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„Man teou“ und „Olle meh“ begeistern am „digitalen“ Rosenmontag 2021 in Steinheim und Nieheim – tolle Stimmung und bunte Vielfalt

„Eisfreie Umzüge“ reißen die Narren mit

Steinheim/Nieheim

Dieser Rosenmontag 2021 wird in die Geschichtsbücher eingehen! Auch wenn die Corona-Pandemie Deutschland weiter fest im Griff hat und bei den Karnevalisten in der Region wie Steinheim und Nieheim für ganz neue Regiebücher sorgte, so ist als Höhepunkt dieser außergewöhnlichen Session, der „närrische Lindwurm“, in den Hochburgen neu interpretiert und präsentiert worden.

Harald Iding

Die Steinheimer Karnevalsgesellschaft freut sich jedes Jahr über mehr als 20.000 Jecken, die den Straßenkarneval genießen. In diesem Jahr hat sie wegen Corona allen Fans einen digitalen „Zuch“ mit Aufnahmen von früher präsentiert. Hier eine Archivaufnahme aus Steinheim von 2014 (Foto: Iding).

Dass die Emmerstädter mit ihrem Hit „Steinheim meine Heimatstadt“ viele Fans des närrischen Brauchtums sogar bis zum Rhein haben, das zeigte sich an der großen Jecken-Hitparade des Westdeutschen Rundfunks am Narren-Festtag. Dort wurden die 100 schönsten Karnevalslieder des Landes vorgestellt. Die Steinheimer Band „Kapelle Kamelle“ erreichte mit ihrer Eigenkreation eine tolle Platzierung weit vorn. Die Hörer hoben sie auf den 35. Platz (von insgesamt 111).

Den Spitzenplatz im Herzen der Narren dürften sich die Steinheimer aber in ihrer Heimat längst sicher sein. Denn die Leidenschaft für das Schunkeln und die Lebensfreude, die in diesem wichtigen, von allen Generationen gelebten Brauchtum seit Jahrzehnten zum Ausdruck kommt, lockt immerhin bei jedem Umzug der StKG durch den innerstädtischen Ring meist mehr als 20.000 jubelnde Besucher aus den Kreisen Höxter, Lippe und Paderborn an.

Freude auch in der Nachbarstadt Nieheim: Die Karnevalsgesellschaft NKG ist für ihren einzigartigen, von vielen als wunderbar „familiär“ geprägten Rosenmontagszug berühmt, der immer am historischen Rathaus von 1610 vorbeiführt. Aber was tun, wenn die Corona-Auflagen jedes größeres Treffen, jeden Spaß in der Menschenmenge und all die vielen schönen Dinge des Narrentums an diesem Rosenmontag einfach unmöglich machen? Man lässt sich als Team gemeinsam etwas Neues einfallen. Und die Ergebnisse können sich wirklich sehen lassen.

Knapp 19 kurzweilige Minuten lang ist zum Beispiel der „Mini-Rosenmontagszug“ der Weberstadt (Premiere war schon am Sonntag im Netz) – als digitaler Auftritt mit witzigen Einlagen, auf der eigenen Homepage und auf „YouTube“ als weltweites Videoportal. Ein NKG-Sprecher: „Im Vorfeld wurden viele kreative Wagen für den Umzug 2021 gebastelt.“ Es gab großen Zuspruch der Akteure. Alle Fans sollten sich daher den Umzug im Kleinformat nicht entgehen lassen – frei nach dem traditionellen Motto der NKG: „Denn Einigkeit auf Schritt und Tritt, das tut ja gar nicht weh; und wenn de Katt ins Fuer schitt, wö maket Olle meh!“ Da fährt im Festwagen Karnevalspräsident Josef Schunicht vor an dem jubelnden Narrenvolk vorbei, auch das amtierende Prinzenpaar Dirk ­Guse und Marion Krücke (natürlich ebenfalls aus Pappe) winkt freundlich vom Dach eines pinken Wagens.

Eine echte Augenweide im Video sind auch die mitreißenden Beträge der Nieheimer Kindertagesstätten, die sich die Chance nicht haben nehmen lassen, auf ihre Weise die Narren in der Region zu grüßen. Sie stellten gleich unter Beweis, dass man als Jecke gar nicht früh genug mit dem Frohsinn starten kann.

Die Steinheimer haben mit ihrer gestrigen Premiere des digitalen Rosenmontags ein Meisterstück frei Haus geliefert. Die knapp 50-minütige Spezial-Produktion von Kevin Klaes (unterstützt von Andreas Waldhoff, Frank Klose und Jürgen Stehr am Mikrofon) war von der ersten bis zur letzten Minute echte Spitzenklasse und unterhaltsam. Es hat als Zuschauer richtig Spaß gemacht, live dabei zu sein – und an einer Zeitreise teilzunehmen, die es so noch nicht gegeben hat. Pünktlich setzte sich am Nachmittag der Steinheimer „Zuch“ in Bewegung. Es gab am laufenden Band über den Live-Chat herzliche Grüße. Als erster Akteur trat Karnevalspräsident Dominik Thiet vor die Kamera: „Liebe Närrinnen und Narren. Es ist Montag, 14.11 Uhr. Wir grüßen Euch alle an den Bildschirmen mit einem kräftigen Man teou!“

Auch wenn die StKG in dieser Session nicht „den geliebten Rosenmontagszug“ wie sonst üblich mit allen Fans feiern konnte, so bedankte sich die Karnevalsgesellschaft doch bei allen Akteuren dafür, dass sie in den vergangenen Jahren für unzählige, kreativ gestaltete Karnevalswagen und farbenfroh kostümierte Fußgruppen gesorgt hätten.

Thiet: „Danke auch an die Besucher. Dass Ihr immer dabei seid und die ausgelassene Fröhlichkeit mittragt!“ Mit einem historischen Einblick der Rosenmontagszüge begann das TV-Spezial. Beim Lied „Steinheim Man teou ist der Schlachtruf von ganz Ostwestfalen“ macht der „Lindwurm der Freude“ im Jahr 1981 Halt. Es ist wunderbar, die alten Aufnahmen erleben zu dürfen. „Rosenmontag – das ist mein Tag, weil ich Karneval so mag“ singen später die Jüngsten. Und der Karnevalsprinz von 2000, Udo Obermann („Magister der schönen Künste“), ruft in einem der Beiträge von früher allen Jecken überglücklich zu: „Ich liebe Euch alle!“

Besser kann man die Leidenschaft nicht ausdrücken. Zum Abschluss wurde noch der Rosenmontag 2020 gezeigt, als Corona noch kein Thema war. Jetzt hoffen alle auf 2022 und einen Neuanfang.

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