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37-Jähriger aus Steinheim muss für siebeneinhalb Jahre in Haft

Hartes Urteil für Tankstellenräuber

Steinheim/Bielefeld

Er war nicht zimperlich: Der 37-Jährige bedrohte Tankstellenmitarbeiter mit einer Schusswaffe, um an Geld und Zigaretten zu kommen. Entsprechend hart fiel auch das Urteil für die Taten in Melle und Gütersloh aus: Siebeneinhalb Jahre Haft verhängte das Landgericht Bielefeld am Montag gegen den langjährigen Drogenkonsumenten aus Steinheim.

Ulrich Pfaff

Mit so einer ähnlichen Waffe (Schreckschuss) hat der Räuber seine Opfer bedroht. Foto: dpa Foto:

Wie berichtet, hatte der 37-Jährige am 19. und 21. Mai 2018 Tankstellen in Melle und in Gütersloh ausgeraubt. Er war jeweils am Morgen bewaffnet und maskiert hineinmarschiert, hatte die Mitarbeiter bedroht und in der Toilette eingeschlossen, bevor er mit der Beute (Bargeld und Zigaretten) verschwand. Anhand seiner auffälligen Sporttasche konnte er später identifiziert werden, als es einen DNA-Treffer gab: Er hatte ein Teil der Tasche bei dem Überfall in Melle verloren.

Es ging ihm um Geld für Drogen. Das erklärte der Angeklagte vor der II. Strafkammer des Landgerichts Bielefeld jetzt in seinem Prozess zwar nicht selbst, aber ein psychiatrischer Gutachter, der sich ausgiebig mit der Persönlichkeit des Täters befasst hatte.

Sein Fazit: Aufgrund seines über 20 Jahre andauernden Drogenkonsums hatte der zuletzt in Steinheim wohnhafte Mann in seinem Leben kaum etwas auf die Reihe gebracht – den meisten Erfolg hatte er noch auf der kriminellen Schiene, mit der er sich das Geld verschaffte, um Amphetamin, Kokain und Marihuana zu kaufen.

Schule und drei Ausbildungen hatte der Angeklagte im Laufe der Jahre abgebrochen, seit 2005 war er keiner beruflichen Tätigkeit mehr nachgegangen. Dafür beschäftigte er seither ordentlich die Gerichte und in dem Maße, wie die Straftaten heftiger wurden, auch die Justizvollzugsanstalten. Aus mehreren Urteilen hat der 37-Jährige noch Strafreste aus widerrufenen Bewährungen abzusitzen: momentan bis März 2023.

Drogenkonsum

Eine Reihe von Taten liest sich wie die Blaupause zu den Tankstellen-Überfällen in Melle und Gütersloh: 2008 hatte er im Raum Bielefeld Spielhallen, Tankstellen und Geschäfte mit einer Softairpistole im Hosenbund heimgesucht und insgesamt 10.000 Euro erbeutet – acht Jahre Haft bekam er dafür. Auslöser für die Taten: ein Rückfall nach einer abgebrochenen Drogentherapie. Genau so hatte es sich auch 2018 verhalten: Ende 2017 war der Mann aus dem Maßregelvollzug in Marsberg entlassen worden, war zu einer neuen Freundin ins Ruhrgebiet gezogen – und als die Beziehung kaputt ging, sei ihm „nichts anderes eingefallen als die alten Muster“, sprich Drogenkonsum. Schulden bei Dealern hätten ihm erheblich Druck gemacht und im Zusammenwirken mit einer drogenbedingten Psychose habe der Abhängige wohl eine übersteigerte Angst vor Repressalien dieser Dealer entwickelt. Das Ergebnis seien die Überfälle gewesen.

Der Gutachter empfahl dem Gericht eine erneute Unterbringung im Maßregelvollzug, zumal der Angeklagte diesmal sehr therapiemotiviert sei und die bisherigen Versuche bis auf einen frühzeitig gescheitert seien – den letzten Aufenthalt in einer Fachklinik beendete die Polizei im Juni vergangenen Jahres, weil der 37-Jährige zur Verbüßung von Reststrafen verhaftet wurde.

Am Montag (18. Januar) fällte die Strafkammer ihr Urteil: siebeneinhalb Jahre Haft für schweren Raub in zwei Fällen. Nach einem Jahr und drei Monaten „Vorwegvollzug“ muss der Verurteilte eine Drogentherapie im Maßregelvollzug antreten. Bis dahin wird noch einige Zeit vergehen: Er muss zuerst die Reste der alten Haftstrafen absitzen – erst dann läuft die neue Strafe.

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