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Neues Erzählcafé im Steinheimer Museum gut besucht – Blick in heimische Firmen

Möbelbranche im Wandel der Zeit

Steinheim (WB/hai). Im Möbelmuseum Steinheim ist das erste »Erzählcafé« mit vielen interessierten Zuhörern ausgerichtet worden. Eingebunden war die Veranstaltung im Rahmen der Europawoche und des Europäischen Kulturerbe-Jahres.

Sie haben ihr fundiertes Wissen eingebracht (von links): die Podiumsteilnehmer Willi Krawinkel, Albrecht Günther, Moderatorin Dr. Alexandra Bloch Pfister, Werner Geitel und Ursula Spilker. Foto:

»Kulturgut Möbel« im Mittelpunkt

Thema des Podiumsgespräches waren die Steinheimer Produktionen des Kulturgutes »Möbel« im europäischen Kontext: Ein Projekt, das die verbindenden Elemente der europäischen Kultur unter Beteiligung der Bevölkerung hervorhebt.

In der Form eines »Erzählcafés« wurde besonderer Wert auf die individuelle Perspektive von Zeitzeugen gelegt. Ein Sprecher: »Die historische Entwicklung wird immer unterschiedlich wahrgenommen und aus verschiedenen Blickwinkeln unterschiedlich erzählt.«

Ein weiteres Ziel der Veranstaltung war es, das Wissen und die Erfahrungen der Zeitzeugen zu sichern. Deshalb wurde die Veranstaltung aufgezeichnet.

Wie Steinheim weltbekannt wurde

Nachdem die Moderatorin Dr. Alexandra Bloch Pfister vom Münsteraner Büro für Geschichte und historische Kommunikation in das Thema Steinheimer Möbelproduktion als Teil der ostwestfälischen Möbelherstellung eingeführt hatte, berichtete als erste Zeitzeugin Ursula Spilker über die Arbeit ihrer Familienfirma, die hochwertige, teure wie kunstvolle Möbel mit hohem handwerklichem Anteil (beispielsweise flache Relief-Schnitzereien) im Stil des Aachen-Lütticher Barocks herstellte, die allerdings ab 1980 immer weniger nachgefragt wurden – weil sie erstens zu teuer waren und zweitens nicht dem Wandel der Nachfrage entsprachen.

Als Zeitzeuge für Strukturwandel berichtete Albrecht Günther, wie er auf dem Höhepunkt der Krise in das Familienunternehmen Günther einstieg und wie er dann nach der Betriebsaufgabe zum Konkurrenten Schieder Möbel wechselte und dort Einblick in modernste Produktionsweisen gewann. Willy Krawinkel und Werner Geitel, die in den Steinheimer Möbelunternehmen »Strato« und »In Casa« arbeiteten, die sich noch länger am Markt hielten, berichteten von der wachsenden Automatisierung, der Auslagerung der Produktion bereits in den frühen 1980-Jahren nach Polen und dem Vertrieb über unterschiedliche Standbeine.

50 Gäste informieren sich

Nach der Kaffeepause kamen die aktuelle Produktion und zukünftige Herausforderungen zur Sprache. Albrecht Günther brachte zahlreiche Materialproben mit. Er machte deutlich, dass mit Papier und Folien, angebracht auf Spanplatten, unterschiedlichste Platten hergestellt werden könnten, die von Holz nicht zu unterschieden seien – aber wesentlich günstiger herzustellen seien.

Mit einem Team von 15 Leuten arbeitet seine Firma »IMV« von Steinheim aus, nutzt das Know-how, das sich hier über Jahrzehnte aufgebaut hat. Während Entwurf und Vertrieb von Deutschland aus organisiert würden, seien die Schwerpunkte der Produktion in Polen zu finden – insgesamt also ein europäisches Projekt.

Mehr als 50 Personen fanden trotz schönsten Wetters den Weg ins Möbelmuseum und gegen Ende entwickelte sich unter den zahlreich anwesenden Fachleuten eine rege Debatte über Produktionsweisen, den Möbelmarkt und seine Veränderungen, die Vor- und Nachteile der Verwendung von Massivholz sowie Span- und anderen Holzfaserplatten.

Ihr Resümee zum Abschluss: »Es ist immer noch sehr viel Know-how in der Möbelindustrie vorhanden und es wäre zu wünschen, dass dieses längerfristig gesichert werden kann.«

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