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„Dialekt-Atlas“: Steinheimer Dorf Ottenhausen arbeitet mit Universität Paderborn zusammen

Plattdeutsche Sprache als Teil der Heimat

Steinheim-Ottenhausen (WB/nf). In den Dörfern wird nur noch von wenigen „Platt“ gesprochen – und die Zahl derer, die es sprechen können, schwindet dramatisch.

Heimatfreund Stephan Lücking heißt Dr. Nadine Wallmeier (Fakultät für Kulturwissenschaften, Universität in Paderborn) mit einer alten, in „Platt“ gefassten Einladung zu einem Schützenfest willkommen. Foto:

Dabei sei Plattdeutsch die Sprache der Großeltern, die Identität geschaffen habe. Um die früher landläufige Sprache für die heimat zu erhalten, wird an mehreren Universitäten (unter anderem in Paderborn an der Fakultät für Kulturwissenschaften) ein auf 17 Jahre angelegtes Projekt durchgeführt. Ziel ist die systematische Erhebung sowie Auswertung und Interpretation von Dialekten und Sprechweisen in Nordrhein-Westfalen sowie Teilen Niedersachsens. Damit soll ein „Dialekt-Atlas“ digital aufgebaut werden. Das heißt, die Sprache wird computergestützt erhoben, in einer Datenbank erfasst und abgelegt.

Dazu suchen Mitarbeiter der Studie Personen auf und befragen sie. Dr. Nadine Wallmeier war jetzt im Bundesgolddorf Ottenhausen bei Thea Klaes. Die 70-Jährige musste Worte nachsprechen und bekam wie alle Befragten einen Katalog mit 400 Fragen.

„Es sind immer die gleichen Fragen,“ so die Mitarbeiterin der Uni Paderborn. Thea Klaes lacht: „Mein Mann spricht Vinsebecker Platt, ich das Platt von Ottenhausen. Dennoch verstehen wir uns bestens.“ Es ist nämlich eine Besonderheit, dass in den Ortschaften früher das Platt immer leicht verschieden war. „Platt wurde auch gerne gesprochen, damit die Kinder nicht alles verstehen konnten“, weiß Thea Klaes.

Aus jedem Ort zwei Platt-Kenner

Die Ottenhäuserin ist auch überzeugt, dass der Dialekt gut klingt. „Selbst wenn in Platt geschimpft wird, ist niemand böse!“ Heimatfreund Stephan Lücking macht sich dafür stark, dass möglichst zwei aus jeder Ortschaft zur Mitwirkung bereit erklären. In ganz Ostwestfalen soll der Dialekt in 300 Orten gesammelt werden.

Die Aufnahmen und Interviews laufen bis 2025 – mit Abschluss der Dokumentation sei 2032 zu rechnen.

„Steinheim und seine Ortschaften sind vielfach noch ein weißer Fleck,“ hofft Lücking auf eine breite Unterstützung. Wer mitmachen möchte und sich so die Dokumen-tation und den Erhalt des Platt unterstützen möchte, könne sich bei Lücking unter der Telefonnummer 8581 melden. Er würde dann den Kontakt zur Universität herstellen. Auch Interessierte aus Lippe könnten sich melden.

Kurze Geschichten übersetzt

Der Senior Franz-Josef Wiechers aus Ottenhausen, der viele Jahre im Vorstand des Heimatvereins Ottenhausen als Heimat- und Kulturbeauftragter tätig gewesen ist, begrüßt das neue Projekt mit der Universität. „Ich habe es vor Jahren schon einmal selbst versucht, das Thema Platt intensiv aufzugreifen“, verriet er am Montag dieser Zeitung. Bislang habe er aber nur ein paar kurze Geschichten ins Platt übersetzen lassen.

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