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Steinheimer SPD will »illegales Handeln« von Landwirten prüfen

Gesetzesbruch am Wegesrand?

Steinheim (WB/thö). Werden in Steinheim zehn Hektar Wegeseitenränder von Bauern illegal bewirtschaftet? Diese Frage wirft die SPD im Stadtrat auf und verweist auf den Kreis Coesfeld, wo sich ein entsprechender Verdacht bestätigte. Zur Aufklärung soll jetzt die Stadtverwaltung beitragen.

Feldwege sind im Kataster oftmals breiter eingezeichnet als sie wirklich sind. Die Landwirte ackern nah an die befestigte Fläche heran. Diese »illegal« bewirtschafteten Flächen will die SPD für den Artenschutz zurückholen. Foto: dpa

SPD-Fraktionschef Jürgen Unruhe geht in einem Antrag für die kommende Sitzung des Umweltausschusses am Montag, 4. November, davon aus, dass auch in Steinheim die »landwirtschaftliche Nutzung von Flächen häufig bis an den Rand von befestigten Straßen und Wirtschaftswegen« erfolgt.

Im Klartext: Die Feldwege sind laut Kataster viel breiter als ihre Asphaltdecke und die Landwirte ackern über die Grenze ihrer Äcker hinweg – fast bis an den Asphalt. Weil die Stadt dieses Vorgehen dulde, gingen rechts und links der Wege wichtige Flächen für den Artenschutz verloren.

Wege zurückgewinnen

Der »illegale Ackerbau« auf Flächen der Kommunen stelle damit eine unzulässige Nutzung öffentlichen Eigentums dar, der zur Verdrängung wichtiger Lebensräume von Insekten, Wildpflanzen, Vögeln und kleineren Säugetieren beitrage. »In der Vergangenheit wurde diese Thematik schon im Bauausschuss problematisiert, Maßnahmen zur Rückgewinnung der Wegeseitenränder wurden jedoch nicht ergriffen«, schreibt Unruhe.

Der SPD-Fraktionschef geht davon aus, dass insgesamt mindestens zehn Hektar Fläche Wegeseitenränder von den Landwirten mit geackert werden.

Die Sozialdemokraten möchten darum, dass die Wege zurückgewonnen werden. Das soll nach Möglichkeit in einem »konstruktiven Dialog« mit der Landwirtschaft geschehen. Die Stadtverwaltung soll die gemeindeeigenen überackerten Flächen ermitteln und in einem Kataster darstellen.

In Abstimmung mit der Naturschutzbehörde sollen Maßnahmen vorgeschlagen werden, um aus den Wegrändern »artenreiche Säume, Hecken oder sonstige lineare Vegetationskulturen« zu machen. Ebenso soll mit der Naturschutzbehörde über die Förderung dieser Maßnahmen oder eine Anerkennung als Kompensationsmaßnahme beispielsweise für städtische Bauprojekte verhandelt werden.

Mit Landwirten ins Gespräch kommen

In die Planungen sollen auch nicht mehr genutzte oder nicht mehr erforderliche Feldwege einbezogen werden. Auch sie könnten nach SPD-Sicht in Biotope umgewandelt werden. Wenn die Fakten feststehen, möchten die Sozialdemokraten die Bauern einladen, um mit ihnen Schritte zur Rückgewinnung der überackerten Wegeseitenräume »möglichst einvernehmlich« festzulegen.

Bürgermeister Carsten Torke hat auf den SPD-Antrag bereits reagiert. Auch er sieht bei dieser Thematik die Landwirtschaft als wichtigen Ansprechpartner. Torke verweist darauf, dass derzeit ein »Beschleunigtes Zusammenlegungsverfahren« läuft, um Flächen für die Wohngebietsentwicklung »Steinwarts Feld« und eine angedachte Verlegung der Landesstraße 827 zu gewinnen. Die SPD-Vorschläge und -empfehlungen würden sich insbesondere nach dem Abschluss dieses Verfahrens und dem Erhalt neuer Flächenzuschnitte »mit nachhaltigem Erfolg umsetzen lassen.«

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