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Im Warburger Museum im „Stern“ wird Sonntag eine besondere Ausstellung eröffnet

So lebten die Warburger vor 7000 Jahren

Warburg

Einen Blick in das Leben in der Warburger Börde vor rund 7000 Jahren können Besucher von Sonntag in im Museum im „Stern“ werfen. Unter Mitarbeit des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) zeigt eine Ausstellung mit dem Titel „5000 v. Chr. - Das Gräberfeld von Warburg-Hohenwepel“ einzigartige Fundstücke, die bei Ausgrabungen der Archäologen der Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) zwischen 2011 und 2018 ans Tageslicht kamen.

Bearbeitet von Jürgen Vahle

Ein Überblick über die Ausgrabungen: Die dunkeln Verfärbungen verraten die Lage der entdeckten Bestattungen. Foto: LWL-AfWL/M. Hahne

„Die Grabungen am Gräberfeld Hohenwepel beschäftigen uns schon eine ganze Weile. Es ist toll zu sehen, dass unsere Ergebnisse nun für alle Interessierten spannend aufbereitet werden und die Öffentlichkeit an ihnen teilhaben kann“, freut sich Prof. Dr. Michael Rind, Direktor der LWL-Archäologie. Schließlich sei es das erste Gräberfeld dieser besonderen jungsteinzeitlichen Kultur in Westfalen, der Fundplatz daher etwas ganz besonderes, so Rind weiter.

Vor 7000 Jahren erreichte eine neue Lebens- und Wirtschaftsweise Mitteleuropa, weiß LWL-Archäologe Dr. Hans-Otto Pollmann: „Nicht mehr die Jagd auf Wildtiere, Fische und das Sammeln von Wildfrüchten bestimmte das Leben der Menschen. Ackerbau und Viehzucht, die Herstellung von Keramikgefäßen, Steinbeilen und die dauerhafte Niederlassung in dorfartigen Siedlungen begann das Leben der Menschen zu prägen.“

In den Gräbern aus der Warburger Börde ist sehr selten die Lage der Bestatteten erhalten. Hier lässt sich noch sagen, dass der oder die Tote auf der Seite lag. Foto: LWL-AfWL/M. Hahne

Diese neue Lebensweise wurde von Einwanderenden aus Südosteuropa bis in die Warburger Börde gebracht. Diese Kulturgruppe früher Bauern wird von Fachleuten aufgrund der typischen Verzierung ihrer der Gefäße als Menschen der Bandkeramik bezeichnet.

Im Rahmen einer Prospektion im Jahr 2011 entdeckte das Team der LWL-Archäologie-Außenstelle Bielefeld bei Hohenwepel ein Gräberfeld. In den nächsten sieben Jahren gruben Experten  es fast vollständig aus.

Es ist das erste bekannte Gräberfeld dieser frühen Bauerkultur in Westfalen und umfasst 134 Gräber mit zahlreichen Beigaben. Hier wurden die Bewohner der jungsteinzeitlichen Siedlung  Großeneder bestattet. Ausgewertet wird das Großprojekt durch den Ausgräber Pollmann: „Die mehr als zehn Hektar große Siedlung von Großeneder zu beiden Seiten des Ederbaches war für die Menschen der Bandkeramik für etwa 400 Jahre eine der zentralen Siedlungen in der Warburger Börde.“ Hier kamen die Menschen in Kontakt und in Austausch mit der einheimischen Bevölkerung der mittelsteinzeitlichen Jäger und Sammler, so Pollmann weiter.

Diese Beigaben fanden die Archäologen in einem der Gräber: oben so genannte Schaber zur Reinigung von Tierhäuten, unten Pfeilspitzen, deren Machart darauf schließen lässt, dass in dem Grab ein Jäger bestattet wurde. Foto: LWL-AfWL/Stefan Brentführer

Die Ausgrabungen in der Siedlung von Großeneder geben Auskunft über das Alltagsleben der frühen Bauern und Viehzüchter. Doch in ihre Glaubenswelten und Jenseitsvorstellungen erhalten die Forscher erst dank der Ausgrabungen des Gräberfeldes Warburg-Hohenwepel tiefere Einblicke.

„Die Ausstellung über das Gräberfeld von Warburg-Hohenwepel ist ein Ausstellungshighlight 2022 für das Museum im Stern“, sagt Museumsleiter Dr. Alexander Schwerdtfeger-Klaus. „Erstmals werden die Funde und aktuellen Forschungsergebnisse der Grabungen präsentiert. Das Gräberfeld, das in Westfalen bislang einzigartig ist, verdeutlicht noch einmal eindrucksvoll die starken Einflüsse der bandkeramischen Kultur in der Warburger Börde.“

Zwei Vorträge begleiten die Schau

Die Auswertung der Funde durch den LWL-Archäologen Pollmann werden vom Sonntag, 10. Juli, an in einer Ausstellung im Museum im „Stern“ in Warburg der Öffentlichkeit präsentiert. Zahlreiche Fundstücke wie Gefäße, Beile, Pfeilspitzen und andere Beigaben veranschaulichen das Leben und den Tod der Menschen dieser Kultur.

Ein Vortrag von LWL-Archäologe Pollmann am Sonntag, 17. Juli,  im Warburger Museum wird in Bildern und Rekonstruktionen das Leben dieser frühen Bauernkultur näher beleuchten. Auf die zugehörige Doppelsiedlung von  Großeneder wird Dr. Fritz Jürgens von der Christian-Albrechts-Universität Kiel in einem weiteren Vortrag am Samstag, 20. August,  eingehen.

Die Ausstellung im "Stern" wird am Sonntag, 10. Juli, um 11 Uhr im Museum im „Stern“ eröffnet. Das Museum im „Stern“ ist täglich außer montags zwischen 14.30 und 17 Uhr geöffnet.

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