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Migrationsberaterin hat auch wegen des Ukrainekrieges alle Hände voll zu tun

Traumatisierte finden im Kreis Höxter Hilfe

Brakel

Die Caritas-Mitarbeiterin Ewa Sczesny ist zurzeit die einzige Migrationsberaterin für erwachsene Zuwanderer im Kreis Höxter. Entsprechend hoch ist die Nachfrage nach ihrer Beratung, die unabhängig und niedrigschwellig ist. Oft muss sie Menschen helfen, die zutiefst traumatisiert sind. Jetzt besuchte der Bundestagsabgeordnete Christian Haase die Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer (MBE) des Caritasverbandes für den Kreis Höxter.

Die Beratung und Betreuung von Flüchtlingen hat im MIttelpunkt eines Gespräches mit Christian Haase (links), Ewa Sczesny und Thomas Rudolphi gestanden. Foto: Karl-Martin Flüter

Christian Haase wollte sich über die Beratung und Betreuung von Flüchtlingen informieren, die seit dem Beginn des Ukrainekrieges auch im Kreis Höxter zu einer zentralen sozialen Frage geworden ist.

Mehrere Außenstellen

Vor allem Menschen aus der Ukraine kommen in die Sprechstunden von Ewa Sczesny, die nicht nur in der Geschäftsstelle des Caritasverbandes für den Kreis Höxter in Brakel, sondern auch in mehreren Außenstellen im Kreis stattfindet. Deshalb liegt die Last auf Ewa Sczesny, die nicht nur Ansprechpartnerin für Flüchtlinge, sondern auch für Zuwanderer aus der EU und aus Drittstaaten ist.

Obwohl die Arbeit eher mehr als weniger wird, plante die Bundesregierung, die finanziellen Mittel für die Migrationsberatung um 25 Prozent zu reduzieren. Erst Ende September wurde diese Kürzung zurückgezogen, es bleibt bei den alten Förderungssätzen. Das lag auch an der vereinten Kritik aller Wohlfahrtsverbände.

Christian Haase war die Brisanz bekannt, die sich mit den Kürzungsplänen der Bundesregierung verband. Als Mitglied des Haushaltsausschusses im Bundestag und als haushaltpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion will er diese Frage weiterverfolgen.

Tatsächlich hätte die Bundesregierung Probleme gehabt, die Kürzungen zu rechtfertigen, denn die Migrationsberatung ist ein sehr effektives Instrument, um zugewanderte Menschen in die deutsche Gesellschaft zu integrieren. Das zeigt sich im Kreis Höxter.

Situation gelöst

Ein Beispiel ist die Familie, die verzweifelt versuchte, ihre 16jährige Tochter zu sich zu holen. Das Mädchen war nicht mit ihren Eltern, sondern mit ihrer Tante aus der Ukraine geflohen und in einer süddeutschen Stadt registriert worden. Die staatlichen Regelungen sehen vor, dass die Menschen dort wohnen müssen, wo sie zuerst angemeldet wurden. Deshalb weigerte sich die Kommune im Kreis Höxter, das Mädchen hier anzumelden – was faktisch die Trennung der Familie bedeutete. Das Mädchen hätte einen Umverteilungsantrag stellen müssen, was mit einem großen Bürokratieaufwand verbunden gewesen wäre.

„Das konnten wir dem Mädchen nicht antun“, meint Ewa Sczesny. „Sie hat genug Schlimmes erlebt.“ Die Caritas-Migrationsberaterin hat die Kontakte und das Wissen, um die schwierige Situation zu lösen. Im Gespräch mit dem Ausländeramt des Kreises und der Gemeinde gelang es ihr, die Behörden von einer Ausnahme zu überzeugen. Mittlerweile lebt das Mädchen wieder mit den Eltern und ihren Geschwistern zusammen.

Solche Erfolge sind möglich, weil Ewa Sczesny eine unabhängige Mittlerposition zwischen Betroffenen und Ämtern einnimmt. „Die emotionale Hürde ist einfach geringer, wenn die Menschen zu mir, zum Caritasverband, kommen“, sagt sie, „ein Besuch beim Amt löst einfach mehr Befürchtungen aus.“

Wohlfahrtsverbände helfen

Caritas-Vorstand Thomas Rudolphi ist derselben Meinung. „Genau das ist der Sinn des sogenannten Subsidiaritätsprinzips, das im Grundgesetz festgehalten ist“, sagt er. Subsidiarität bedeutet die ortsnahe und individuelle Hilfe, für die sich Hilfesuchende zuerst an Wohlfahrtsverbände wenden sollen.

„Genau dieses Prinzip“, ist sich Thomas Rudolphi sicher, „stellt sicher, dass die Hilfe überparteilich und unabhängig von anderen Interessen stattfindet. Wir sind einfach nahe dran an den Menschen.“

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