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Merlsheim, wie es singt und lacht: Virtueller Karnevalsabend ließ Woge des Frohsinns in die Wohnzimmer schwappen

„Wir machten diesmal online mit“

Nieheim-Merlsheim

Vom Corona-Virus lassen sich Karnevalisten in Merlsheim nicht anstecken. Ganz im Gegenteil. Auch wenn sie in diesem Jahr nicht mit der Katze durch die Stadt ziehen können, lassen sie ihrer Kreativität freien Lauf.

Heinz Wilfert

Auch das Zweigestirn Bauer Volker und ihre Lieblichkeit Jungfrau Thomas mischte im Programm kräftig mit. Foto: Heinz Wilfert

Die Karnevalisten von „Amsel am Hut“ hatten das passende Rezept gefunden, um in Zeiten von Corona einen „ausgefallenen“ Karneval virtuell mit kräftigem „Olle meh“ zu feiern.

„Merlsheim, wie es singt und lacht“ lautete das Motto des Abends, der am heimischen Computer, Notebook oder Tablet verfolgt werden konnte. Nur eine einmalige Lizenz musste erworben werden, die den technischem Support einschloss. Dann schwappte die karnevalistische Begeisterung per Stream zu Hause in die Wohnzimmer.

Insgesamt 140 Lizenzen wurden in rund 30 Ortschaften verkauft, 333 Zuschauer verfolgten den digitalen Karnevalsspaß, bis aus Lübeck. Auch Bürgermeister Johannes Schlütz saß vor dem Bildschirm und verfolgte die närrische Sitzung. Den Überschuss in Höhe von 2000 Euro stellt die Karnevalsgesellschaft „Amsel am Hut“ für die Bürgerhalle zur Verfügung, die derzeit aufwändig saniert wird.

„Mitgeliefert wurde beim Kauf der Lizenz auch ein Karnevals-Care-Paket, in dem alles enthalten war, was zu einer perfekten Karnevalsstimmung nötig ist,“ berichtet „Amsel am Hut“-Präsident Oliver Bönecke, der mit Assistentin Marina Scheike durch das schwungvolle, vierstündige Programm führte. Im Paket waren neben einer Flasche Bier und einem himmlischen Amselgetränk mit Sekt und Aprikose Chips, Erdnüsse und ein Sessions-Anstecker enthalten.

Ihren virtuellen Hallenkarneval haben die Merlsheimer Jecken schon seit November geplant und vorbereitet. Die Idee ist sofort auf große Sympathie gestoßen. „Wir wollten nicht auf das Lachen, die Fröhlichkeit und die Lebensfreude verzichten, die zum traditionellen Merlsheimer Karneval gehören,“ begründete Bönecke die Entscheidung für das Format virtueller Karneval. Damit bestätigte sich eindrucksvoll: der Merlsheimer Karneval ist traditionell, aber nicht konventionell, auch weil ihn alle Vereine gestalten und das Programm mittragen.

Grußworte sprachen die Präsidenten der Karnevalisten aus Nieheim, Pömbsen, der Rot-Weißen-Garde Bad Driburg und aus Peckelsheim, die mit Olle Meh, Driburg Helau, Pickel Jau und Pümissen wui, wui die Stimmung entfachten. Im Programm ging es Schlag auf Schlag. Gezeigt wurden Höhepunkte des Merlsheimer Hallenkarnevals aus den vergangenen Jahrzehnten. Die Filme hatte Ortsheimatpfleger Gisbert Zünkler gesammelt und zur Verfügung gestellt. Zu sehen waren die besten Vorträge, eingespielt wurden Tänze der Nieheimer Tanzgarden und Clips der Emmersingers.

Zu erleben waren in Zeitsprüngen die Höhepunkte aus 33 Jahren mit dem karnevalistischen Urgestein Friedhelm Pape, der schon Jahrzehnte in der Bütt steht, Lisbeth und Änne, die fünf Frauen mit dem Hit „Schöne Frauen kosten Geld, von Berlin bis Bielefeld“ oder dem Auftritt der Schluckspechte von 2020, deren legendärer Satz „Stop – komm her – geh auf die Seite“ zum geflügelten Wort wurde. Die historischen Beiträge zeigten, dass man im Amseldorf auf die Pauke zu hauen und zu feiern versteht.

Dazu kamen aktuelle Lieder und Sketche, die natürlich ganz coronakonform einstudiert wurden. Dazu gehörte ein Videoclip der Feuerwehr sowie der Song von Henrik Baum und Oliver Bönecke „Ich wollte niemals ein Steinheimer sein“. Beide sind leidenschaftliche Karnevalisten, im vergangenen Jahr wurden sie mit dem Euro-Katzenorden der NKG Nieheim ausgezeichnet. Kräftig im Programm mischte auch das amtierende Zweigestirn, Bauer Volker, der blechbiegende Biker und ihre Lieblichkeit, Jungfrau Thomas, die wehrhaft Motorisierende. Für sie gab es vom Präsidenten die gute Nachricht, dass sie ein Jahr länger bis 2023 amtieren dürfen. An das Zweigestirn konnten närrische Selfies geschickt werden, die besten wurden prämiert.

„Wir rufen allen zu: Denn Einigkeit auf Schritt und Tritt, das tut ja gar nicht weh, wir machten diesmal online mit, wö maket OLLE MEH. Und nächstes Jahr wieder in der Bürgerhalle,“ so Oliver Bönecke.

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