversammlung in die Warburger Stadthalle gekommen. Dort wurden der aktuelle Stand der Planungen für das neue Waldbad vorgestellt und auch erste Bilder gezeigt. Im Anschluss wurde ausgiebig diskutiert.

So könnte das neue Hallenbad auf dem Gelände des Waldbades aussehen. Der Fotograf/Zeichner steht etwa in der Mitte des heutigen 50-Meter-Beckens, das auf 25 Meter verkleinert werden soll. Foto: KRIEGER Architekten | Ingenieure GmbH

 Nach Vorstellungen der Stadtwerke und der Stadtverwaltung sollen sich auf dem Gelände des Waldbades in Zukunft Freibad und Hallenbad befinden. Das 50 Jahre alte Hallenbad am Schulzentrum würde abgerissen. Das Freibad würde saniert.

Der Warburger Stadtrat hat bereits dafür gestimmt, diese Planung weiter zu verfolgen. Eröffnet werden könnte das neue Hallenbad und das umfassend sanierte und verkleinerte Freibad nach Vorstellungen der Planer im Mai 2026. Der Start der Arbeiten könnte in exakt einem Jahr, also im August 2023, sein. Jens-Wilhelm Brand, Geschäftsführer der Ingenieur-Gesellschaft „Constrata“, die Stadt- und Stadtwerke Warburg beraten, machte aber auch deutlich: „Es ist erst eine Vorplanung, kein Baubeschluss.“

So stellen sich die Planer den Zugang zum Bad vor. Das Bad soll in den Berg gebaut werden. In Höhe des heutigen Eingangs ist ein Blick auf die Schwimmfläche durch Fenster möglich. Foto: KRIEGER Architekten | Ingenieure GmbH

Diese Entscheidung  muss der Warburger Rat treffen. Und da dürfte es noch einiges zu diskutieren geben. Denn die Baukosten liegen nach einer ersten, aber nach Meinung der Experten schon recht genauen Schätzung, zwischen 23,2 und 26,5 Millionen Euro. Mögliche Preiserhöhungen sind da noch nicht berücksichtigt. Allerdings auch noch keine möglichen Zuschüsse von Bund oder Land, die bei maximal 6 Millionen Euro liegen könnten.

Eine Stellschraube, um die Kosten zu senken, ist die Saunalandschaft. Die würde allein 3,5 Millionen Euro kosten, zuzüglich Lärmschutz an den Parkplätzen in Höhe von 720.000 Euro. Bliebe hingegen das 50-Meter-Becken im Freibad erhalten, würde das etwa 1,1 Millionen Euro mehr als bislang geplant kosten, zuzüglich deutlich höherer Betriebskosten.

Drei Edelstahlbecken sollen im neuen Gebäude Platz finden. Das Schwimmerbecken soll durchgehend 1,80 Meter tief sein und einen Sprungturm haben. Foto: KRIEGER Architekten | Ingenieure GmbH

So oder so: viel Geld. Dafür würden die Warburger aber auch einiges bekommen, wie Architekt Thomas Kalman vom Büro Krieger aus Velbert darstellte. Das neue Hallenbad würde seinen Plänen zufolge ein moderner Bau mit viel Glas und Lärchenholz, der etwas unterhalb des heutigen Eingangs in den Berg gebaut würde. Trotz einer Gebäudehöhe von mehr als acht Metern sei es niedriger als die heutige Bebauung. „Es ist ein Objekt, das so nirgendwo steht und das so auch nur an diesem Standort möglich ist“, berichtete der Architekt, dessen Büro bereits 260 Schwimmbäder, vor allem kommunale, geplant hat. 

Thomas Kalman vom Büro Krieger aus Velbert hat die Pläne für den Bäderbau vorgestellt. Foto: Jürgen Vahle

Im Inneren des Gebäudes soll es drei Edelstahl-Becken geben: ein 1,80 Meter tiefes und 25 Meter langes Schwimmerbecken mit Sprungturm, ein Lehrschwimmbecken (8 mal 12 Meter) mit einem Hubboden für Schwimmkurse und Wassergymnastik sowie ein Eltern-Kind-Bereich mit Babybecken und einem Aufenthaltsbereich.

Daneben sind in dem Neubau auch großzügige Umkleidekabinen, Sozialräume fürs Personal, eine Gastronomie und die gesamte Technik im Keller geplant. Für Schulen und Schwimmvereine soll es einen eigenen Eingang geben. Der zunächst geplant Saunatrakt würde sich in etwa an der Stelle befindet, an dem heute das Umkleidegebäude steht. Aus dem Neubau ginge es ebenerdig in Richtung Freibad.

Das Freibad selbst soll im Zuge der Sanierung verkleinert werden. Das Becken wäre dann nur noch 25 Meter lang und hätte fünf Bahnen. Einen Sprungturm gäbe es im Außenbereich nicht mehr, dafür aber eine sanierte Panoramarutsche. Das Planschbecken auf dem Gelände bliebe erhalten. Umkleidekabinen und Räume für die Schwimmmeister würden neu errichtet.

Viele Stühle blieben leer: Nur etwa 70 Besucher kamen zur Vorstellung der Bad-Pläne, die zuvor von mehr als 800 Warburgern bei einer Online-Abstimmung abgelehnt worden waren. Foto: Jürgen Vahle

In der angeregten Diskussion nach Ende der Präsentation der Pläne gab es vor allem zwei große Kritikpunkte. Viele Redner hielten den Saunatrakt für überflüssig. Der Trakt dürfte wohl auch keine Mehrheit im Rat finden. Das war Teilnehmern zufolge bereits in der Sitzung der AG Bad am Montag deutlich geworden. In dieser AG kommen Vertreter aus Politik und Verwaltung, von Vereinen, Schulen und aus der Nachbarschaft des Waldbades regelmäßig zusammen. Die Sauna müsste pro Jahr 40.000 Besucher haben, um kostendeckend zu sein. Selbst Prozess-Planer Jens-Wilhelm Brand riet daher von einer Saunalandschaft ab. Er glaubt, dass maximal 20.000 Saunierer pro Jahr realistisch sind.

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Zweiter großer Kritikpunkt war die Größe des Freibadbeckens. Die meisten Redner wollten es unbedingt erhalten wissen. Sie wiesen auf den Bedarf im Sommer hin und machten deutlich, dass bei der derzeit geplanten Größe ein vernünftiges Schwimmen an vielen Tagen gar nicht möglich sei. Da die Sommer zunehmend heißer würden, sei eine Größenreduzierung zu überdenken. Auch der fehlende Sprungturm war manchen ein Dorn im Auge. Das Bad würde für Jugendliche und Familie insgesamt deutlich an Attraktivität verlieren.

Vor allem die Verkleinerung des Freibad-Beckens wurde teils heftig kritisiert. Foto: KRIEGER Architekten | Ingenieure GmbH

Schnell wurde bei der Präsentation auch klar, dass eine Sanierung des alten Hallenbads am Schulzentrum nicht mehr möglich ist. Auch das hatten im Vorfeld einige gefordert. Jens-Wilhelm Brand verglich die Technik dort mit einem Oldtimer, der jederzeit bei einer Ausfahrt liegen bleiben könnte. Man müsse sich freuen, wenn die Badtechnik am Schulzentrum bis Ende der Bauarbeiten im Mai 2026 durchhalte. Eine Kernsanierung oder ein  kompletter Neubau an alter Stelle sei einfach nicht mehr möglich. Jens-Wilhelm Brand appellierte an die Warburger Entscheidungsträger: „Wenn Sie es machen, dann machen Sie es richtig. Gerade vor dem Hintergrund des Umweltschutzes.  “

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