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Steinheimer Autorin Sandra Brökel finanziert Stolpersteine in Tschechien

Gemeinsam gedenken

Steinheim (WB). Es ist ein bewegender Sonntagvormittag gewesen: 13 Stolpersteine im Gedenken an in Theresienstadt und Auschwitz ermordete Juden hat die Steinheimer Autorin Sandra Brökel nun in Tschechien enthüllt.

Beim Verlegen der Stolpersteine im Norden von Tschechien (von links): Karel Prošek (Ideengeber), Sandra Brökel (Buchautorin), Oldrich Láta (Vorsitzender der jüdischen Gemeinde) und Josef Kusebauch (Bürgermeister der Stadt Karbitz). Foto: Privat

Aufarbeitung der gemeinsamen Geschichte

In ihrem Roman »Das hungrige Krokodil« hatte Brökel sich auch mit den Gräueltaten der Deutschen in Tschechien während des Zweiten Weltkriegs beschäftigt (wir berichteten).

Sie lebten einst friedlich in der nordböhmischen Kleinstadt Karbitz, heute Chabařovice. »Das waren die guten Deutschen«, erklärte Karel Prošek, »sie waren gebildet und leisteten wertvolle Arbeit für das Miteinander.« Doch wegen ihres jüdischen Glaubens wurden sie deportiert und ermordet. Heute leben in diesen Häusern Tschechen. Nicht alle wissen um die Vergangenheit, denn die Aufarbeitung des dunkelsten Kapitels europäischer Geschichte hat hier nicht so einen hohen Stellenwert wie in Deutschland.

Erlös von Lesungen gespendet

Die Geschichte der Juden in Karbitz wurde erst jetzt aufgearbeitet. Karel Prošek ist ein junger Familienvater, Sohn eines Tschechen und einer deutschen Mutter. In seiner Freizeit beschäftigt er sich mit der Geschichte seiner Heimat, verfasste diverse Chroniken der Ortschaften, ist in der Gegend als engagierter und akribischer Hobbyhistoriker bekannt. Er begutachtete vor rund einem Jahr das Manuskript zum Familienroman »Das hungrige Krokodil« von Sandra Brökel und bescheinigte, dass das Buch einen wertvollen Beitrag zur Deutsch-Tschechischen Verständigung leiste. Das Honorar für sein Gutachten, das der Verlag ihm zahlte, wollte er spenden. So kam die Idee des Stolpersteinprojektes in Karbitz. Sandra Brökel spendete ihre Honorare der Lesungen in Steinheim, darüber hinaus fanden sich weitere Menschen, die einen Stolperstein bezahlten. So kam die beachtliche Zahl von 13 Steinen zusammen.

Die jüdische Gemeinde, vertreten durch ihren Vorsitzenden Oldrich Láta, betonte, dass es ein wichtiges Zeichen sei, dass die ersten Stolpersteine durch Deutsche finanziert wurden. Auch der Bürgermeister der Kleinstadt, Josef Kusebauch, dankte, dass Franz-Gerd und Sandra Brökel die weite Reise von Steinheim nach Karbitz angetreten hatten.

»Generationen tragen Verantwortung für Zukunft«

Vor jedem einzelnen Haus erfuhren die Teilnehmer des Festaktes die Geschichte der ehemaligen Bewohner. Wie die des geschätzten Stadtarztes Dr. Schmied, der sich jahrelang um die Bevölkerung kümmerte, und dann am 12. Dezember 1944 im nahe gelegenen KZ Theresienstadt ermordet wurde – nur wegen seines jüdischen Glaubens. »Die Geschichte darf sich nicht wiederholen«, mahnen die Organisatoren, »umso schöner, dass heute Deutsche und Tschechen, Juden und Christen gemeinsam der Opfer gedenken.«

Sandra Brökel und ihr Mann Franz-Gerd waren sehr berührt von der rund zweitstündigen Feierstunde. »Ich freue mich sehr, dass durch den Roman noch weitere kleinere Projekte angestoßen wurden und werden«, so Sandra Brökel. Die Autorin: »Meine Generation und die folgenden tragen keine Verantwortung an den Ereignissen der Vergangenheit. Wohl aber für die Zukunft.«

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