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In Steinheim-Ottenhausen wollen Bürger das historische Gebäude mit dem Museum zukunftsfähig machen

Neue Ideen für alte Burg

Steinheim

Sie gilt als die kleine „Schwester“ der großen Burg in Beverungen – dem Wahrzeichen der Weserstadt aus dem Jahre 1332. Aus dem selben Jahrhundert dürfte auch die Bauernburg stammen, die seinerzeit von einem Ottenhäuser Grundherren als ­fester Speicher für „Naturalabgaben“ sowie als Zuflucht für die ihm hörigen Bauern genutzt wurde. Es gibt bauliche Übereinstimmungen mit der Grenzburg in Beverungen – zum Beispiel in der Art der Fenstereinlassungen und Kellerräume.

Harald Iding

Die Bauernburg ist rund 700 Jahre alt - und ein echter „Schatz“ im Bundesgolddorf Ottenhausen. Ein Arbeitskreis im örtlichen Heimatverein mit engagierten Bürgern will das historische Gebäude attraktiver gestalten. Foto: Harald Iding

Doch die wechselvolle Geschichte der Burg (das vermutlich älteste noch bestehende Gebäude des Dorfes) soll nicht als ungenutztes Denkmal enden. Im Gegenteil – es gibt eine engagierte Gruppe im eigenen Ort, die auf die neue „Bauernburg 2.0“ mit modernen Aspekten wie App-Anwendungen setzt.

Es gab Zeiten, da hatte das markante Gebäude im Ortskern drei Stockwerke. „In der obersten Etage lag eine Wohnung, die nur über eine hölzerne Zugbrücke zu erreichen war“, ist in Archiven nachzulesen. Im Laufe der Jahre ist die Burg ein Stockwerk niedriger geworden und hatte Anfang der 80er-Jahre nach einer umfassenden Renovierung (200.000 Mark) unter anderem ein neues Dach bekommen – mit naturroten Hohlfalzziegeln. Der damalige Ortsheimatpfleger Alban Tölle hatte sich zuvor für die Bauernburg stark gemacht. Im November 1975 informierte er die Stadt darüber, dass die Bauernburg durch große Risse im Mauerwerk stark gefährdet sei. Die schweren Kellergewölbe hätten die Außenmauern einfach „zur Seite hin gedrückt“.

Im Juni 1981 erwarb die Stadt Steinheim schließlich die Burg in Erbpacht von der Familie Postert und begann mit der Sanierung der Bausubstanz und dem Innenausbau. 1982 wurde sie unter Denkmalschutz gestellt. Seitdem übernimmt der Heimatverein alle Unterhaltungskosten (jährlich bis zu 1200 Euro). Die Denkmal-Urkunde hängt noch heute im Eingangsbereich – unterschrieben vom damaligen NRW-Ministerpräsidenten Johannes Rau.

Zu dem aktuellen Arbeitskreis „Burg“ im Heimatverein, der als Mieter eine jährliche Pacht an die Kommune zahlt und ein Geschoss auch als Museum nutzt, zählt Carsten Postert, Mitglied des Vorstandes im Heimatverein. Der 36-Jährige betonte im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT: „Wir denken vor allem an eine neue Nutzung der Burg, damit sind einige Umbaumaßnahmen verbunden. Wir sind aber noch in der Konzeptfindung und stimmen die Ideen wie möglichen Maßnahmen zunächst mit verschiedenen Stellen ab.“ So müsse für den Dachboden ein Notausgang über eine Außentreppe hergestellt werden, um die Räumlichkeiten öffentlich nutzen zu können. Auch die Heizung müsste auf den aktuellen Stand gebracht werden.

Es soll eine ganz andere Ausstellungsstrategie geben – weg von der reinen Präsentation von alten Werkzeugen, Werkstatteinrichtungen und heimatlichen Dingen. „Das ähnelt schon dem beliebten Freilichtmuseum in Detmold, dazu wollen wir nicht in Konkurrenz treten“, so Postert, der sich freut, dass sich Bürger auch aus anderen Gruppen des Dorfes in dem Arbeitskreis stark machen. Vom jungen Erwachsenen bis zum Rentner – es sei eine bunte Mischung, alle möchten sich aktiv mit einbringen. „Meine Kindheitserinnerungen sind vor allem das Café in der Burg, dass meine Eltern viele Jahre betrieben haben.“ Als der »Kulinarische Kalender« für Hofcafés in NRW erschien, da gehörte die historische Burg aus dem Bundesgolddorf mit ihrem Flair und dem urigen Gewölbekeller zu den beliebtesten Adressen. Heute ist das Café Geschichte.

Unter dem Arbeitstitel „Heimat-Zeugnis“ gibt es inzwischen ein Förderprogramm des Landes, dass diejenigen finanziell unterstützt mit ihren Projekten, die sich um Orte und Bauwerke als „Zeugen“ ihrer Heimat kümmern. Die Geschichte oder Tradition soll in zeitgemäßer wie interessanter Form aufgearbeitet und präsentiert werden. „Dafür erarbeiten wir gerade einen Antrag“, betont Postert. Eine eigene Burg im Dorf zu haben – dass sei schon etwas Besonderes. „Wir wünschen uns, dass wieder mehr Menschen die Burg besuchen und sie wahrnehmen. Wir möchten sie einfach aus dem Dornröschenschlaf holen – und sie präsenter machen, sowohl für Ottenhausen als auch umliegende Orte.“

Es geht in die Richtung „Erlebnis-Museum“. Postert: „Es soll alles digitaler werden. Vor allem geht es um den Grundgedanken einer Fliehburg oder auch Schutzburg. Dieser Aspekt wird in den Fokus gerückt. Die Flucht vor etwas – das hat heute andere Zusammenhänge als vor 500 Jahren. Das wollen wir in einen zeitgemäßen Kontext bringen und weitere Themen immer wieder aktualisieren.“

So bleibe die Burg stets interessant für Besucher – und die Ausstellungen abwechslungsreich. „Wir hatten Glück und eine Unterstützung durch die Hochschule Detmold. Im Rahmen einer Masterarbeit wurde das Konzept der digitalen Angebote für die Burg ausgearbeitet.“ Vorstellbar sei, dass man Kommunikationsmittel wie Apps für Handys nutzt. Es gibt noch viel zu tun, damit am Ende aus den Ideen ein realisierbares Projekt wird – die Vorfreude im Dorf sei aber schon groß.

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