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Prozess: Bauer aus Ottenhausen will Verurteilung wegen Verstoßes gegen Tierschutzgesetz nicht akzeptieren

Alles Öko oder Rinder schlecht gefüttert?

Steinheim-Ottenhausen/Paderborn (WB). Hat ein Landwirt aus Ottenhausen seine Rinder gequält, indem er sie zu wenig gefüttert hat? Das ist die zentrale Frage in einem Prozess am Landgericht Paderborn.

Ulrich Pfaff

In einem Prozess vor dem Landgericht geht es um den Vorwurf, ein Bauer habe seine Rinder (Symbolfoto) schlecht gefüttert. Foto: dpa

Und es dürfte kein einfaches Verfahren werden, wie der erste Prozesstag zeigte: Viele Einschätzungen der an dem Fall Beteiligten sind unterschiedlich.

Dass der Bauer aus Ottenhausen in Paderborn vor dem Landgericht sitzt, ist sein eigener Wunsch: Er hat Berufung eingelegt gegen ein Urteil des Amtsgerichts Brakel. Das hatte ihn im Februar 2016 wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz zu einer Geldstrafe von 2500 Euro verurteilt. Nun verhandelt die 4. Kleine Strafkammer des Gerichts in zweiter Instanz.

Konkret geht es um einen Zeitraum von Februar bis April 2015, in dem das Kreisveterinäramt Höxter bei dem jetzt 67-Jährigen mehrere Jungrinder entdeckt hatte, die auffällig stark abgemagert gewesen sein sollen. Das Amtsgericht hatte geurteilt, dass die Rinder aufgrund von mangelnder Ernährung nicht nur zu klein gewesen seien, sondern untypisch wenig Fettreserven und Entwicklungsverzögerungen aufgewiesen hätten.

Dies sei eine Folge der Missachtung einer Ordnungsverfügung des Kreises Höxter gewesen, der bereits zuvor den Ernährungszustand der Tiere bemängelt und Festlegungen getroffen habe, diesen zu verbessern. Der Grund laut Urteil: Der Landwirt habe die Gabe von Kraftfutter verweigert, um seine Klassifizierung als Öko-Hof nicht zu verlieren.

»Schmächtig nicht schlimm«

Tatsächlich vermittelte bereits der Prozessauftakt einen Vorgeschmack auf die Komplexität des Falles – in dem es nicht nur um fachliche Einschätzungen geht, sondern offensichtlich auch um grundlegende Meinungsverschiedenheiten.

Der 67-Jährige selbst betonte, in der Rinderzucht seit 1990 ökologisch zu arbeiten. Seine 55 Rinder würden ausschließlich auf eigenen Weiden gehalten und außerhalb der Weidesaison mit Silage auf eigener Mahd gefüttert. »Das ist eine Versorgung, wie man das vor 100 Jahren gemacht hat.«

Dass die Tiere etwas schmächtiger seien als die aus konventioneller Haltung, sei nicht weiter bedenklich: Die Fleischqualität sei besonders gut und werde von allen Kunden gelobt.

Der Landwirt gab jedoch auch die Vorgeschichte des Falles zum Besten, die sichtlich an seinem Nervenkostüm gezerrt haben muss: Mehrfach den Tränen nahe, schilderte er, dass er seit 2008 vielfach Probleme mit den Kreisveterinären aus Höxter gehabt habe, die ihm »am laufenden Band« Vorwürfe gemacht hätten.

Er habe sich im Zeitraum der vorgeworfenen Taten sehr wohl an die Ordnungsverfügung gehalten, habe aber auf die Zufütterung von Kraftfutter verzichtet, weil dies nicht den strengen ökologischen Vorschriften entspreche.

Ob etwa der Hafer, den er stattdessen gefüttert haben will, den Vorstellungen des Veterinäramtes entsprach, war einer der Punkte, der im Gerichtssaal kontrovers diskutiert wurde.

Eine Vertreterin des Kreises als Zeugin sprach von für sie eindeutig erkennbar unterernährten Tieren, unter anderen hätten diese aufgetriebene Bäuche gehabt, was man als Hungerödem aufgrund von Eiweißmangel sehen könne. Sie erklärte, Hafer zuzufüttern, um qualitative Mängel beim Futter auszugleichen, sei für Rinder nicht ausreichend – dort bohrte der vom Gericht bestellte Sachverständige nach und vertrat die gegenteilige Auffassung.

Veterinäre gerügt

Der Fachmann aus Berlin rügte auch das Vorgehen der Veterinäre bei der Entnahme von Futterproben als »nicht ordnungsgemäß«. Der Tierarzt, der den Hof Jahrzehnte lang betreute, sagte mit Bezug auf die körperliche Konstitution der Rinder: »Das ist kein Maststall« – aber die Tiere seien doch zu mager gewesen.

Das Landgericht wird noch mindestens zwei Prozesstage benötigen, um die Wahrheit herauszufinden. Am 24. Mai und 7. Juni soll weiter verhandelt werden.

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