1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. OWL
  4. >
  5. Kreis Höxter
  6. >
  7. Stadt will nach Trinkwasser bohren

  8. >

Neuer Brunnen bei Bühne könnte die Notversorgung der Borgentreicher Bevölkerung sicherstellen

Stadt will nach Trinkwasser bohren

Borgentreich

Die Stadt Borgentreich arbeitet an einem „Plan B“, um die Trinkwasserversorgung im Borgentreicher Stadtgebiet auch in einem Notfall weiter gewährleisten zu können. Angedacht ist, mit großem finanziellen Aufwand einen neuen Brunnen zu bohren, um Trinkwasser zu fördern.

Von Ralf Benner

Die Stadt Borgentreich wird seit gut 45 Jahren von der Stadt Trendelburg mit Trinkwasser versorgt. Dies ist auch weiterhin erforderlich. Im Notfall könnte nun aber ein neuer Trinkwasserbrunnen die Bevölkerung kurzfristig versorgen. Foto: Ruben Emme/True Design

Beim Bruch der alten Wasserleitung von Trendelburg nach Borgentreich, die noch aus den 70er-Jahren stammt, oder etwa einem Ausfall von Pumpen hätte die Orgelstadt nämlich ein Pro­blem. „Es darf nicht wieder dazu kommen, dass eine Notversorgung der Bevölkerung über Tankwagen notwendig ist“, sagt Borgentreichs Bürgermeister Nicolas Aisch. In den vergangenen Jahren hatte es immer wieder Störungen bei der Trinkwasserversorgung im Stadtgebiet gegeben.

Sorge vor einer Störung

Seit 1977, also seit gut 45 Jahren, wird Borgentreich von der Stadt Trendelburg mit qualitativ gutem Trinkwasser versorgt. Dies war notwendig, da sowohl das bakteriologische und chemische Untersuchungsergebnis des Gesundheitsamts wie auch die geologischen Befunde eine Versorgung durch eigene Brunnen nicht zuließen. 2017 war der Liefervertrag mit der Stadt Trendelburg verlängert worden, um die Wasserversorgung für Borgentreich bis zum Jahr 2050 zu sichern.

Die zentrale Versorgungsleitung von Trendelburg nach Borgentreich ist insgesamt 18 Kilometer lang und führt vom Hochbehälter Friedrichsfeld durch das Diemeltal über die drei Pumpen der Druckerhöhungsanlage Deiselberg (zwischen Manrode und Trendelburg gelegen) zum Hochbehälter Hoher Berg in Bühne. Dieser Hochbehälter hat ein Speichervolumen von 1500 Kubikmetern. Von hier aus läuft das Wasser in natürlichem Gefälle, aber auch teilweise über Druckleitungen, in die Hochbehälter im Stadtgebiet und weiter in die Ortschaften.

„An der Versorgungsleitung aus Trendelburg und den Pumpen auf dem Deiselberg hängt somit die ganze Trinkwasserversorgung im Stadtgebiet“, macht Martin Grone, Kaufmännischer Leiter der Stadtwerke Borgentreich, deutlich. Die Sorge, dass es in diesem Bereich zu einer gravierenden Störung kommen könnte, ist vorhanden. Schon einmal war eine der drei Pumpen am Deiselberg ausgefallen.

Brunnen bis 100 Meter tief

Im Auftrag der Orgelstadt hat das Kasseler Unternehmen Geonik GmbH daher nun mögliche Trinkwasservorkommen im Borgentreicher Stadtgebiet sowohl in qualitativer als auch in quantitativer Hinsicht näher betrachtet. Im Betriebsausschuss ist das Ergebnis dieser hydrogeologischen Vorstudie am Dienstagabend vorgestellt worden. Die Experten sind fündig geworden und haben einen möglichen Trinkwassererschließungspunkt in Bühne, an der Landesstraße in Richtung Haarbrück, ermittelt.

Dort könnte nach Ansicht der Fachleute ein bis zu 100 Meter tiefer Brunnen gebohrt werden, um den für die Versorgung wichtigen Hochbehälter Hoher Berg im Notfall von dort aus mit Wasser beliefern zu können. „Auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten wäre dieser Standort ideal“, ist Martin Grone auch mit Blick auf die räumliche Nähe zum Hochbehälter überzeugt. „Wir brauchen Versorgungssicherheit.“ Er rechnet, grob geschätzt, mit Kosten von etwa 500.000 Euro für den Brunnenbau. Nicht mitgerechnet die Transportleitung zum Hochbehälter, die neu gelegt werden müsste.

In den Ratsfraktionen soll das Ergebnis der Studie nun zunächst beraten werden, um dann in den städtischen Gremien über das weitere Vorgehen zu entscheiden.

Rohrbüche erregen Aufsehen

Immer wieder sorgen Rohrbrüche oder kaputte Anschlüsse in Borgen­treich für Aufsehen. Die Leitungspläne waren in früheren Jahren oft nur sehr lückenhaft gepflegt worden. Vor allem Stellen, an denen Häuser an die Versorgungsleitungen angeschlossen wurden, sind oft unbekannt.

Aufgrund der Vielzahl der Ereignisse wurde 2018 sogar eine eigene Tiefbaukolonne gegründet. Der gravierendste Vorfall ereignete sich im Januar 2016. Grund war ein gebrochenes Rohr in der Ringleitung nahe des alten Borgholzer Bahnhofs. Betroffen waren Borgholz, Natzungen, Natingen und Drankhausen mit rund 2350 Einwohnern. Bis das Rohr repariert war, transportierte ein Tankwagen Wasser aus Borgentreich in die Orte.

Startseite