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»Offener Brief« des früheren Heimatvereinsvorsitzenden Werner Schroeder aus Steinheim-Vinsebeck

Appell: »Keine Windkrafträder im Steinheimer Becken«

Steinheim (WB). Es geht um einen neuen Windpark mit fünf Anlagen, die je eine Gesamthöhe bis zu 241 Metern haben. Im »Steinheimer Becken« sollen sie gebaut werden – das möchte der Antragssteller, die »EnBW Windkraftprojekte GmbH« aus Stuttgart. Dazu erreichte uns ein »Offener Brief« des ehemaligen Vorsitzenden des Heimatvereins Vinsebeck, Werner Schroeder.

Symbolfoto. Foto: Harald Iding

»Als ehemaliger Heimatvereinsvorsitzender mache ich mir große Sorgen um die Zukunft unserer Dörfer. Denn wenn wir einen Windpark direkt vor die Nase gesetzt bekommen, ist das nicht nur ein gravierender Eingriff in eine ohnehin schon belastete Kulturlandschaft. Es ist auch eine Maßnahme, die die gesellschaftlichen Strukturen unseres Dorfes negativ beeinflussen wird.

Dazu gebe ich zu bedenken, dass der Kreis Höxter, mit seinen (und umliegenden) relativ kleinen Ortschaften, nicht zuletzt aufgrund des demographischen Wandels und von der Abwanderung junger Erwachsener sowie dem damit zunehmenden Anteil älterer Menschen stark betroffen ist. Hinzu kommt, dass zukünftig viele Häuser in den Kommunen leer stehen werden und sich neue Eigentümer nicht immer leicht finden lassen. Es bedarf also zunehmender Anstrengungen, um die Dörfer nicht zu Geisterorten verkommen zu lassen.

Elf Anlagen in der näheren Umgebung

Jetzt sollen aktuell noch fünf weitere Windräder mit einer Höhe von 241 Meter im Steinheimer Becken, in einem Abstand von 1000 Meter zu den Ortschaften Ottenhausen, Vinsebeck und Eichholz aufgestellt werden. Hinzu kommen noch weitere sechs Windräder mit gleicher Höhe, die man an der Grenze von Belle zu Steinheim, auf der lippischen Seite, errichten will. Der Abstand zu den nächstgelegenen Wohnhäusern beträgt gerade einmal 691 Meter. Somit haben wir einen Windpark mit elf riesigen Windrädern. Explizit sei angemerkt, dass es sich dabei um die höchsten handelt, die jemals in Deutschland errichtet worden sind.

Nur geringe Windgeschwindigkeiten

Wie mächtig sich diese drehenden Kolosse in den Fokus der hier lebenden Menschen drängen werden, wird am folgenden Vergleich deutlich: Der Kölner Dom hat eine Höhe von 157 Meter, der Eifelturm ist 300 Meter hoch. Die neuen elf Windräder liegen mit 241 Metern nur wenige Meter darunter. Und bitte nicht vergessen: Das passiert unmittelbar vor unserer Haustür – und das hat vermutlich für mindestens 50 Jahre Bestand.

Warum aber, so fragt man sich, warum muss das sein? Das Steinheimer Becken ist wahrlich nicht geeignet für den Bau solcher Riesen, denn es herrschen dort nur geringe Windgeschwindigkeiten, die zu einer Auslastung von maximal 15 bis 20 Prozent der Stromerzeugung führen werden. Ist das vielleicht rentabel? Deshalb darf man wohl auch die Frage stellen, ob hier nicht das finanzielle Interesse Einzelner im Vordergrund steht und die Belange der Allgemeinheit ignoriert werden?

Schäden für Natur und Bevölkerung

Mit der Errichtung des Windparks kommen unübersehbare Schäden für die Bevölkerung, auf die Natur und somit auf uns alle zu. Schäden, die irreparabel sind und die die Lebensqualität vieler Menschen und anderer Erdbewohner beeinträchtigen.

Außerdem werden Grundstückspreise fallen, Häuser werden schwer oder gar nicht mehr zu verkaufen sein. Die Orte werden vergreisen. Das Vereinsleben wird zusammenbrechen, da keine Mitbürger mehr da sind, mit denen sich das dörfliche Miteinander leben und gestalten lässt.

Durch die überdimensionierten Anlagen können gesundheitliche Schäden für die Bevölkerung auftreten, die heute noch nicht absehbar sind. Dass die Natur Schaden nehmen wird, das wissen wir bereits. Geschredderte Rotmilane, Eulen, Fledermäuse und Insekten sind beredte Beispiele. Aktuell weist der NABU auf eine Studie hin die besagt, dass ein klarer Zusammenhang zwischen der Windraddichte und Milan-Entwicklung besteht. Wir werden die Vögel wohl schon bald vermissen. Doch dann ist es vermutlich zu spät.

Schöne Landschaft

Und das Steinheimer Becken, das wir alle immer geschützt haben und auf das wir stolz sind, weil es eine so schöne Landschaft ist, wird komplett zerstört werden. Sind die paar Windriesen das wert?

Hier sollten wir uns nicht mit Abwarten aufhalten, sondern jetzt aktiv werden. Wir müssen alle gemeinsam nach neuen Lösungen und neuen Standorten suchen. Es wird sicherlich noch andere Flächen geben, mit höheren Windgeschwindigkeiten, wodurch sich höhere Erträge erzielen lassen, und wo die Landschaft nicht so gravierend zerstört wird. Schauen wir einmal von oben auf unseren Kreis Höxter und denken wir darüber nach, wie sehr er sich in den letzten Jahren schon zu seinem Nachteil verändert hat. Wer es nicht glaubt, der sollte das neue Buch von Dr. Tanja Busse lesen. Der Titel ›Das Sterben der anderen‹ macht deutlich, wohin wir mit unserem, alles dem Profit unterordnenden Handeln gekommen sind.

Appell an Politik und alle Heimatvereine

Und was ist, wenn die Warte- und Einwandfrist für die Genehmigung der neuen Windkraftriesen am 16. Dezember 2019 ausgelaufen ist? Gehen dann die Schubladen auf und es ist beschlossene Sache? Heute sind die Planungen für dieses Vorhaben schon so weit, dass bereits die sofortigen Straßenplanungsmaßnahmen zum Bau der Anlagen angegangen werden können.

Ich appelliere hiermit an alle politischen Parteien in allen Ortschaften, an die Stadtverwaltung und an den Bürgermeister sowie die Heimatvereine, die Ortsheimatpfleger und alle anderen Entscheidungsträger, sich für eine Lösung einzusetzen, mit der wir Menschen und die zu unserem Lebensraum gehörenden Lebewesen leben können.

Das Wohl und die Gesundheit der Menschen sollten ebenso im Vordergrund stehen wie der Erhalt unserer noch schönen Landschaft und der noch zu rettenden Natur. Wie heißt es doch in der Weissagung der Cree Indianer: ›Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.‹

Muss es tatsächlich soweit kommen, dass wir erst dann merken was wir zerstört haben, wenn wir vor lauter Windrädern den Wald nicht mehr sehen?

»Nicht tatenlos zuschauen«

Diejenigen, die hier mit den Windkraftanlagen viel Geld verdienen, wird es vermutlich kaum stören, denn sie können ja dann nach Bayern umsiedeln. Denn dort verhindert man den Bau von Windriesen, weil man den Wert der Natur und der schönen Landschaft noch zu schätzen weiß.

Schauen wir hier auch nicht tatenlos zu, sondern zeigen wir allen ganz deutlich, dass wir nicht bereit sind, die Zerstörung des Steinheimer Beckens so einfach hinzunehmen.

Ich kämpfe nicht für mich, ich kämpfe für diejenigen, die nach uns kommen. Und ich bin fest davon überzeugt, dass sie es wert sind, dass wir uns die Verantwortung für ihre Zukunft nicht einfach aus den Händen nehmen lassen.

Ich hoffe auf Sie alle. Helfen Sie mit, das Steinheimer Becken in seiner bisherigen Schönheit und natürlichen Vielfalt zu erhalten.«

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