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Fünfter „Move für Dementia“ in Steinheim findet dezentral statt

Das Vergessen nicht vergessen

Steinheim(WB). „Wir haben Corona – aber deshalb ist die Demenz ja nicht verschwunden.“ Annette Wennrich leitet das Steinheimer Helene-Schweitzer-Zentrum (HSZ). Gemeinsam mit anderen Trägern sollte hier im Nachbarschaftzentrum in diesem Jahr zum fünften Mal der so genannte „Move für Dementia“ begangen werden. Auf eine zentrale Veranstaltung muss zum Schutz der vor allem älteren Teilnehmer verzichtet werden. Auf den Tag als Erinnerung daran, dass Demenz weiterhin ein Krankheitsbild für Millionen Menschen in Deutschland ist und eine Belastung für viele Angehörige bleibt, nicht. So wird es statt einer gemeinsamen Feier nun unterschiedliche, dezentrale Veranstaltungen geben.

Ralf Brakemeier

Planen zum fünften Mal ihren „Move for Dementia“ (von links): Annette Wennrich, Leiterin des Helene Schweitzer-Zentrums, Gemeinwesenarbeiterin Karola Schmidt und Antje Hölscher (Selbsthilfegruppe für Angehörige von Demenzkranken). Wegen Corona wird es aber keine zentrale Veranstaltung geben.    Foto: Ralf Brakemeier

Getrennt feiern

International wird der „Move“ am Sonntag, 6. September, gefeiert – das gilt auch für Steinheim. „Wir haben uns dennoch einiges vorgenommen und wollen Aktionen zusammen machen – allerdings ohne uns zu treffen“, sagt Karola Schmidt, Gemeinwesenarbeiterin in Steinheim. Mit dem Helene-Schweitzer-Zentrum sind auch das St.-Rochus-Seniorenheim in Steinheim und die Selbsthilfegruppe für Angehörige Demenz-Erkrankter von Antje Hölscher in Sandebeck mit von der Partie. In den vergangenen Jahren hatte es bunte Treffen im und am Nachbarschaftszentrum gegeben. Spiele- oder Malaktionen für Demenz-Patienten und andere Besucher gehörten ebenso dazu, wie Information zum Thema und das gegenseitige Kennenlernen von Betroffenen, Angehörigen oder Interessierten.

Verbundenheit zeigen

Seit Jahren schon haben sich Wennrich, Schmidt, Hölscher und die Leiterin des St.-Rochus-Seniorenheims, Bernadette Linhoff, dafür eingesetzt, das Thema Demenz aus der Anonymität in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu transportieren. Neben dem jährlichen „Move for Dementia“ wurden unter anderem gemeinsame Singnachmittage durchgeführt oder ein Info-Stand auf dem Steinheimer Wochenmarkt errichtet. „Auf diese Weise wollen wir die Verbundenheit mit allen Steinheimern mit und ohne Demenz dokumentieren“, sagt Antje Hölscher.

Depression droht

Annette Wennrich: „Wir müssen an die Menschen denken, deren Bedürfnisse sich auch in der Corona-Krise nicht geändert haben“. Besonders schwer sei es für Patienten im Anfangsstadium der Demenz. „Sie vergessen immer wieder, warum sie mit Einschränkungen Leben müssen. Viele führt das in die Depression“, ergänzt Karola Schmidt. Sie seien bereits durch ihre Krankheit eingeschränkt und müssten nun mit weiteren Einschränkungen leben. Darüber komme es auch immer wieder zum Streit mit Pflegenden und Angehörigen. Weniger schwer sei es offensichtlich für Menschen auf dem Höhepunkt der Demenz. Sie lebten zum größten Teil ohnehin in ihrer eigenen Welt und könnten nur durch Intervention von außen aktiviert werden.

Zwei Platzkonzerte

Am Sonntag, 6. September, wird es in den Steinheimer Senioreneinrichtungen zunächst ein Kaffeetrinken geben. Anschließend wird am Helene-Schweitzer-Zentrum der Musikverein Sommersell zu einem Platzkonzert aufspielen. Der Musikverein Vinsebeck-Leopoldstal spielt gleichzeitig für die Bewohner des St.-Rochus-Seniorenheims. Anschließend werden an beiden Standorten bunte Luftballons mit Grußkarten in den Himmel geschickt. Daran beteiligt ist auch die Selbsthilfegruppe von Antje Hölscher in Sandebeck. „Wir schicken auch einen Kartengruß an alle Akteure aus den vergangenen Jahren“, verspricht Karola Schmidt.

Kein Corona-Fall

„Soziale Isolation kann auch am Lebensende krank machen, sie hinterlässt Spuren“, sagt Annette Wennrich. Sie hofft darauf, dass Kontakte auch in den Senioreneinrichtungen unter Auflagen weiter möglich sind. Im HSZ habe es bisher zum Glück keinen Corona-Fall gegeben, so Wennrich. Die Gesundheit aller stehe im Mittelpunkt. Das Pflegepersonal sei in dieser Zeit für Menschen mit Demenz besonders da. Wennrich: „Wir machen weiter und hoffen auf das nächste Jahr.“

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